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02.06.2026
NLWKN: Generalplan Küstenschutz
Strategie und Generalplanung für den Küstenschutz
Folgen des Klimawandels stellen Küstenschutz weiterhin vor große Herausforderungen
Der Schutz vor Sturmfluten und vor der Erosion der Küste durch ein zielgerichtetes Risikomanagement bildet für die Küstenregionen in Niedersachsen ein zentrales Element der Daseinsvorsorge von herausragender Bedeutung. Seit der katastrophalen Sturmflut vom Februar 1962 konnte der Sicherheitsstandard wesentlich verbessert werden. Heute ist er höher denn je, gleichwohl kann nur ein definierter Standard, aber kein absoluter Schutz gewährleistet werden. Eine nachhaltige Küstenschutzstrategie bildet heute und für die Zukunft eine existentielle Grundlage für die dauerhafte Sicherung des 6.500 Quadratkilometer großen Küstengebiets, in dem etwa 1,1 Millionen Einwohner leben. Insgesamt liegen etwa sechzig Prozent des geschützten Gebiets unterhalb des mittleren Tidehochwassers. Große Bereiche wären also bereits durch die reguläre Tide ohne Küstenschutz dem Risiko einer Überflutung ausgesetzt.
Die aus Hauptdeichen und Sperrwerken bestehende primäre Küstenschutzlinie gewährleistet heute einen zuverlässigen Schutz gegen Überflutungen. Sie beginnt an der deutsch-niederländischen Grenze bei Nieuwe Staatenzijl und endet an der Elbe an der Einmündung in den Elbe-Seitenkanal. Die Gesamtlänge beträgt aktuell 617,7 Kilometer mit 616,3 Kilometer Hauptdeichen und 1,4 Kilometer in 16 Sperrwerksbereichen. Geschützte Sachwerte von rund 200 Milliarden Euro unterstreichen die Bedeutung des Küstenschutzes für Niedersachsen.
Kombination aus technischen und naturbasierten Ansätzen
Die Folgen des Klimawandels bilden eine der größten Herausforderungen für den Küstenschutz der Zukunft. Als Konsequenz des sechsten Untersuchungsberichts des Weltklimarates IPCC haben sich Bund und Küstenländer über die Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) abgestimmt, für Vorsorgezwecke im Küstenschutz das ungünstige SSP5-8.5 Szenario – ein „Weiter wie bisher“-Szenario und ein Vorsorgemaß von einem Meter bei der Festlegung des Bemessungswasserstands für Küstenschutzanlagen, die den Sturmflutwasserstand abwehren müssen, für die kommenden 100 Jahre zu verwenden. Damit wurde die bisherige Festlegung um 50 Zentimeter erhöht.
Niedersachsen hat die Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels für 17 ressortübergreifende Handlungsfelder erstellt. Für den Küstenschutz wurden strategisch-konzeptionelle Handlungsziele ausgearbeitet. Im Mittelpunkt steht dabei die nachhaltige Sicherung und Entwicklung des Küstenraums als Lebensgrundlage der Menschen. Eine Kombination aus technischen und naturbasierten Lösungen sorgt für den Erhalt und die Anpassung des Küstenschutzsystems und gewährleistet einen definierten Sicherheitsstandard. Unsichere zukünftige Entwicklungen sollen durch diese kombinierten Maßnahmen ein hohes Maß an Resilienz schaffen. Das Freihalten von Flächen für Küstenschutzmaßnahmen, als Kohärenz- und Kompensationsflächen sowie für die Materialgewinnung auch mit Instrumenten der Raumordnung stellen wesentliche Grundlagen eines zukünftigen Küstenschutzes dar.
