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13.06.2020

Quallen – schwebende Schönheiten


Quallen – schwebende Schönheiten

 

Quallen sind Tiere mit zwei Gesichtern. Man kennt im Wesentlichen die Qualle (wissenschaftlicher Ausdruck für Qualle ist Meduse, in Anlehnung an das Fabelwesen aus der griechischen Mythologie mit den Schlangenhaaren), so wie sie am Strand zu finden ist.

Die Quallen pflanzen sich im Herbst fort – männliche Quallen geben Samen ins Wasser, weibliche Eier. Im Wasser treffen sich Ei und Samen, das Ei ist befruchtet. Einige Zeit später schlüpft eine Larve, die wie ein winziger, filziger Pantoffel aussieht. Diese pantoffelartige Larve setzt sich auf einem Stein fest und wächst zu einem Polypen, einem Stämmchen mit Fangarmen heran (die Polypen der Ohrenqualle sind z.B. ein Zemtimeter groß). Die Fangärmchen sind ebenfalls mit Nesselzellen besetzt.

Wenn im Frühling die Wassertemperaturen steigen, weiß der Polyp, dass die richtige Zeit angebrochen ist, und fängt an, winzig kleine, sternförmige Untertassen abzuschnüren. Diese wachsen heran, die Aussparungen der Sternform wachsen zusammen und die schirmförmige Qualle ist fertig.

 

 

 

Artillerie an Bord

Zur Abschreckung von Feinden oder zum Nahrungserwerb besitzen sowohl die festsitzenden Polypen (oberseits), als auch die freischwimmenden Quallen (unterseits) Nesselzellen auf den Tentakeln.

 

 

Nesselzellen gehören zu den kompliziertesten Mechanismen im Tierreich – kommt man ihnen zu nah, werden sie ausgelöst und eine kleine Harpune in das Beutetier geschleudert (in den Nesselzellen herrscht ein Druck von 200 bar, d.h. die explodieren regelrecht), das Nesselgift entleert. Dadurch wird die Beute gelähmt/getötet, am Harpunen-Faden zurückgezogen, zum zentral sitzenden Magen transportiert (bei der Ohrenqualle z.B. durch Wimpernbänder) und verspeist.

 

Quallen haben auch Sinnesknospen, die Gleichgewichtsorgane, Seh- und Geschmackszellen enthalten. Meistens befinden sich diese Sinneszellen am Schirmrand.

 

 

Glibberig – im Dienst unserer Schönheit

Die Qualle heißt im Englischen jellyfish aufgrund ihrer geleeartigen Masse aus Wasser und Kollagen, die das elastische Skelett bilden. Dieses Quallen-Kollagen wird sogar in kosmetischen Produkten verwendet, um unsere Falten im Gesicht verschwinden zu lassen.

Quallen bestehen zu 98% aus Wasser – sind sie an Land, haben sie ihr Leben schnell ausgehaucht. Das gilt nicht für ihre Bewaffnung, die kann durchaus trotz verstorbener Qualle noch gut funktionieren! Da Quallen aus demselben Material sind, in dem sie schwimmen, können sie im Wasser schweben, während wir uns beim Schwimmen in der Nordsee richtig abstrampeln müssen…

Quallen können per Rückstoßprinzip schwimmen, indem sie den Schirm rhythmisch zusammenziehen und das Wasser dabei herauspressen. Allerdings sind sie dermaßen langsam im Schwimmen, dass es viel einfacher und energiesparender ist, „sich treiben zu lassen“.

 

 


Ohrenqualle

Benannt ist sie nach den vier-hufeisenförmigen (ohrenförmig aussehenden) Geschlechtsorganen. Doch nicht jede Ohrenqualle ist ein Mathe-Genie und kann richtig zählen:

 

 

Die Geschlechtsorgane sind bei den Männchen weißlich, bei den Weibchen violett. Die einzige Quallenart, die uns von außen ihr Geschlecht zu erkennen gibt! Sie haben einen Durchmesser bis zu 30 Zentimetern.

 

 

Die Ohrenqualle ist für Menschen harmlos, da ihre Nesselkapseln unsere Haut nicht durchschlagen.

