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20.06.2020

Glücksbringer Klee


Glücksbringer Klee

 

Wer hat nicht schon einmal stundenlang nach einem vierblättrigen Kleeblatt gesucht? Jeder weiß, dass dies Glück bringt. Diesen Glauben gibt es schon sehr lange, denn bereits Eva brachte sich den vierblättrigen Glücksklee nach der Vertreibung aus dem Paradies mit, um sich an glücklichere Zeiten zu erinnern.

 

Die Zauberkraft der vierblättrigen Kleeblätter ist angeblich ohne Grenzen: Wird einem Reisenden heimlich ein solches in die Kleidung eingenäht, so hat er Glück auf seiner Reise. Wird es einer Frau in den Schuh gelegt, muss der angebetete Mann ihr vier Tage lang nachlaufen…

Der Schriftsteller und Poet Cyrano de Bergerac (1619-1655) wusste exakt zu berichten, wo man eines finden kann: „Vierblättriger Klee wächst nur unter dem Galgen, wo das But des Gehenkten hin tropft. Wer es am ersten Tag sehe, an welchem der Mond bei Tag sichtbar sei, es in der darauffolgenden Nacht pflücke, der habe sein Glück gemacht, vor allem in jeglichem Spiel“.

 

Normalerweise ist Klee dreiblättrig, darauf weist schon der wissenschaftliche Name Trifolium = Dreiblatt hin. In dieser Form war er schon den Druiden heilig und durfte im Kessel nicht fehlen (also für verzweifelt Suchende: Nicht nur vierblättrige Kleeblätter sind von Bedeutung!). 

 

Der Heilige St. Patrick (385-461 n. Chr.), Apostel der Iren, erklärte mit dem dreiblättrigen Klee die Dreifaltigkeit des neuen Glaubens (deshalb feiert man am 17.03. St. Patricks Day). Noch heute ist das Kleeblatt als irisches Nationalsymbol im Wappen Irlands zu finden, direkt neben der Harfe des Barden.

 

Laut der Kelten brachte die Fruchtbarkeitsgöttin Ceridwen den Klee auf die Erde. Wo ihre Füße aufsetzten, wuchs er auf kahlem Frühlingsboden. Ceridwen, genau wie der dreiblättrige Klee, verkörpert die drei Lebensabschnitte einer Frau: Mädchen – reife Frau – weise Alte.

 

Im alten Rom galt Klee als Symbol des Sommers, im Mittelalter war er das Symbol für die Minne – so zu hören in Orff`s vertonter Carmina Burana: „Mînes herzenschlê ìst tugunde rîcher denne Baldîne“

Das deutsche Sprichwort „Wie Gott in Frankreich leben“ heißt im Englischen „to live in clover“ = Leben im Klee. Wer in Wales in der Nacht zum ersten Mai in einem taunassen Kleefeld badet, dessen Schönheit erstrahlt für das ganze folgende Jahr wie neu!

 

 

Auf Baltrum gibt es dafür viele Möglichkeiten, d.h. Klee-Arten:

 

WEISSKLEE (Trifolium repens)

 

 

Der bekannte „Vorgartenklee“, der sogar auf leicht salzigen Böden wächst. Er kann durch Ausläufer richtige Teppiche bilden. Im Volksmund auch Schaapeblööm genannt, weil dieser Klee als Schaf-Futter dient. Bauern nutzen ihn zur Gründüngung, da er durch Wurzelknöllchen (Bakterien) Stickstoff im Boden anreichert.

 


ROTKLEE (Trifolium pratense)

 

 

Im 17. Jahrhundert verordneten die Spanier den von ihnen abhängigen Niederländern den Anbau von Rotklee – deshalb heißt dieser Klee in den Niederlanden „Spanischer Klee“. Im 18 Jhd. wurde Johann Christian Schubart (1734-1784) in Leipzig von Kaiser Joseph II als „Edler von Kleefeld“ in den Adelsstand erhoben. Hintergrund: Schubart förderte als Landwirt und Agrarreformer den Kleeanbau in Deutschland. Er bewies, dass Rotkleeanbau den Ertrag bei der Rinderzucht verbessert. Kühe lieben die Blätter, daher ist Rotklee auch als „Kuhklee“ bekannt: Eine eiweißreiche Futterpflanze, deren lösliche Proteine für schaumige Gärung im Pansen sorgen und damit die Verdauung fördern.

Allerdings bewies 1940 eine Untersuchung in Australien, dass die Isoflavonoide im Klee Einfluss auf die Sexualhormone nehmen und z.B. Schafe 70% weniger Nachkommen haben.

