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19.08.2020

Ein Bürgerbrief: 5 nach 12


von Jupp Flockert

 

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 


ich möchte einmal versuchen, über die Verhältnisse im Hafen und auf den Parkplätzen in Nessmersiel aufzuklären beziehungsweise Licht ins Dunkle zu bringen:

Beteiligt sind die Baltrum-Linie, der Hafenzweckverband, Familie Assing, die Räte der Gemeinden Baltrum und Dornum sowie die Frisia-Luftverkehrsgesellschaft Norderney. Was im Hafen Nessmersiel passiert, ist in meinen Augen ohne Sinn und Verstand, da fahren mehrere Züge aufeinander zu, und keiner will abbremsen. Mache mal einem alten Baltrumgast klar, dass das, was 30 Jahre und länger gut geklappt hat (selbst unter den drei Anbietern), von heute auf morgen in einem kompletten Chaos endet. Gehbehinderte, alte Menschen, Familien mit kleinen Kindern und viele andere müssen neuerdings lange Wege bewältigen, um zu ihrem Parkplatz zu kommen.

 
Der Hafenzweckverband (HZV) hat 682 Tagesparkplätze verpachtet. Davon sind 176 den Besuchern des Strandbades in Nessmersiel vorbehalten, bleiben 506 Tagesparkplätze für die Baltrum-Linie (B-L) übrig. Mit welchem Recht benutzt die B-L diese Tagesparkplätze als Dauerparkplätze? Selbst auf dem befestigten Parkplatz direkt am Anleger hat die B-L Dauerparkplätze eingerichtet. Gäste und Tagesgäste brauchen neuerdings geraume Zeit, um zum Hafen zu gelangen, da die Zufahrtsstraße versperrt ist von wartenden Autos. Denn bei den meisten Ankünften sind alle Parkplätze belegt, Tagesgäste müssen deshalb wieder umkehren. Selbst Dauerparkgäste werden zum Verwaltungsgebäude zurückgeschickt und müssen den ganzen Weg zu Fuß zurücklaufen. Außerdem bittet die B-L die Gäste, die den Strand in Nessmersiel besuchen wollen, doch am Wochenende darauf zu verzichten, weil sie die Parkplätze für ihre eigenen Interessen in Anspruch nehmen will. Die B-L bittet die Baltrumgäste möglichst früh anzureisen, weil sie nicht weiß, wo sie die Fahrzeuge unterbringen soll. Das bringt im Endeffekt gar nichts, wenn nicht vorher die Gäste von der Insel kommen und wieder Parkplätze freigeben.

Gebt ehrlich zu, dass Ihr durch diesen Eigensinn die Karre komplett vor die Wand gefahren habt!

 
Durch die ewigen Drohungen mit den Rechtsanwälten wagt sich keiner mehr, gegen die Baltrum-Linie aufzubegehren. Seien es die Gemeinden Baltrum oder Dornum, der Hafenzweckverband oder die Firma Assing, selbst der DEHOGA (Deutsche Hotel- und Gaststättenverband) auf Baltrum hüllt sich in Schweigen. Die B-L hat mit ihrer Vorgehensweise Vermieter und Gäste in Geiselhaft genommen. Der Schaden, der bis jetzt angerichtet wurde, ist weder moralisch noch finanziell zu beziffern. Die Stammgäste, die Jahr für Jahr auf der Insel Urlaub machen und vor der Abreise gleich wieder buchen, warten nun mit der nächsten Buchung ab, wie sich die Situation im Nessmersieler Hafen im nächsten Jahr darstellt. Wir sind auf Gäste angewiesen, die Baltrum-Linie ist auf Gäste angewiesen, es ist ein Geben und Nehmen. Doch zur Zeit wird viel Vertrauen zerstört und viel Porzellan zerschlagen. Das Allerschlimmste aber ist der Hafenzweckverband, der die Flächen verpachtet hat, mit der Auflage, dass keine Unterverpachtung durch die B-L geschehen darf. Der Geschäftsführer des HZV würde der Freigabe einer Unterverpachtung an die Firma Assing zustimmen, wenn die Baltrum-Linie den HZV darum bitten würde.

 
Allein schon, wenn man nach zwei oder drei Wochen Inselurlaub ein so verdrecktes und versifftes Auto in Empfang nehmen muss, wo man noch nicht mal durch die Scheiben schauen kann, von etwaigen Schäden einmal ganz abgesehen. Das habe ich nicht vom Hörensagen, sondern habe mir einen persönlichen Eindruck davon verschafft. Ich kam mir dabei vor wie in einem Überwachungsstaat in Miniaturausgabe. Überall wurde man argwöhnisch von Mitarbeitern der Baltrum-Linie betrachtet.