Besonderheit: Bei der Ohrenqualle geht die Liebe durch den Magen. Die Spermien werden aufgeschlürft, im Inneren der Qualle das Ei befruchtet.

 

 


Kompassqualle

 

 

Auf der Oberfläche der Kompassqualle befinden sich braunrote, konzentrische Streifen, die an die Stricheinteilung einer Windrose im Kompass erinnern (Name). Die Kompassqualle hat vier schlanke, blassbraune Mundlappen, deren Länge bis zur fünffachen Größe des Schirms entsprechen kann. Sie haben barocke Ausmaße, d.h. ihre Mundarme einen deutlichen Rüschenrand. Die Kompassqualle erreicht 20- 30 cm Durchmesser. Ihre Nesselzellen sind für Menschen ungefährlich.

Besonderheit: Kompassquallen machen während ihres Lebens eine Geschlechtsumwandlung durch: Sie sind zunächst männlich, dann eine Zeitlang Zwitter und schließlich weiblich.

Die Kompassqualle ist übrigens das Wappentier der Biologischen Anstalt Helgoland.

 

 


Gelbe Nesselqualle (Feuerqualle)

 

 

Auch als Feuerqualle bekannt, weil sie zum einen eine gelblich bis rötliche Farbe hat, und zum anderen unsere am stärksten nesselnde Qualle ist (sie verursachen beim Menschen Verbrennungen). Die Fangtentakel, die mit Nesselzellen besetzt sind, werden wie ein Schweif hinterher geführt. Die Feuerqualle kann 50 Zentimeter Durchmesser erreichen.

Im Englischen heißt sie lion's mane jellyfish und musste als Mörderin in „Die Löwenmähnenqualle“ in Sir Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes herhalten… eine eindeutige Übertreibung ihrer Wirkung!

 

 


Blaue Nesselqualle

 

 

Vermutlich eine kleine Verwandte der Feuerqualle, oft unter 15 cm Durchmesser und die häufigste Qualle der sommerlichen Nordseeküste. Ihr Schirm ist deutlich gewölbter als der der Feuerqualle; außerdem hat sie weniger und kürzere Tentakel. Sie hat ein wunderschönes, blauviolettes, konzentrisches Muster.

Ihre Nesselkraft ist vergleichbar mit der von Brennnesseln… erzeugt jedoch bei Beutetieren einen nervlichen Schock. Sie frisst Rippenquallen, andere kleine Quallen und andere Planktontiere.

 

 


Wurzelmund- oder auch Blumenkohlqualle

 

 

Die Blumenkohlqualle hat einen hoch aufgewölbten Schirm, der relativ fest ist, schon fast knorpelartig. Sie kann einen Durchmesser von 50 bis 60 Zentimeter erreichen, bleibt aber meistens halb so groß. Ihre acht Mundlappen sind miteinander verwachsen (wirkt wie ausgefranst). Dieses Aussehen erinnert an Blumenkohl, nur dass die Grundfärbung der Qualle kräftig blau ist.

Blumenkohlquallen nesseln nicht, sondern saugen ihre Nahrung (Kleinstorganismen) über Poren und Kanäle der Mundlappen in den Magenhohlraum ein.

Sie ist die einzige Wurzelmundqualle bei uns und zugleich die einzige Qualle, von der man annimmt, dass sie mehrjährig sein könnte (in dem sie den Winter in tieferen Gewässern überlebt).

 


Wer nun glaubt, dass seien alle, den müssen wir enttäuschen: Es gibt noch die Rippenquallen. Also: Fortsetzung folgt.

 

 

Wir hoffen sehr, dass Sie/Ihr mit Leichtigkeit ins Wochenende schweben/schwebt und nicht zu viele Harpunen auf Baltrum ausgeschleudern/t, auch wenn aufgrund der besonderen Umstände zur Zeit einmal eine längere Wartezeit durchzustehen ist oder die Abläufe anders sind als sonst.

 

Mit sonnigen Grüßen – das Nationalpark-Haus Team


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Karen Kammer
Quelle: Karen Kammer, Nationalpark-Haus Baltrum