Die Generalpläne Küstenschutz des NLWKN bilden die Basis für sämtliche Aktivitäten
Aus den Handlungszielen leiten sich konzeptionelle, bauwerksspezifische, raumbezogene sowie forschungs-, kooperations- und themenübergreifende Maßnahmengruppen ab. Einen wesentlichen Baustein der konzeptionellen Maßnahmen bildet die zielgerichtete, regelmäßige Fortschreibung und Umsetzung der Generalpläne Küstenschutz. Sie enthalten die Grundsätze der niedersächsischen Küstenschutzstrategie und des Risikomanagements zur Klimafolgenanpassung. Weiterhin werden als zentrales Element die für die Anpassung des Küstenschutzsystems erforderlichen Vorhaben und Kosten dargestellt.
Für Planung und Bau von Deichen und Küstenschutzanlagen bildet das Vorsorgemaß von einem Meter und die Nacherhöhbarkeit um bis zu einem Meter einen Schwerpunkt. Mit dem Niedersächsischen Klimadeich in leicht anpassbarer Erdbauweise und gegen hydraulische Belastung widerstandsfähiger Grasnarbe wird eine weitere Anpassbarkeit gewährleistet. Ein Ausbau von Deichen soll präferiert binnendeichs, also landeinwärts, erfolgen, um wertvolle außendeichs, also seeseitig, liegende Lebensräume so weit wie möglich zu schützen.
Generalplan Küstenschutz Festland wird aktuell überarbeitet
Zentrale naturbasierte Elemente des Küstenschutzsystems sind die auf rund 75 Prozent der Deichstrecke vorhandene Deichvorländer sowie Schutzdünen und Strände, die zudem wichtige Ökosystemdienstleistungen nicht nur für den Küstenschutz, sondern insbesondere auch für den Natur- und Klimaschutz erbringen. Der Ausgleich von Sedimentdefiziten an den sandigen Küsten und die Sicherung von Sedimentgewinnungsgebieten für den Küstenschutz sind dabei wesentlich für den dynamischen Erhalt des Küstensystems.
Derzeit wird der Generalplan Küstenschutz Festland für Niedersachsen gemeinsam mit der Freien Hansestadt Bremen neu aufgestellt. Darin wird der Zustand der Hauptdeichlinie, der Sperrwerke und weiterer Küstenschutzanlagen aktuell erfasst und die erforderlichen Höhen der Küstenschutzanlagen, die bei einer Sturmflut standhalten müssen, für ein Vorsorgemaß von einem Meter ermittelt sowie Handlungsbedarfe und Kosten dargestellt.
Küstenschutz – eine Aufgabe für Generationen
Wesentlich ist, dass die ermittelten Höhen der Deiche und Sperrwerke für einen Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter gelten. Das bedeutet, dass bei einer auf dieser Grundlage ermittelten Fehlhöhe von einem Meter derzeit noch ausreichende Sicherheit gegeben ist, aber zukünftig ein Anpassungsbedarf besteht. Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass die Klimafolgenanpassung im Küstenschutz eine Generationenaufgabe ist. Um die verfügbaren Ressourcen zielgerichtet einzusetzen, müssen Prioritäten gesetzt werden. Neben der vorhandenen Bauwerkshöhe und der hydrodynamischen Belastung bilden deshalb der Querschnittsaufbau, das Vorhandensein einer zweiten Deichlinie und eines Deichvorlands sowie die Sozioökonomie hierfür wichtige Kriterien.
Übergeordnetes Ziel der Generalplanung Küstenschutz ist es, die Daseinsvorsorge im Küstenschutz als überragendem öffentlichen Belang auch für kommende Generationen nachhaltig und mit hoher Resilienz sicherzustellen.

Das Küstenschutzsystem in Niedersachsen. (Grafik: NLWKN)

Deichgeschütztes Gebiet, Haupt- und Schutzdeiche sowie Sperrwerke an der Festlandsküste. (Grafik: NLWKN)
Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: NLWKN
Quelle: NLWKN
Baltrum-Online.de ist ein werbefreies und unabhängiges Angebot. Wir berichten ehrenamtlich und frei über die Insel Baltrum und stehen in keinerlei Verbindung zur Gemeinde Baltrum.
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