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29.06.2020

Die Sache mit dem Ökostrom


Wir veröffentlichen an dieser Stelle einen Leserbrief vom Baltrumer Ratsmitglied Jann Bengen. Der Text bezieht sich auf den vom Rat abgelehnten Vorschlag der Marketing-Abteilung der Gemeinde Baltrum, eine Rabatt-Aktion für das Gastgeberverzeichnis zur Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien einzuführen. Details dazu können hier nachgelesen werden.

 


 

Die Marketingabteilung der Kurverwaltung Baltrum hatte sich eine Rabattaktion ausgedacht, um Baltrumer Betriebe davon zu überzeugen, auf Ökostrom umzusteigen. Der Anzeigenpreis sollte für Stromwechsler um 50 % gesenkt werden und um die bisherigen Nutzer von Ökostrom nicht zu verprellen, sollten auch diese einen einmaligen Rabatt von 50 % auf den Anzeigenpreis erhalten. Damit sollte durch ein Minimum an Aufwand ein angemessener Beitrag zur Energiewende geleistet werden.

 

Dieser Vorschlag wurde im Gemeinderat mehrheitlich abgelehnt, da er zu Einnahmeverlusten bis rd. 27.000 Euro für die Kurverwaltung geführt hätte. Das konnte sich eine durch die Corona-Krise stark gebeutelte Verwaltung einfach nicht leisten.

 

Aber der Vorschlag der Marketingabteilung regt an, über das Thema Ökostrom intensiver nachzudenken. Denn Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom und die Sachlage ist schon sehr komplex und nicht jeder Ökostromtarif tut auch etwas für die propagierte Energiewende oder gar etwas für die Rettung des Planeten.

 

Aufgrund unseres Stromnetzes kommt aus jeder Steckdose derselbe Strom, egal ob ich einen Ökostromtarif habe oder einem konventionellen Stromanbieter mein Geld gebe.

 

Daher bezieht jeder Haushalt bereits heute Strom zu 46 % aus erneuerbarer Energie.


Abbildung 1, Quelle: https://strom-report.de/strom/#strommix-2019-deutschland

Darüber hinaus trägt nicht jeder Ökostromtarif zur Energiewende bei oder spart CO2 ein. Das liegt u. a. am Handel mit Ökostromzertifikaten. Durch das Renewable Energy Certificate System (RECS) ist es möglich, konventionellen Strom legal in Ökostrom um-zudeklarieren. Ein deutscher Stromerzeuger, der ausschließlich Kohle- oder Atomstrom produziert, kauft diese Zertifikate bei einem Stromproduzenten, der z. B. ausschließlich Strom aus Wasserkraft gewinnt. Dann kann er seinen Kohle-/Atomstrom als Ökostrom anbieten.

 

Auch Ökostromanbieter, die keinen Zubau von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie garantieren, tragen nicht zur Energiewende bei.

 

Es ist fraglich, ob unsere Marketingabteilung diese Feinheiten, bei der Bewertung von Ökostrom beachtet oder einfach den Rabatt jedem gewährt, der ein Zertifikat seines Stromanbieters vorlegt, wo draufsteht „Ökostrom“.

 

Was also ist zu tun, wenn man wirklich zur Energiewende beitragen will, einen echten Beitrag zur CO2-Reduktion leisten möchte und ganz generell verantwortungsvoller mit den Ressourcen unseres Planeten umgehen möchte?

Die Sache ist relativ einfach, kostet Geld und bedeutet manchmal auch einen gewissen Verzicht auf Komfort:

 

1. Strom sparen. Dazu gibt es im Internet viele Beispiele.

2. Durch erneuerbare Energien, hier Solarthermie, fossile Brennstoffe einsparen.

3. Strom dezentral durch Photovoltaik selbst erzeugen.

4. Wärmerückgewinnung in den Häusern einsetzen.

5. Lastgesteuerte Heizungspumpen einbauen.

6. Die Durchlaufzyklen von heißem Wasser in den Betrieben reduzieren.

7. Einen Ökostromtarif wählen, wo der Anbieter einen Zubau von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien garantiert. Finanziert durch die Einnahmen aus diesem Ökostromtarif.

 

Diese Liste läßt sich noch beliebig fortsetzen und soll nur als Denkanstoß verstanden werden. Den Vorschlag unserer Marketingabteilung nur einen Punkt herauszustellen und mit Geld zu honorieren finde ich zu kurz gegriffen und wird denjenigen nicht gerecht, die schon seit Jahren kostspielige Maßnahmen ergriffen haben, um zur Energiewende beizutragen.

 

Muntervoll

Euer Jann Bengen


 

 

 


Autor: Dennis Jost
Fotos: https://strom-report.de/strom/#strommix-2019-deuts
Quelle: Jann Bengen