33 amerikanische Volksstämme nutzen den Rotklee wegen seiner Isoflavone gegen Krebs: Das National Cancer Institute fand tumorhemmende Verbindungen und Radikalfänger in den Blüten, die bei der Genesung helfen können. Eine umfangreiche Diskussion über Krebsprävention mit Isoflavonen läuft. Man mahnt jedoch zur Vorsicht: Bei östrogenbedingten Tumoren sollte dies nicht in hohen Dosen angewendet werden, denn ein Isoflavon ist das Phytoöstrogen Menoflavon, was Wechseljahrsbeschwerden von Frauen mildert. Da Menoflavon an Zucker gebunden ist, ist es für uns leichter aufzunehmen als z.B. die Phytoöstrogene von Soja.

Getrocknete Blüten werden in Irland/Schottland als Mehlersatz verwendet, z.B. für das Brot „Thambrak“. Kinder saugen den Nektar aus Blüte, an dem auch Hummeln und Bienen interessiert sind: Himmels- oder Zuckerbrot.

 

 


HASENKLEE (Trifolium arvense)

 

     

Der Name stammt von den Blütenköpfen, deren lang behaarte Kelchblätter die Blütenblätter überragen und an Hasen-/Katzenpfötchen (Hasenpootjes, Kattenpoot) erinnern.

Hasenklee ist ein Anzeiger für kargen Sandboden in den Dünen oder auch der oberen Salzwiese; auf Trockenrasen und Wegrändern. Die Pflanze ist wärmeliebend.

Hasenklee ist für Nutzvieh unbekömmlich: Hart, holzig und sie enthält Gerb- und Bitterstoffe. Diese können für Bauchweh sorgen oder in Form von Tee bei chronischem Durchfall helfen.

Hasenklee wird antibakterielle Wirkung nachgesagt und deshalb in Form von Gurgelmittel bei Rachen-/Halsentzündung genutzt.

 

 


HORNKLEE (Lotus corniculatus)

 

 

Hornklee bildet Wurzelknöllchen, um den Bodenstickstoff zu binden – so ist er in der Lage, auch magere Gebiete zu besiedeln. 

In Plattdeutsch als “Muus-Arven” = Mäuseerbsen bekannt, weil die Blüten wie Mäuseköpfe aussehen und später die dunkelbraunen, langen Schoten wie Erbsenhülsen.

Andere Beobachter erinnert die Blüte an ein hornförmiges Schiffchen. Honrklee duftet Honigsüß. Vielleicht legen Sie sich einfach mal in die Wiese und schnuppern daran?

 

 


HOPFENKLEE (Medicago lupulina)

 

 

Findet man häufig am Wegesrand oder in den Dünen. Die Blütenstände (10 bis 50 Blüten in einer Traube, die kugelig erscheinen) erinnern an die Hopfenblüte. Die aufgerollten Schötchen brachten ihm auch den Namen „Schneckenklee“ ein. Er wächst gerne auf Halbtrockenrasen der Sonnenseiten auf Dünen, gerne in älteren Dünen (Braundüne). 

 

 


ERDBEERKLEE (Trifolium fragiferum)

[sehr fotoscheu]

 

Zur Fruchtreife vergrößern sich die Samenumschließenden Kelche und erinnern in ihrer Gesamtheit an eine Erdbeere (Eerdjebeei-Klaver). Dies fand bereits 1611 niederländische Botaniker Clusius und nannte diesen Klee „erdbeertragendes Dreiblatt“, obwohl er doch eher einer Himbeere ähnelt. Die blasigen Kelche dienen als Schwimmhilfe bei der Samenverbreitung. Bitte nicht mit Hasenkötteln verwechseln!

Erdbeerklee wächst nur an leicht salzigen Standorten und ist eine Zeigerpflanze für Natrium – zwar ist in der oberen Salzwiese das Salz gut ausgewaschen, aber als Natrium im Natriumsilicat gebunden. 

 

 


Das Nationalpark-Haus Team möchte mit diesem Artikel all jene „über den grünen Klee loben“ (stammt aus dem Märchen „Die vier kunstreichen Brüder“ der Gebrüder Grimm), die sich so diszipliniert an die Regeln halten und uns allen in dieser besonderen Zeit Glück für`s Durchhalten und Gute-Laune-Bewahren wünschen – wir machen gemeinsam das Beste daraus!

 

Karen Kammer, Nationalpark-Haus Baltrum


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Kammer
Quelle: Karen Kammer, Nationalpark-Haus Baltrum