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01.06.2020
Herzmuschel
Herzmuschel – Sportler im Watt und Thema des Baltrumer ShantyChors
Herzmuscheln haben ihren Namen von ihrem herzförmigen Querschnitt. Sie leben dicht unter der Oberfläche, um mit ihren Siphonen, den Versorgungsschläuchen, an der Oberfläche in Kontakt mit dem Nordseewasser zu kommen. Im Wasser sind Sauerstoff zum Atmen und Plankton, kleinste pflanzliche und tierische Lebewesen zum Futtern. Das von der Muschel gefilterte, verbrauchte Wasser wird möglichst weit weg „gespuckt“, um es nicht erneut aufzunehmen. Dann sieht man kleine Wasserfontänen auf der Wattoberfläche. Eine zweijährige Herzmuschel pumpt rund 500 Milliliter pro Stunde durch ihren Körper.

Da Herzmuscheln so knapp unter der Oberfläche leben, können sie schnell ausgespült werden. Um nicht in Gefahr zu geraten, können sie sich schnell wieder eingraben. Zunächst wird der große Grabefuß nach draußen geschoben, damit sich die Muschel aufrichten kann: Das Eingraben ist dann eine Kombination aus Grabe- und Spültechnik, die die Muschel langsam ins Sediment einsacken lässt.
Auf der Flucht von Seesternen, die gerne Herzmuscheln fressen, kann sie durch ruckartiges Abknicken des Grabfußes bis zu 50 Zentimeter weit springen. Haben sie im Wattboden eingegraben das Gefühl, in Gefahr zu geraten, werden die Schalen ruckartig geschlossen und das überschüssige Wasser mittels dünner Fontäne an die Oberfläche abgegeben.
Fortpflanzung
Völlig unromantisch – Muscheln geben im Frühling ihre Geschlechtsprodukte ins Wasser ab, jedes Weibchen gibt zwischen 5.000 bis 50.000 Eier ins Wasser ab, dort trifft das Ei auf Sperma und wird befruchtet. Aus dem Ei schlüpft eine Larve, die ein Segel besitzt und sich durchs Wasser treiben lässt. Erst im Hochsommer bilden sich erste, kleine Schalen und die Baby-Muschel geht zum Bodenleben über. Die Herzmuscheln liegen im ersten Jahr bis 20.000 Stück pro Quadratmeter – man kann sie unter den Fußsohlen beim Wattwandern spüren. Im Herbst sind schon drei Viertel davon weg (die Schuldigen: Strandkrabben, Garnelen, Ringelwürmer), im zweiten Jahr nur noch 500 Stück pro Quadratmeter (die Schuldigen hier: Schollen, Strandkrabben), im dritten Jahr reduziert auf 100 bis 300 Stück pro Quadratmeter (Lieblingsgröße der Austernfischer). Erst mit vier Jahren sind Herzmuscheln für ihre Räuber zu groß.

Leere Schalen werden oft am Strand angespült. Früher wurden sie eingesammelt und zum Brennen von Muschelkalk verwendet oder als Dünger und Hühnerfutter.
Herzmuscheln tragen den Vornamen „essbar“ und werden in England und Frankreich als Delikatesse verspeist; die Idee hatte man schon in der Steinzeit (bewiesen durch Schalenfunde in steinzeitlichen Kochstellen). Herzmuscheln wurden früher mittels Saugschiff befischt; Fangnetze mit schweren Ketten wurden über den Boden gezogen und das umgebende Bodenleben Bodenleben zerstört. Nach und nach wurde deshalb die Herzmuschelfischerei in Schleswig-Holstein (1990), Niedersachsen (1992) und den Niederlanden (2006) verboten.
Bekannt ist die Herzmuschel aus der Musik: Wer schon einmal ein Konzert unseres ShantyChors besucht hat, kennt bestimmt „Molly Malone“, die irische Ballade über eine Dubliner Fischhändlerin. Darin preist sie ihre „cockles and mussels“ = Herzmuscheln und Miesmuscheln an.
Wir wünschen allen ein sonnig-herziges Wochenende,
Ihr/Euer Nationalpark-Haus Team
Link -> Herzmuscheln beim Eingraben
Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Karen Kammer
Quelle: Karen Kammer, Nationalpark-Haus Baltrum
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