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04.07.2020

Rosen auf Baltrum


Rosen auf dem Dornröschen der Nordsee

 

Rosen sind uralte Gewächse, über 25 Millionen Jahre alt, also deutlich älter als die Zeit, die wir Menschen die Erde bevölkern. Über ihre Entstehung gibt es verschiedene Legenden:

 

Bei den Römern sind Rosen Töchter des Taus, entstanden aus dem Lächeln des Liebesgottes Amor. Alternativ dazu fallen der Göttin der Morgenröte, Aurora, beim Kämmen die Haare aus.
Bei den Griechen verwandelte sich der Meeresschaum, aus dem die Göttin Aphrodite geboren wurde, in weiße Rosen. Eine andere Variante: Muttergöttin Kybele schuf Rosen, um sich an Venus zu rächen, deren Schönheit sonst mit nichts anderem gleichkam.
Bei den Muslimen sind Rosen Schweißtropfen Mohameds. Deshalb werden Blütenblätter stets vom Boden aufgehoben, geküsst und an einem sicheren Ort verwahrt.
Aus der Schweiz (17. Jhdt.) stammt folgendes Märchen: Weingott Bacchus hatte sich in eine Nymphe verliebt, die er verfolgte. Um sie aufzuhalten, schuf er einen Dornbusch. Als sich der Gott zu erkennen gab, errötete die Nymphe – dieses Erröten hielt Bacchus als Blüte im Dorngebüsch fest.
Indien ist das Ursprungsland der Rosen: Wischnu, der höchste Gott, fand seine Gattin Lakschmi in den 108 großen und 1008 kleinen Blütenblättern des Rosenstocks. Mit der Eroberung Indiens durch Alexander den Großen kam die Rose nach Europa.
Nach einer jüdischen Überlieferung entstand die Rose aus dem ersten auf der Erde vergossenen Blut und wird deshalb bis heute als Grabschmuck verwendet.
Einem weiteren Mythos nach soll Maria am Freitag Windeln vom Jesuskind auf dem Dornenstrauch getrocknet haben: Dabei wurden rote Blüten weiß, weiße wurden rot.

 

 

Kindheitserinnerungen

 

Fast jeder kennt das „Dornröschen“ der Gebrüder Grimm. Dort gilt die Rose als Schutzmotiv (übrigens wird Dornröschen in der Urfassung von einem Rosendorn, nicht einer Spindel, in den Schlaf gestochen). Botanisch ist dies allerdings falsch: Eine Rose hat keine Dornen (Dornen sind mit dem Gewebe verwachsen und umgebildete Seitentriebe), sondern Stacheln (ein Auswuchs aus der Epidermis, der Außenhaut). Dornröschen müsste demnach Stachelröschen heißen.

 

Auch „Schneeweißchen und Rosenrot“ der Gebrüder Grimm hat Rosen als Thema. Es charakterisiert zwei Schwestern anhand des jeweils passenden Rosenstockes. Die beiden Mädchen gewinnen natürlich gegen einen ihnen nicht wohlgesinnten Zwerg…

 

Aus der Kindheit bekannt sein dürfte Hoffmann von Fallersleben Rätsel „Ein Männlein steht im Walde“. Die gesprochene Auflösung verrät:

Das Männlein dort auf einem Bein
Mit seinem roten Mäntelein
Und seinem schwarzen Käppelein
Kann nur die Hagebutte sein.

Als Hagebutten = Heckenfässchen bezeichnet man die Früchte der Rosen. Botanisch gesehen sind die Früchte behaarte Nüsslein einer Scheinfrucht. Die rote Farbe entsteht durch Lycopin (à la Tomate).

 


Hundsrose (Rosa canina)

 

 

 

Weiß-rosafarbene Blüte, matt-grüne Blätter. Ihre Namen bekam sie, weil die Römer in ihren Gallen das Gegengift gegen Hundsbisse vermuteten. (Dort legt die Rosenwespe ihre Eier in das Pflanzengewebe, die Pflanze entschärft sich dies mit einer Wucherung = Galle). „Hund“ aber auch, weil dieser Rose eine geringere Bedeutung zugemessen wird als anderen Rosen.

 

Verwendung

Leckere Marmelade aus Hagebutten oder Gelee aus Rosenblüten
Getrocknete Früchte werden als Vitamin C haltiger Tee aufgebrüht (100 Gramm Hagebutten enthalten ca. 25 mal so viel Vitamin C wie 100 Gramm Zitrone) und stärken die Immunkräfte. Es wurden bereits in steinzeitlichen Bauten Hagebutten gefunden!
Tee aus Blütenblättern gegen Kopfschmerzen / Halsentzündung.
Pulver aus Hagebutten gegen arthrotische Gelenkschmerzen (Galaktolipide).
Kerne als Juckpulver: Sie haben feine Härchen als Widerhaken, die für den Transport per Tierfell gedacht sind, bei uns jedoch Jucken verursachen.
Wer an Neujahr drei Hagebutten durch`s Fenster gereicht bekommt und diese isst, hat damit ein vorbeugendes Mittel gegen Krankheiten und ist für ein Jahr geschützt.

