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03.07.2020
Kegelrobbenbericht
Kegelrobbenbericht: Weniger Störungen für Kegelrobben im Wattenmeer?
Wilhelmshaven, 3. Juli 2020
Die Zählungen der Kegelrobben im Wattenmeer zur Fellwechselzeit im Frühjahr 2020 zeigen einen Anstieg der Zahlen im Vergleich zum Vorjahr auf. Insgesamt wurden 7.649 Kegelrobben gezählt – 17% mehr als im Frühjahr 2019. Das Durchschnittswachstum der letzten Jahre liegt bei 9%. Dies geht aus den Bericht „Kegelrobbenzählung im Wattenmeer und Helgoland im Zeitraum 2019–2020“ der Trilateralen Expertengruppe Seehunde (EG-Seals, vormals Trilateral Seal Expert Group) hervor, der im Rahmen der Trilateralen Wattenmeer-Zusammenarbeit jetzt veröffentlicht wurde. Die Experten mutmaßen, dass in diesem Frühling die Robben von einem Rückgang menschlicher Störungen, vor allem an den Stränden, aufgrund der COVID-19-Maßnahmen profitiert haben und so vermehrt an Land rasten konnten. Seit Beginn der trilateral koordinierten Zählungen 2008 hat sich der Bestand der erfassten Kegelrobben mehr als verdreifacht. Die größten Kolonien sind in den Niederlanden zu finden, gefolgt von Niedersachsen und Helgoland. Weniger Tiere werden in Schleswig-Holstein und Dänemark beobachtet.
“Momentan können wir nicht mit Sicherheit sagen, dass der Rückgang menschlicher Aktivitäten, wie das Wegbleiben von Touristen an Stränden, für die Ergebnisse verantwortlich ist“, sagt Sascha Klöpper, stellvertretender Exekutivsekretär des Gemeinsamen Wattenmeer-Sekretariats (CWSS). „Um zu überprüfen, ob die Pandemiemaßnahmen tatsächlich einen solchen Einfluss auf die Tiere haben können, muss die Expertengruppe weitere Nachforschungen anstellen. Die Erklärung wird neben weiteren Thesen betrachtet.“ Die von der EG-Seals jährlich grenzübergreifend koordinierten Zählungsflüge im Wattenmeer, werden im Winter dem anschließenden Frühjahr durchgeführt.
Neugeborene Kegelrobben werden während der Wurfzeit in den Wintermonaten gezählt. In der Saison 2019–2020, vor dem Inkrafttreten erster COVID-19-Maßnahmen in den Wattenmeerländern, wurden insgesamt 1.726 Jungtiere im Wattenmeer und auf Helgoland gezählt – ein leichter Zuwachs von 2%, nachdem im Jahr zuvor ein Anstieg von 22% ermittelt wurde. Die meisten davon, 932 Tiere, wurden im niederländischen Teil gezählt, mit einem Rückgang von 12%. Auf der Hochseeinsel Helgoland (Schleswig-Holstein) und in Niedersachsen/Hamburg wurden je 29% und 26% mehr Robbenjunge als im Vorjahr gesichtet (499 und 295 Tiere). In den dänischen und schleswig-holsteinischen Teilen des Wattenmeers wurden keine Jungen an den Tagen der Zählung verzeichnet, wobei in Dänemark zu einem späteren Zeitpunkt ein Jungtier beobachtet wurde.
Der Gesamtbestand der Kegelrobben wird während der Fellwechselperiode im Frühjahr gezählt, da sie zu dieser Zeit im Schnitt wesentlich mehr Zeit sichtbar an Land verbringen. In diesem Jahr erfolgten die Zählungen im März-April 2020. Die Erhebungen wurden von den Pandemiemaßnahmen beeinflusst, zum einen durch weniger Störungen für das Tier, zum anderen durch erhöhte Auflagen für die Zählflüge, welche aber zum Großteil planmäßig durchgeführt werden konnten. Lediglich einige wenige Areale im niedersächsischen Wattenmeer mussten ausgelassen werden. Die Expert*innen schätzen, dass in diesem Bundesland 10-15% der Tiere dadurch nicht gezählt werden konnten. Dennoch stieg die Zahl der gesichteten Tiere im Zählungsraum Niedersachsen/Hamburg um 30% im Vergleich zum Vorjahr auf 587 Tiere. Ein Wachstum wurde ebenso in den Niederlanden mit 5.687 (+19%), auf Helgoland mit 890 (+18%) und im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer mit 218 Kegelrobben (+41%) registriert. Allein im dänischen Teil des Wattenmeers fiel der gezählte Bestand um 100 Tiere auf 267 (-35%) zurück. Kegelrobben migrieren bekanntermaßen zwischen dem Wattenmeer und britischen Gewässern. Diese befristeten Verlagerungen beeinflussen vermutlich die Schwankungen in den Zählungen.
Kegelrobben sind die größten Raubtiere an der Wattenmeerküste und zählen wie Seehunde zu den bekanntesten Arten der Region. Zu früheren Zeiten waren Kegelrobben im Wattenmeer sehr zahlreich, bis sie vermutlich aufgrund exzessiver Bejagung verschwanden. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wanderten erste Tiere aus britischen Gewässern wieder ins Wattenmeer ein. Als Teil der Trilateralen Wattenmeer-Zusammenarbeit koordiniert die trilaterale Seehundexpertengruppe (EG-Seals) die Zählungen und harmonisiert die Ergebnisse, welche aus allen Teilen des Wattenmeers zusammengeführt werden. Der im Wattenmeer häufig anzutreffende Seehund steht unter besonderem Schutz des Wattenmeer-Seehundabkommens (Agreement on the Conservation of Seals in the Wadden Sea; WSSA) unter der Schirmherrschaft des UN-Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden Tierarten (CMS). Die Kegelrobbe fällt zwar nicht unter dieses Abkommen, profitiert aber aus den daraus resultierenden Schutzmaßnahmen. Das CWSS fungiert als Sekretariat des Wattenmeer-Seehundabkommens.
Der vollständige Bericht ist als Download in englischer Sprache verfügbar unter www.waddensea-worldheritage.org/2020-grey-seal-report

Foto einer jungen Kegelrobbe auf der niederländischen Wattenmeerinsel Griend von Sophie Brasseur, WMR
Über das Wattenmeer
Das Wattenmeer bildet das größte zusammenhängende Sand-Schlickwattsystem der Welt, in dem dynamische Prozesse in einem weitgehend ungestörten Naturzustand ablaufen können. Es erstreckt sich über 500 km entlang der Küstenlinie dreier Länder: Dänemark, Deutschland und der Niederlande. 2009 wurde das Wattenmeer für seine global herausragende geologische und ökologische Bedeutung in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Es beherbergt über 10.000 Pflanzen- und Tierarten, die sich an die wechselhaften Lebensumstände angepasst haben. Millionen von Zugvögeln sind auf das Wattenmeer als Zwischenstopp und Rastgebiet angewiesen. Um den Schutz des Wattenmeers zu sichern, arbeiten Dänemark, Deutschland und die Niederlande seit 1978 zusammen und übernehmen gemeinsam die Verantwortung dafür, dass dieses einzigartige Ökosystem zum Wohle jetziger und zukünftiger Generationen erhalten wird.
Autor: Sabine Hinrichs
Foto: Sophie Brasseur WMR
Quelle: NLPV Wilhelmshaven | Common Wadden Sea Secretariat
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