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15.05.2020

Anbaden


Am 15. Mai ist traditionell Anbaden auf Baltrum!

 

Ringelgänse – arktische Schönheiten, extra zum Anbaden auf Baltrum

 

Der wissenschaftliche Name lautet Branta bernicla. Branta ist Lateinisch für „schwarze Gans“, bernicla steht für den Namen einer Muschel, die an Hölzern von Meeresküsten vorkommt. Früher dachte man, dass die Gans aus einer Muschel entstehen würde. Kaiser Friedrich II schickte seine Seefahrer deshalb in die nordischen Gebiete, um dem Geheimnis der „Bernikelgans“ auf den Grund zu gehen.

Dieser Glaube an den „Gänsebaum“ hatte durchaus Vorteile. Wenn die Früchte des Gänsebaumes ins Wasser fallen (die sogenannten Entenmuscheln, große Verwandte der Seepocken und damit zu den Rankenfußkrebsen gehörend), wachsen daraus Enten und Gänse. Damit wurden Enten und Gänse als Pflanze klassifiziert, d.h. sie durften in der Fastenzeit vor Ostern gegessen werden!

Die Entenmuscheln werden manchmal von ihren festen Untergründen abgerissen und am Strand angespült. Mit viel Phantasie kann man den unfertigen Kopf der Gans erkennen:

 

 

Der deutsche Name, Ringelgans, ist einfacher: Er beruht auf dem leicht gebogenen, halbmondförmigen Fleck am Hals, den die jungen Ringelgänse erst im Frühling des Folgejahres nach dem Schlüpfen bekommen.

 

 

Manchmal wird sie als „Rottgans“ bezeichnet, nach ihren kehlig-rollenden „Rott-Rott“-Rufen. Bei den Niederländern heißt sie „Rotgans“.

 

Die Ringelgänse werden etwa stockentengroß und wiegen bis zu 1600 Gramm. Sie sind die kleinsten Meeresgänse, die bei uns vorkommen. Die Ringelgans verhält sich auch entenähnlich: Sie schwimmt gerne und gründelt häufig.

 

Stellvertretend für uns übernimmt sie heute das traditionelle Anbaden:

 

 

Wer viel schwimmt, muss tüchtig futtern. Ringelgänse sind Vegetarier: Die Pflanzen in der Salzwiese bieten im Frühjahr einen hohen Proteingehalt. So können Ringelgänse pro Zeiteinheit etwa 60% mehr Energie aufnehmen als auf Wiesen im Binnenland. Das Fressen im Wattenmeer ist überlebensnotwendig. Um jetzt im Frühling die nächste Flugetappe zu schaffen, muss vor dem Abflug ein Fettdepot von 350 Gramm angelegt werden. Das bedeutet kurz vor dem Abflug: Täglich 15 Gramm Zunehmen! Umgerechnet auf einen 80 Kilogramm schweren Menschen würde dies bedeuten, während seines Baltrum-Urlaubes 17,5 Kilogramm zuzunehmen, in den letzten Urlaubstagen sogar täglich 750 Gramm…

 

 

Sogar im Liegen wird weiter gefuttert:

 

 

Dieses Fett ist das „Flugbenzin“ und wird Richtung Po eingelagert. Das erinnerte bildhaft an den niederländischen Maler Rubens, der gerne fülligere Frauen malte. So bekam die den Namen „Rubensbauch“ - in diesem Fall gilt: Je fetter, desto fitter!

 

 

In Kürze fliegen unsere Ringelgänse ab. Sie wollen zur Taimyr-Halbinsel in Sibirien, in zwei Etappen à rund 4.500 Kilometer Flugstrecke. Dort in Sibirien wird eine Familie gegründet – wir werden unsere Ringelgänse also mit frischer Verstärkung im September wiedersehen, wobei dem Nachwuchs im Herbst der namensgebende Ringel noch fehlen wird.

 

Viel Spaß beim virtuellen Anbaden und ein schönes Wochenende wünscht das Nationalpark-Haus Team!



Link -> YouTube-Kanal des Nationalpark-Hauses Baltrum

 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Karen Kammer
Quelle: Karen Kammer, Nationalpark-Haus Baltrum