 

Bekannt ist die (Hunds)Rose durch das von Schubert vertonte Goethe-Gedicht „Heideröslein“:

 

Sah ein Knab’ ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell es nah zu sehn,
Sah’s mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Knabe sprach: ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach: ich steche dich,
Dass du ewig denkst an mich,
Und ich will’s nicht leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Und der wilde Knabe brach
’s Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Musst’ es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

 


Dünenrose (Rosa pimpinellifolia)

 

 

[Hagebutten werden noch schwarz]

 

Ihr wissenschaftlicher Name war ursprünglich Rosa spinosissima = „die Allerstacheligste“. Sie hat allerdings sehr weiche stacheln und ist wenig wehrhaft. Heute heißt sie Rosa pimpinellifolia, weil ihre Laubblätter von der Form her an das Würzkraut Bibernell erinnern. Im Sprachgebrauch heißt sie Pimpinell- oder Bibernellrose.

Sie ist unsere kleinste heimische Rose, entwickelt nur eine geringe Höhe (3/4 m). Ihre bogigen Zweige bilden ein dichtes Gebüsch. Sie hat eierschalenfarbene Blüten und später schwarze Hagebutten. Die Dünenrose ist ein Sonnen- und Sandliebhaber und wächst auf sandigen, mageren Böden z.B. der Graudünen (mittelalte Dünen). Sie wird leicht verdrängt durch Kartoffelrosen oder auch ein Kaninchen, die die Wurzelbereiche aushöhlen. Normalerweise hat sie einen kräftigen Wurzelstock und ist 1-2 m tief verwurzelt, was eine gute Wasserversorgung gewährleistet. So ist auf den Blättern keine Behaarung als Verdunstungschutz notwendig.

Sie breitet sich durch Ausläufer aus, leidet jedoch extrem unter Fußtritten (ist nicht trittfest).

 


Kartoffelrose (Rosa rugosa)

 

 

Diese Rose hat viele verschiedene Namen, was ihre weite Verbreitung dokumentiert:

Apfelrose, weil die Hagebutten so groß, rund und rot sind, dass sie kleinen Äpfeln ähneln
Kamtschatka-Rose, weil sie vor 150 Jahren aus Ostasien eingeführt wurde, um die Dünen der Inseln zu festigen. Doch die Wirkung war eher gegenteilig, da sie keine tiefgehenden Wurzeln, aber breites Blattwerk hat.
Kartoffelrose wegen ihres Laubs – die Blattform erinnert an Kartoffelpflanzen. Das viele Laub und ihre Bestachelung sind ein prima Schutz für nistende Singvögel.
Friesenrose: Wurde früher auf Friesenwällen (nordischer Steinwall zur Eingrenzung des Grundstücks) gepflanzt und diente als Bild-Vorlage für das Tee-Geschirr!
Die Kartoffelrose gilt als invasiver Neophyt (als Neophyten gelten alle Pflanzen, die nach der Entdeckung Amerikas 1492 bei uns aufgetaucht sind). Auf Baltrum wuchs sie 2006 auf 4,7 Hektar Fläche, was im Vergleich zu den anderen Ostfriesischen Inseln die geringste Fläche war; außerdem zu 70% in besiedelten Gebieten unserer Insel.

 

Verwendung:

Fruchtfleisch der Hagebutten ist essbar, besonders lecker in Form von Marmelade
Rosenblüten enthalten ätherisches Öl, wohltuend in Parfum oder medizinische Salben
Aus den Blütenblättern kocht man wohlschmeckende Tees (das reichte den Griechen nicht – sie bereiteten einen Likör daraus zu)

 

Dies waren nur drei von rund 30.000 verschiedenen Rosen-Arten. Rosen wurden in allen Blütenfarben veredelt (außer blau):

 

 

 

Wer auf Baltrum Rosen genießen möchte, sollte auf jeden Fall mit ein wenig Zeit im Gepäck den Rosengarten, ein idyllisches Kleinod der Insel, besuchen.

 

Wir wünschen ein rosiges Wochenende! Ihr Nationalpark-Haus Team.

 

Karen Kammer

 

 

Nationalpark-Haus Baltrum
"Gezeitenhaus"
Haus Nr. 177
26579 Baltrum
Tel.: 04939-469
eMail: nlpe.baltrum@gmx.de
Homepage: http://www.nationalparkhaus-wattenmeer.de/nationalpark-haus-baltrum

Programm: www.nationalpark-wattenmeer-erleben.de



Link -> NPH Baltrum

 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Karen Kammer
Quelle: Karen Kammer, Nationalpark-Haus Baltrum