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04.04.2020

Lockerung fatal für Baltrum


Stellungnahme und Aufruf der Baltrumer Arztpraxis Dr. Stefan Bressel und Eva Bach

 

Eine Lockerung der Einschränkungen für unsere Insel im Zuge der Corona-Krise halten wir aus medizinischer und logistischer Sicht für einen schwerwiegenden Fehler.

Auch wenn aufgrund allgemein zugänglicher Quellen ein anderer Eindruck entstehen mag, die weitaus meisten Informationen beruhen lediglich auf Annahmen und Beobachtungen. Wissenschaftlich gesichert und damit einschätzbar ist verschwindend wenig. Regelungen und Reaktionen beruhen auf dem Prinzip Hoffnung. So ist es auch jetzt.

 

Sicher ist: Das Corona-Virus kann für jeden von uns gefährlich werden, eine Therapie gibt es nach wie vor nicht, die Zahlen der Infizierten und Todesfälle werden weiter steigen, der wirtschaftliche Schaden ist beträchtlich, die Corona-Krise hält unvermindert an, wir werden sie durchstehen, doch wir werden Opfer bringen müssen.

 

Wir hatten aufgrund des günstigen Verlaufes in den vergangenen drei Wochen auf Baltrum die Hoffnung, relativ sicher frei von Corona-Infektionen zu sein. Das hätte uns in naher Zukunft Zeit verschafft, nicht ins Krankenhaus zu müssen, während die Versorgung dort an der Grenze der Belastbarkeit steht. Es gibt bereits jetzt Patienten, die aufgrund fehlender Ressourcen nicht die bestmögliche medizinische Behandlung erhalten können.

 

Die Zustände in Italien und Frankreich sind dramatisch, doch auch hierzulande sind bereits Belastungsgrenzen überschritten. Aufgrund der bereits getroffenen Maßnahmen stehen wir noch vor dem zu erwartenden Höhepunkt, verhindern können wir ihn nicht.

 

Eines der größten Probleme ist, dass das medizinische Personal weder sich noch seine Patienten adäquat schützen kann. Der Mangel an Schutzkleidung ist beträchtlich und lässt sich nicht abmildern.

Unsere Reserven etwa an Gesichtsmasken sind aufgebraucht, ein Nachschub ist nicht in Sicht.

 

Um die medizinische Versorgung auf Baltrum weiter sicherzustellen, werden wir die bereits getroffenen einschränkenden Maßnahmen nochmals verschärfen müssen. Die Notfallversorgung und der hausärztliche Notdienst werden selbstverständlich weiterhin gewährleistet, der Praxisbetrieb in der gewohnten Form findet jedoch nicht mehr statt.

 

Behandlungen und Beratungen sowie Rezeptausstellungen erfolgen nur noch nach telefonischer Voranmeldung, ein Betreten der Praxis ohne Mund- und Nasenschutz sowie Händedesinfektion ist nicht mehr möglich. Am Praxiseingang finden sich in den bekannten Praxiszeiten Tücher, die vor Mund und Nase gebunden werden können. Die Notfallsprechstunde an Sonn- und Feiertagen ist bis auf weiteres gestrichen.

Sollte bei uns Ärzten oder unserem Personal eine Corona-Infektion nachgewiesen werden, so wird die Praxis geschlossen werden müssen. Die medizinische Versorgung ist dann nicht mehr gewährleistet!

 

Die Dauer der Krise hängt von jedem Einzelnen ab. Sie wird noch Monate in Anspruch nehmen. Achten Sie weiterhin zuverlässig auf Abstand, meiden Sie unnötige Kontakte, verlassen Sie die Insel nur aus unaufschiebbaren Gründen und waschen Sie sich die Hände, bevor Sie etwas essen oder trinken. Auch ein Mundschutz etwa beim Einkaufen ist unumgänglich. Bitte verwechseln Sie Solidarität nicht mit Schikane.

Die jetzige Lockerung ist ein fatales Signal ohne jede Erkenntnis. Sie wird vermutlich Menschenleben kosten. Kein Autofahrer gibt im dichten Nebel Gas!

 

Dr. Stefan Bressel

 

 


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Quelle: Dr. Stefan Bressel