 
Ich verstehe nicht, wie sich die Räte von Baltrum und Dornum so etwas gefallen lassen. Sie haben die Personen in den HZV gewählt. Der Vorstand gehört wegen Untätigkeit abgewählt – und das sofort!

Ich habe das Gefühl, dass alle kuschen, dass sich keiner aus der Deckung hervorwagen will, um nicht eine der berühmt berüchtigten Klagen an den Hals zu bekommen.

Traut Euch was, Ihr seid doch gestandene Männer und Frauen!

Die Mehrheit der Baltrumer Bürger steht hinter Euch, behaupte ich mal. Steht auf und tut Eure Empfindungen kund!

 

Es ist fünf nach zwölf, so kann es nicht weiter gehen.

 


1. Nachsatz:

Die Baltrum-Linie bietet der Firma Assing an, für acht Stellplätze und zwei Bulliparkplätze pro Jahr 30.000 Euro zu zahlen. Assing soll nicht mehr gegen die Dauerparkplätze angehen und sich verpflichten, die Parkplätze hinter dem Deich das ganze Jahr über zu betreiben, weil ab dem 30.9. nur noch auf eigenes Risiko vor dem Deich geparkt werden kann, denn dann tritt bekanntlich die Sturmflutzeit in Kraft. Wenn die Firma Assing ihre Drohung wahr macht, vom 30. November bis Ostern zu schließen (abgesehen von Insulanerparkplätzen), wo bleiben dann Handwerker, Gäste und die Weihnachtsgäste?

Lasst Euch etwas einfallen!

 


2. Nachsatz:

Die Kreisstraße 221 endet kurz vor Höhe des Kassenhäuschens der B-L und dem Anfang des Schotterparkplatzes. Man muss also auf das Hafengelände fahren als Einbahnstraße und wieder auf dem Gebiet der Baltrum-Linie zurückfahren, da es am Ende des Hafengeländes keine Wendemöglichkeit gibt. Da hat die B-L den Streifen dicht gemacht, alle Gäste und Gewerbetreibende dürfen über das Gelände fahren, nur die Firma Assing ist davon ausgeschlossen.

 


3. Nachsatz:

Die Baltrum-Linie behauptet, die Genehmigung zu haben, aus den Tagesparkplätzen Dauerparkplätze zu machen. Dieses steht im Paragraph 1 Ziffer 7 des offiziellen Pachtvertrages. Im Beiblatt des Pachtvertrages werden zur Erläuterung der Aufteilung der Flurstücke ausdrücklich Tagesparkplätze erwähnt. Auf eine Anfrage der Rechtsanwaltskanzlei Wilms in Wittmund antwortet der Geschäftsführer des HZV, Herr Hook, wie folgt: „Der Hafenzweckverband Nessmersiel hat im Rahmen seiner Bekanntmachung insgesamt 682 Parkplätze, von denen 176 als Strandparkplätze vorzuhalten sind, ausgeschrieben. Bei allen Parkplätzen inklusive der Strandparkplätze handelt es sich um Tagesparkplätze. Es erfolgte keine weitere Definition des Begriffes Tagesparkplatz. Es wurden keine Dauerparkplätze ausgeschrieben, es erfolgte lediglich in § 1 Ziffer 7 des Pachtvertrages ein Hinweis auf die beabsichtigte Baumaßnahme auf dem Parkplatz.“ Die B-L hat diese Ziffer 7 wörtlich genommen und rechtfertigt die Dauerparkplätze damit.

 

 

4. Nachsatz:

Der Landkreis Aurich versucht durch den Rechtsexperten Dr. Puchert die streitenden Parteien an einen Tisch zu bringen.

 

 

 

Die ganze Angelegenheit in Neßmersiel ist von öffentlichem Interesse. Sie greift in die gesamte Touristik und Vermietung auf Baltrum ein und muss dringend zeitnah geändert werden.

Die Besatzung der Baltrum-Linie hat mit dieser Situation eine große Bürde aufgetragen bekommen. Ich für meine Person kann nur sagen, die Mannschaft ist immer hilfsbereit und zuvorkommend. Sie spricht nie schlecht über ihren Arbeitgeber, und das finde ich gut so.

 

Sollte ich etwas falsch berichtet haben, bitte ich um sofortige Benachrichtigung.

 


Jupp Flockert, besorgter Bürger von Baltrum


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Quelle: Jupp Flockert