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25.05.2022

Langeoog: Strandaufspülung


Strandaufspülung auf Langeoog beginnt nach Pfingsten
Küstenschutzmaßnahme des NLWKN sichert Schutzdüne nach ereignisreicher Sturmflutsaison

 

Während auf Baltrum der Sand für den Bade- und Burgenstrand mittels Bagger, Dumper und Raupe aufgeschüttet wird, werden auf Langeoog die Strandaufspülungen zum Schutz des Pirolatals vorbereitet. Es wird oft gefragt, warum das auf Baltrum nicht ebenso gemacht wird - das Verfahren ist einerseits wesentlich aufwändiger, zweitens langwieriger und drittens auf Baltrum nicht zum eigentlichen Küsten-/Inselschutz erforderlich. Zudem befinden sich auf Langeoog an der Stelle keine Strandkorbabschnitte.

 

Vergangene Woche wurde auch der Riffbogen zwischen Baltrum und Langeoog vermessen: Ganz nah an den Langeooger Strand fuhr das Vermessungsschiff GEO EXPLORER heran, das zur Flotte der Firma GEO Group mit Sitz in Franken und Geschäftsstellen unter anderem in Wilhelmshaven und Bremerhaven gehört, teilte Langeoognews mit. Jede Menge "neuer Sand von Baltrum" war in dieser Saison auf dem Weg zum Hauptstrand unterwegs. Lang gestreckt liegt dort jetzt eine Sandbank, die bereits im Bereich des Dünenübergangs Gerk-sin-Spoor den Anschluss geschafft hat. Nach und nach wird sie den Strand bis in den Westen der Insel mit Sand versorgen. Bis dahin ist zwischen der Plate und dem Strand ein Priel, in dem es zu stärkeren Strömungen kommen kann.


Die heutige Pressemitteilung vom NLWKN:

 


 
Das geplante neue Sanddepot vor der Schutzdüne am Pirolatal (Bilder: NLWKN)

 


Norden/Langeoog 450.000 Kubikmeter - so viel Sand ist vor dem Langeooger Pirolatal erforderlich, um die Ostfriesische Insel auch weiterhin zuverlässig vor den Kräften des Meeres zu schützen. Die mehr als 20 leichten Sturmfluten des vergangenen Winterhalbjahres hatten am Sanddepot vor der Schutzdüne deutliche Spuren hinterlassen. Es soll bis zum kommenden Winter wiederaufgebaut werden, teilt der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit. Bereits in der ersten Junihälfte soll die erforderliche Strandaufspülung im Auftrag des NLWKN beginnen. Ein Abschluss der Arbeiten ist bis September 2022 vorgesehen.

 

Dazu der Niedersächsische Umweltminister Olaf Lies: „Es ist wichtig, dass die Arbeiten auf der durch die Sturmfluten zuletzt arg in Mitleidenschaft gezogenen Insel Langeoog jetzt starten. Wir kümmern uns um unsere Inseln. Dabei geht es um den Schutz der Inseln selbst. Aber es geht auch um den Schutz des Festlandes. Denn die Inseln sind für den Küstenschutz insgesamt enorm wichtig, sie haben eine Funktion als quasi vorgelagerte Wellenbrecher. Darum investiert das Land jedes Jahr Millionenbeträge, um den bestmöglichen Küstenschutz zu gewährleisten. Das ist sehr gut investiertes Geld."

 

Vor allem die zurückliegende ereignisreiche Sturmflutsaison hat auf einer Länge von zwei Kilometern zu erheblichen Sandverlusten am Sanddepot vor der Schutzdüne geführt. „Auf einer Teilstrecke von 700 Metern Länge wurde das Depot vollständig abgetragen", erläutert Prof. Frank Thorenz, Leiter der für die Ostfriesischen Inseln zuständigen NLWKN-Betriebsstelle Norden. Der Sand wurde durch die starken Seegangs- und Strömungsbelastungen in den Sturmfluten dabei wie beabsichtigt nicht aus der Schutzdüne, sondern aus dem Depot abgetragen. „Das Sanddepot hat sich als Verschleißkörper gewissermaßen für die Düne „geopfert". Damit hat es seine Funktion zum Schutz der eigentlichen Dünensubstanz am Pirolatal vollständig erfüllt", betont Prof. Thorenz.

