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31.12.2020

Jahreswechsel


Mit Füßen getreten, meist unbeachtet: Sand

 

Man geht gerne am Strand spazieren, freut sich über Funde, die das Meer gebracht hat, oder Spuren, die man entdecken kann (wenn man schnell genug ist und sie nicht vom Winde verweht werden):

„Eines Tages, da ich gegen Mittag zu meinem Boot ging, gewahrte ich zu meiner großen Bestürzung am Strand den Abdruck eines nackten, menschlichen Fußes, der im Sand ganz deutlich zu sehen war.“ (Aus: Robinson Crusoe, 1719 von Daniel Defoe).

 

Doch hat man sich schon einmal Gedanken über den Sand selbst gemacht? Je nach dem, wer ihn betrachtet, wird er sehr unterschiedlich beschrieben:

Laut Bauwirtshaft und nach früherer DIN 4022 ist Sand „loses Sediment, dessen Korndurchmesser (sogenannte Korngröße) zwischen 0,063 und 2 Millimeter beträgt“.

Geologisch gesehen handelt es sich um Trümmergestein. Durch Verwitterung wird Granit zu Feldspat und Glimmer zersetzt sowie Schnecken- und Muschelschalen zu Calciumcarbonat; am Ende jedoch bleiben überwiegend schwer zersetzbare Quarzkörner (Siliziumoxid) übrig. [Heute gibt es eine neue Zutat im Sand: Mikroplastikgranulat aus Kosmetik (Duschgel, Shampoo) und Kleidung (z.B. Fleecepullovern)].

 

Sand ist quasi das letzte Stadium eines Felsen auf dem Weg, zu Staub zu werden. Eben noch ein stattlicher Fels im Gebirge, landet dieser nach dem Transport über die Flüsse als viele winzige Sandkörner im Meer. Allerdings dauert diese Reise bei einem durchschnittlichen Fluss ca. eine Millionen Jahre für 200 Kilometer Strecke! Sand ist also uralt und hat lange Zeiträume in der Erdgeschichte miterlebt.

Das Meer liefert uns dann den Sand direkt „frisch“ an den Strand, wo er vom Wind weiter transportiert wird. Die langen Transportwege schleifen die Ecken und Kanten der Sandkörner. Je länger ein Sandkorn unterwegs ist, und je nach dem, wer es transportiert, desto runder wird es: Wird es im Wasser transportiert, muss es den Weg zweimal um die Erde nehmen, um seine Rundungen zu erhalten; vom Wind transportiert geschieht die Verwandlung zum kantenlosen Sandkorn schneller (Ausnahme: Quarz).

 

Sand gibt es reichlich – wobei der meiste Sand eher in den Wüsten der Erde als am Strand der Inseln & Küste liegt. Eine niedrig gehaltene Schätzung lautet, dass es zehn Millionen Kubikkilometer Sand gibt. Eine solche Menge würde die USA mit einer fünf Kilometer hohen Sand-Schicht bedecken! 

 

Doch nicht immer bleibt der Sand da, wo er hin gehört. Gerade an windigen Tagen ist er massenhaft unterwegs: Wussten Sie, dass bei Windstärke Sechs (für Landratten: zwölf Meter pro Sekunde) 65 Tonnen Sand pro Stunde über einen Kilometer Strand geweht werden?

 

https://youtu.be/OQY9qI-p6SA

 

Dieser Sand(flug) ist nicht leicht zu bändigen, um Lewis Carrolls „Alice hinter den Spiegeln“ 1871 zu zitieren:

 

Das Walross und der Zimmerman

Spazierten hier am Strand

Und weinten herzlich über den

entsetzlich vielen Sand:

„O weh und ach!“ so seufzten sie,

„Der Sand nimmt überhand!“

„Wenn sieben Mägde sieben Jahr

Hier täglich siebenmal kehren

Ob sie dann wohl“,

das Walross sprach,

„Den Strand vom Sand entleeren?“

„Wohl schwerlich“,

sprach der Zimmermann

und weinte heiße Zähren.

 

 

Auf Baltrum geht dies unfreiwillig deutlich schneller – uns reicht eine Sturmflut (so geschehen im Februar 2020), schon ist der Strand weg. Dabei ist er für uns überlebenswichtig, schließlich ist er ein Teil des Schutzes vor der Nordsee im stürmischen Winter.

 

Sand – viele haben ihn Zuhause: Kleine Reste aus dem letzten Baltrumurlaub als blinde Passagiere in der Hosentasche, im Sandkasten oder in der Sanduhr (als Zeitgeber beim Eierkochen oder Gesellschaftsspielen).

 

Die letzten Stunden des Jahres sind gezählt, mit Sanduhr oder auch herkömmlichen Uhren. Wir wünschen Ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr, auch wenn das Feiern dieses Jahr in exklusiv kleinem Kreis stattfindet, und drücken die Daumen, dass uns 2021 langsam wieder Richtung Normalität bringt!

 

Bleiben Sie negativ, aber positiv im Kopf - mit den besten Wünschen,

Ihr Nationalpark-Haus Team

 

 

P.S.: Sand eignet sich für kleine Grußbotschaften – vielleicht mag der ein oder andere die Idee aufgreifen und seine Wünsche in den Sand schreiben?

(Und dann gerne hierher senden zum Veröffentlichen!)


 

 

 


Autor: Karen Kammer, Nationalpark-Haus Baltrum
Fotos: Karen Kammer
Frohes neues Jahr Pferd und Hund Ostende: Primärdünen Sandrippeln Strandabgang mit Blick Richtung Langeoog