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02.10.2020

Steinwälzer


Der Steinwälzer Arenaria interpres,

ein Felsküstenbewohner


Sein Name ist Programm: Arenaria (lat.) ist jemand, der mit Sand zu tun hat. Interpres (lat.) ist der Übersetzer oder Interpret – wer einen Text interpretiert, schaut hinter die Worte und geht dem Sinn auf den Grund. Dies beschreibt das Verhalten des Vogels bei der Nahrungssuche: Er dreht kleine Steine oder Muschelschalen um, um darunter Strandschnecken und Krebse zu entdecken, die er dann verspeist.


https://youtu.be/rkecVA2Srgo


Steinwälzer wühlen aber genauso gut im Boden, um Beute freizulegen. Auf der Nahrungssuche in der Spritzwasserzone schließen sich 10 bis 20 Tiere im lockeren Verband zusammen. Dabei geht es recht laut und geschäftig zu.


Der Steinwälzer ist ein mittelgroßer Vogel (21 bis 24 Zentimeter lang, bei einer Flügel-Spannweite von 43 bis 49 Zentimetern und einem Gewicht von 84 bis 190 Gramm). Das eine Buch beschreibt ihn als „athletisch“, ein anderes als „kompakt, mit rundlich wirkendem Körper“. Da mag sich ein jeder sein eigenes Urteil bilden.

 

 



Der Schnabel ist kurz und derb, leicht nach oben gebogen. Am auffälligsten sind wohl die kurzen, leuchtend orangenen Beine.
Im Moment tragen die Steinwälzer ihr Schlichtkleid. Dabei haben sie dunkle Brust-Seitenflecke mit hellen Zentren, ihre Oberseite ist recht einfarbig graubraun. Im Prachtkleid sind Schultern und Flügel ausgeprägt orangebraun; die Steinwälzer bekommen zudem ein prägnant schwarz-weißes Kopfmuster. Der Bauch ist/bleibt weiß.


Rein theoretisch gibt es bei uns gar keine Steinwälzer. Steinwälzer sind nämlich Felsküstenbewohner – anscheinend hat der NLWKN mit unseren Küstenschutzbauwerken nicht nur Rücksicht auf touristische Belange genommen (man denke an die Aussichtsplattform „Titanic-Nase“ und die Sitz-Tribünen auf Höhe Deichschart Srandhotel Wietjes/Villa Christine), sondern so waschecht Felsenküste nachgebaut, dass die Steinwälzer den Lebensraum erobern konnten und inzwischen ganzjährig anzutreffen sind: Im Frühling und Herbst (vor knapp zwei Wochen Rekord mit über 650 Individuen!) sitzen dort Hunderte, im Sommer „nur“ 20 bis 30 Steinwälzer. Letzteres sind die noch nicht geschlechtsreifen Tiere, die sich den Weiterflug in die nördlichen Brutgebiete sparen, da sie wissen, das sie dort noch keinen Erfolg mit der Familiengründung haben werden.


Bei Hochwasser sind die Nahrungsgründe nicht frei, da sitzen sie im Raudeckwerk und machen Siesta. Sie sind so gut getarnt, dass Spaziergänger gerne an ihnen vorbei gehen, ohne sie zu bemerken.

 

 

 

Der Steinwälzer bevorzugt beim Ausruhen eine bequemer Haltung – auf einem Bein, so dass der Wind ihn in den Schlaf schaukeln kann... Ganz wichtig in diesen Ruhepausen ist neben Schlafen auch Wellness: Das Gefieder muss in Ordnung gebracht werden, schließlich soll es wärmen und den Vogel in der Luft halten. Also beim Beobachten bitte respektvoll Abstand halten, um die Steinwälzer nicht um ihre dringend benötigte Ruhepause zu bringen!


https://youtu.be/dVhjuKomg1g


Wir hoffen sehr, dass auch Sie auf Baltrum Ruhepausen und Wellness genießen können, statt im Kopf irgendwelche dicken Steine zu wälzen, wie folgender Steinwälzer:

 

 

 

 

In diesem Sinne:

Ein erholsames Wochenende und viel Erfolg beim Steinwälzer suchen!

 

Karen Kammer und das Nationalpark-Haus-Team


 

 

 


Autor: Karen Kammer, Nationalpark-Haus Baltrum
Fotos: Karen Kammer