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23.12.2020

O Tannenbaum


Die Königin des Waldes zu Weihnachten – die Tanne

 

In Europa handelt es sich bei „der“ Tanne meist um die Weiß- oder Edeltanne Abies alba (in etwa übersetz als „die stolz aufragende Weiße“). Der Name stammt vom weiß-grauen Stamm, den junge Tannen tragen; allerdings bekommt die Tanne im Alter eine dunkle, rissige Borke, und so wirken die Weißtannen im Wald recht dunkel. Da verwundert es nicht, dass sie dem Schwarzwald seinen Namen gaben!

 

 

 

 

 

Die Weiß-Tanne ist die „Königin des Waldes“, eine wahre Gigantin von über 50 Metern – größer als alle anderen europäischen Baumarten. Bis zu drei Meter Stammumfang kann sie erreichen und rund 600 Jahre alt werden.

 

Sie keimt zunächst schüchtern im Schatten der anderen Mutterbäume, d.h. sie verbringt ihre Jugend im dichten Unterholz und kommt mit wenig Sonnenlicht aus. Sie wächst stetig in die Höhe, bis sie etwa 100 Jahre alt ist – dann verändert sich der Wuchs: Der schnurgerade Stamm mit Seitenästen ohne Verzweigungen setzt dem Ganzen nun in eine runde Krone auf – die dortigen Seitenäste wachsen ungebremst in die Länge Richtung Sonne und überwachsen den Gipfeltrieb. Es bildet sich eine sogenannte „Storchennestkrone“ aus. (Auf Baltrum nicht – so alt sind die Bäume hier nicht!)

 

 

Am Rosengarten

 

 

 

Die Tanne wird gerne mit der Fichte verwechselt. Ein deutlicher Unterschied ist, dass die Zapfen bei der Tanne auf den Ästen stehen (die Zapfenspindel bleibt am Baum), während sie bei der Fichte vom Ast herabhängen (deren reife Zapfen fallen auf Boden). Des Weiteren sind die Zweige der Tanne glatt, während die der Fichte kleine Höcker haben (wo zuvor die Nadeln saßen). 

Die Nadeln der Tanne haben auf der Unterseite weiße Bänder („Stomastreifen“, d.h. hier sitzen die Spaltöffnungen und es findet der Gastausch der Pflanze mit der Umgebungsluft statt). Anders als bei Laubbäumen bleibt eine Nadel acht bis zwölf Jahre am Baum (Ausnahmen bestätigen die Regel: Die Lärche, ein Kieferngewächs, lässt im Herbst ihre Nadeln fallen). 

 

 

„Stumm stehen die Entlaubten,

Vom kalten Wind umweht.

Die Tannen nur behaupten

Ihr dunkles Grün so spät!“

 

(Nikolaus Lenau 1802-1850)

 

 

 

 

An der kleinen Aussichtsdüne

 

 

 

Die Tanne hat eine tiefe Pfahlwurzel; ihr Wurzelwerk breitet sich oft deutlich weiter aus als die Krone an Durchmesser hat. Dadurch hat die Tanne selbst in weichem Boden festen Stand – und doch ist die Königin des Waldes sehr empfindsam: ihr machen die Umweltgifte stark zu schaffen (man denke an das Waldsterben in den 70iger Jahren). Auch die steigenden Temperaturen im Zuge des Klimawandels setzen ihr zu. Die Aufforstung geht ebenfalls zurück: Zum einen werden junge Tannen gerne von Rehwild gefuttert, zum anderen ist der Verkauf von Tannenholz schwierig. Das Resultat: Tannen machen nur noch zwei Prozent Anteil im deutschen Wald aus.

 

 

Literatur

 

In deutschen Volksmärchen wird der Wald oft zum „dunklen Tann“, in dem man vom Wege abkommt – besonders in Nächten, wo diverse Fabelwesen (Zwerge, Gnome) ihr Unwesen treiben. Wenn der Held den Wald wieder verlässt, hat er sich zum Positiven gewandelt. 

 

 

Verwendung

 

Im Mittelalter wurden die Nadeln der Tannenbäume zu „Tannenbier“ vergoren, dass mit Honig zwecks Gärung versüßt wurde. 

Das Holz der Tanne harzt nicht, da die Harzkanäle auf die Rinde beschränkt sind – das ist bei der Fichte anders. So wird oftmals die Heilwirkung des Harzes der Tanne zu geschrieben, was eigentlich der Fichte gebührt. Harz gilt bei Husten als schleimlösend; destilliertes Harz, auch „Straßburger Terpentin“ genannt, wird bei Verstauchungen und Quetschungen angewandt. Harz wird aufgrund seiner ätherischen Öle als Rheumasalbe verwendet. 

Allerdings ist die Tanne nicht der klassische „Weihnachtsbaum“ – da greift man eher auf Fichten („Rottanne“) oder Zuchtformen („Nordmanntanne“) zurück. Trotzdem wird sie musikalisch bedacht (Pfarrer Kneipp empfahl übrigens Sängern, Lehrern, Predigern Tannenzapfentee, der die Stimmbänder geschmeidig hält):

 

 

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
wie treu sind deine Blätter!
Du grünst nicht nur zur Sommerzeit,
nein, auch im Winter, wenn es schneit.
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
wie treu sind deine Blätter!

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
du kannst mir sehr gefallen.
Wie oft hat nicht zur Weihnachstzeit
ein Baum von Dir mich hoch erfreut!
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
du kannst mir sehr gefallen!

O Tannenbaum, o Tannenbaum,
dein Kleid will mich was lehren:
Die Hoffnung und Beständigkeit
gibt Kraft und Trost zu jeder Zeit.
O Tannenbaum, o Tannenbaum,
dein Kleid will mich was lehren.

 

(E. Anschütz / J.A. Zarnack Weise, um 1800)

 

 

 

 

 

 

 

Das Nationalpark-Haus Team wünscht allen Lesern & Leserinnen ein zauberhaftes Weihnachtsfest mit Nadelduft und Kerzenschein, der die dunkle (Jahres)Zeit erhellen möge!


 

 

 


Autor: Karen Kammer, Nationalpark-Haus Baltrum
Fotos: Karen Kammer
Tanne vor dem Rosengarten Vor dem Rosengarten Tanne an der kleinen Aussichtsdüne An der kleinen (ersten) Aussichtsdüne