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21.08.2020
Die Pfuhlschnepfe
Seit Kurzem wieder da: Die Pfuhlschnepfe, ein Paradebeispiel für einen Zugvogel
Der wissenschaftliche Name lautet Limosa (aus dem Lateinischen = Schlamm) lapponica (steht für lappländisch – dort ist sie Brutvogel; auch in Nord-Russland, Sibirien und Alaska) und verrät schon einiges. Die Pfuhlschnepfe mag feuchte Lebensräume (wie im deutschen Namen Pfuhl = Sumpf) und brütet im hohen Norden.
Der deutsche Namensteil „Pfuhl“ könnte auch seinen Ursprung im Mittelhochdeutschen haben und steht für Stocherstange (damit ist der lange Schnabel gemeint, mit dem man im feuchten Grund gut Nahrung heraus stochern kann).
Der zweite Wortteil ist ein wenig negativ behaftet: „Schnepfe“ steht für ein verruchtes Weibsbild und ist eine verbale Herabwürdigung. Vermutlich entstand dies durch den wackelnden Gang mit Hüftschwingen der Vogel-Schnepfen, die man mit dieser Art Damen verglich. Doch Achtung, das ist kein internationaler Begriff für „galante Damen“: Was im Deutschen die „Schnepfe“ beschreibt im Englischen das Wort „Wachtel“ und im Französischen der „Kranich“!

Die Pfuhlschnepfe ist 33 bis 41 Zentimenter lang, davon macht allein 7 bis 11 Zentimeter der Schnabel aus. Beim Weibchen ist der Schnabel etwas länger als beim Männchen, sie haben wohl die „größere Klappe“. Bei beiden ist der Schnabel leicht aufwärts gebogen.
Die Flügel-Spannweite beträgt zwischen 62 und 78 Zentimeter. Das Gewicht liegt zwischen 250 bis 400 Gramm.
Im Prachtkleid (Frühling) ist die gesamte Unterseite des Männchens ziegelrot. Die Weibchen sind viel heller, meist ohne Rotbraun (schmutzig weiß mit Orangeton); der Schnabel rost-orange mit schwarzer Spitze. Im Schlichtkleid (Herbst) sind sie hell graubraun, der Schnabel ist rosa mit dunkler Spitze.

Prächtige Frühlings-Pfuhlschnepfen

„Eintönigere“ Herbst-Pfuhlschnepfen, z.T. schlafend
Verhalten
Pfuhlschnepfen sind Küstenzieher, sie verbringen den Winter in Westeuropa und Westafrika.
Im Moment genießen sie Gesellschaft – an ihren Ruheplätzen bei Flut sind zwischen 100 bis 1.000 versammelt. Allerdings achten sie darauf, dass sie artrein bleiben:
Die bevorzugte Reisegesellschaft schrumpft allerdings auf 30 bis 70 Tiere…
Sie fliegen in langen Reihen in V-Formation zu ihren Ruheplätzen; lassen sich am Schluss aus großer Höhe mit einer akrobatischen Drehung herabstrudeln. Im Flug ist der weiße Bürzel, der keilförmig über den Rücken reicht, gut zu erkennen.
Im Watt suchen sie Nahrung im lockeren Verband. Tief im Wattboden wird nach Ringelwürmern (machen im Winter 99 Prozent der Nahrung aus!) und Krebsen gestochert; im Frühling werden auch kleine Plattmuscheln geschluckt. Ihre Lieblingsspeise sind eigentlich die Wattwürmer, da die aber nur alle 45 Minuten Kot abgeben. Dauert den Pfuhlschnepfen die Wartezeit zu lang, wird sie mit dem Stochern nach kleineren Borstenwürmern überbrückt. Der Schnabel erreicht sogar den Bäumchenröhrenwurm am Ende seiner ca. zehn Zentimeter langen Röhre im Boden.
Gefressen wird getrenntgeschlechtlich: Die Männchen stochern lieber weiter vorne im Sand, während die Weibchen etwas weiter hinten im Flachwasser Nahrung suchen – das liegt u.a. daran, dass die Weibchen den bereits oben erwähnten, längeren Schnabel haben.
Die Pfuhlschnepfen sehen nicht, was sich unter dem Wattboden befindet, sie stochern „blind“. Feine Sinnesrezeptoren in der Schnabelspitze melden, ob sich etwas Nahrhaftes im Boden befindet. Der Schnabel ist biegsam und kann mit der Spitze fest zupacken (im Prinzip wie eine Pinzette), wenn die Nerven melden, dass etwas Leckeres zu holen ist. Friert der Boden im Winter zu, kommen die Vogelschnäbel nicht mehr an ihre Nahrung heran – das Fettpolster reicht für eine dreitägige Frost-Hunger-Periode aus.
Fortpflanzung
Pfuhlschnepfen brüten in offenen Tundren und Taiga-Mooren. Die Paare treffen sich am Brutplatz und bleiben nur für eine Brutzeit zusammen. Das Nest ist im Gras versteckt und wird sicherheitshalber gerne auf einer kleinen Erhöhung angelegt. Beide Partner brüten – die Männchen hauptsächlich tagsüber, die Weibchen vorrangig nachts. Beide Partner führen anfänglich den Nachwuchs, die Weibchen verlassen die Familie jedoch frühzeitig.
Besonderheiten
Die Pfuhlschnepfe ist ein rekordverdächtiger Zugvogel: Eine Ostsibirische Pfuhlschnepfe flog in einem Winter von Alaska 11.570 Kilometer nonstop nach Neuseeland (innerhalb von acht Tagen mit durchschnittlich 60 km/h)!
Unsere Pfuhlschnepfen gehen es gemächlicher an: Sie fliegen zunächst in drei Tagen von Sibirien ins Wattenmeer („nur“ ca. 4.500 Kilometer), dann nach einer ausgedehnten Rast mit tüchtigen Fressphasen in wiederum drei Tagen weiter nach Westafrika / Banc d`Arguin („nur“ ca. 4.300 Kilometer ), wo sie ihren Winter verbringen. Im Frühling geht das Ganze retour…
Trotz dieser wahnsinnigen sportlichen Leistung und der stets ungewissen Zukunft im Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet werden Pfuhlschnepfen bis zu 19 Jahre alt.
Wie Sie sehen, ist es wichtig, sich eine ruhige Auszeit im Wattenmeer zu gönnen, um wieder Kraft für das zu tanken, was auch immer danach kommen mag – das gilt auch für uns Menschen. Und wo könnte man das besser als bei uns auf Baltrum?
Ein schönes Wochenende wünscht das Nationalpark-Haus Team!
Karen Kammer
Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Karen Kammer
Quelle: Karen Kammer, Nationalpark-Haus Baltrum
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