 

Durchführung in der Sommersaison erforderlich

Zum Schutz des Trinkwassergewinnungsgebietes und der Ortslage muss die Funktionsfähigkeit des Depots bis zum Winterhalbjahr wiederhergestellt werden, um Dünenabbrüche an der Schutzdüne zu vermeiden. Hierzu wird das Depot auf einer Länge von zwei Kilometern durch Aufspülung von 450.000 Kubikmetern Sand und mit einer Breite von 50 Metern wiederhergestellt. Der Sand für die Langeooger Strandaufspülung wird mit einem Spezialschiff, einem sogenannten Laderaumsaugbagger, westlich von Langeoog in der Accumer Ee gewonnen. „Hier stehen ausreichende Sandmengen zur Verfügung, denn die Entnahmestelle kann sich durch die vorherrschenden starken Strömungen und den ständigen Seegangseinfluss sowie dem damit verbundenen Sandtransport auf natürliche Weise schnell wieder regenerieren" erläutert der Küstenschutzexperte.

 

Das Spezialschiff transportiert den Sand in das Seegebiet unmittelbar vor dem Pirolatal. Dort verbindet es sich über eine Koppelstation mit einer knapp zwei Kilometer langen Spülleitung und pumpt den Sand an den Strand, um das Depot wiederaufzubauen. Die Aufspülung soll Anfang Juli beginnen. „Zunächst wird die Spülleitung als Ganzes schwimmend von See aus mithilfe von Schleppern antransportiert und etwa in der Mitte des Aufspülbereiches auf dem Meeresgrund abgesenkt", erklärt NLWKN-Projektleiter Theo van Hoorn. Danach wird zunächst der Laderaumsaugbagger „Magni" der dänischen Spezialfirma Rohde Nielsen A/S bei der Arbeit vor der Insel zu beobachten sein. Das Schiff fasst 1.570 Kubikmeter Sand.

Das Schiff befüllt im Entnahmebereich den Laderaum mit Sand und fährt dann zur Koppelstation in der Accumer Ee. Dort wird das Sand-Wasser-Gemisch über die zwei Kilometer lange Spülleitung zum Strand gepumpt. Der Sand lagert sich nach Austritt aus der Spülleitung ab und wird mit Planierraupen profiliert. „Der Aufspülbereich selbst muss aufgrund der möglichen Gefahren während des Spülbetriebs teilweise gesperrt werden", erläutert van Hoorn. Für derartige Arbeiten steht immer nur ein relativ schmales Zeitfenster bis zur nächsten Sturmflutsaison zur Verfügung. „Eine Überschneidung mit der Tourismussaison ist leider nicht zu vermeiden. Die Planungen wurden deshalb eng mit der Gemeinde- und Kurverwaltung auf Langeoog abgestimmt. Wir können das gute Schutzniveau für die Insel aber nur gewährleisten, wenn wir mit entsprechenden Maßnahmen in der sturmflutfreien Zeit des Sommers gezielt aktiv werden", erläutert Frank Thorenz. Per Flyer, Bauschilder und über das Internet sollen Inselbesucher über die erforderlichen Arbeiten und eventuelle Einschränkungen informiert werden.

 

Orientierung an natürlichen Prozessen

Langeoog ist die einzige Ostfriesische Insel, auf der bisher keine massiven Küstenschutzanlagen erforderlich waren, um die Strände und Dünen gegen andauernde Erosionen zu sichern. „Unser Ziel ist es, Schutzmaßnahmen für Schutzdünen im besonders wertvollen Naturraum des Nationalparks an den natürlich ablaufenden Prozessen zu orientierten und soweit möglich den Bau massiver Küstenschutzanlagen zu vermeiden. Über Strandaufspülungen kann eine nicht ausreichende natürliche Sandversorgung ausgeglichen werden", erklärt Prof. Thorenz die Hintergründe der Maßnahme.

 

Die Finanzierung des knapp 6,5 Millionen Euro teuren Vorhabens auf Langeoog erfolgt aus Mitteln der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes sowie aus Sondermitteln des Landes Niedersachsen zur Beseitigung von Sturmflutschäden an den Küstenschutzanlagen der Ostfriesischen Inseln. Hierfür hatten Ministerpräsident Stephan Weil und Umweltminister Olaf Lies im März zusätzlich rund fünf Millionen Euro als Sondermittel des Landes angekündigt.

 




Das Sanddepot vor der Schutzdüne am Pirolatal nach den Sturmfluten des letzten Winters: An einzelnen Stellen reicht die Abbruchkante bis an die Schutzdüne heran

 




Das Depot im Profil. Die dahinterliegende Schutzdüne erreicht Höhen von bis zu 12 m über NHN und spielt eine wichtige Rolle beim Küstenschutz für Langeoog


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: NLWKN
Quelle: NLWKN | Langeoognews.de


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