Suche:
News

09.02.2022

Nikolausfenster


Der Winter ist stürmisch an der Nordsee, mit dem Wind fühlt er sich meist auch sehr kalt an... nichtsdestotrotz ist es auch in dieser Jahreszeit wunderschön auf der Insel. Zeit für Muße und ausgedehnte Spaziergänge, Zeit, die täglichen Veränderungen am Strand, an den Buhnen oder am Ostende zu beobachten. Wer jetzt hier ist, weiß um die Vorzüge der stillen, ruhigen Jahreszeit, in der man keiner Menschenseele begegnet, wenn man es nicht unbedingt will.

 

Wenn man so lange hier ist wie die Einheimischen oder Dauergäste, springen einem manche Dinge nicht mehr so offensiv ins Auge wie den Fremden, und doch lohnt ein Blick auf die kleinen Schönheiten, die die Insel im Inneren bietet. Der letzte Artikel über das heutige Sujet, nämlich die Fenster der katholischen St. Nikolaus-Kirche auf Baltrum, ist gefühlt ein, zwei Jahrzehnte her... in der Inselglocke z.B., und hier, auf Baltrum-Online, noch gar nicht, oder?

 

Dabei ist die reetgedeckte Kirche an sich schon ein Kunstwerk, was nicht oft genug gewürdigt werden kann. Die kleine Kirche auf der kleinen Insel wurde an Christi Himmelfahrt 1957 geweiht und hat neben dem berühmten Reetdach als Besonderheit ein Atrium und somit eine Sommer- und eine Winterkirche.

Das Gebäude ist nach mathematischen Ausgeklügeltheiten errichtet, die sich dem "Normalmenschen" nicht gleich erschließen oder offenbaren (dazu gibt es einen hübschen hochwissenschaftlichen Artikel in einer älteren Inselglockenausgabe). Rein praktisch gesehen musste so gebaut werden, dass sich im Winter die katholische Baltrumer Minigemeinde im Kircheraum nicht verloren fühlt und zusammenrücken kann und im Sommer (in normalen Jahren) bis zu 500 Personen Platz finden. Architekt Heinrich Feldwisch-Drentrup hat das zweigeteilte Bauwerk entworfen, das zu einer würdigen Einheit verbunden werden kann. 

Das Schöne: das Kirchlein ist zumindest im vorderen Bereich auch jetzt geöffnet, sodass man den Innenhof betreten und die von Margarete Franke geschaffenen Glasmalerein an den Seitenwänden betrachten kann. Im Winter ist beste Gelegenheit! Kein schwatzender Gast, keine zwitschernde Schwalbe, kein zischender Wind, kein prasselnder Regen! Und die Sonne – egal, ob sie scheint oder nicht – sie steht einfach so tief, dass die Fenster einheitlich im besten Licht erstrahlen und kein krasser Schattenwurf stört!

 

Roman Mensing hat übrigens ein Büchlein zu den Nikolaus-Legenden geschrieben (1991) – vierzehn Fenster, vierzehn Legenden. Es erklärt die Fensterbilder aufs Trefflichste und ist eine großartige Lektüre nach dem Spaziergang beim frisch aufgebrühten Ostfriesentee. Die Legenden drehen rechts herum, wie die Fotos hier auch.

 

 


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Sabine Hinrichs
Die Nikolausfenster der kath. Kirche zu Baltrum von Margarete Franke (1957) - St. Nikolaus Kornschiffe Drei Offiziere Ein Dämon Klosterdiebe Ein Betrüger Die Ikone (im Hintergund das Knusperhuuske!) Ein Kaufmann Die Entführung Die Bischofswahl Das Bad Der goldene Becher Drei Mädchen Seenot Drei Schüler