Suche:
News

10.09.2025

Prädationsmanagement im Wattenmeer


Fachleute diskutieren über Prädationsmanagement zum Schutz der Brutvögel im Wattenmeer

 

Wilhelmshaven, 10. September 2025.

 

Trotz umfangreicher Schutzbemühungen sind viele Brutvogelarten im Wattenmeer weiterhin von einem erheblichen Rückgang betroffen. Prädation gilt als eine der größten Bedrohungen.

Am 9. und 10. September trafen sich mehr als 50 Expert*innen aus Forschung, Naturschutz und Management online zu einem trilateralen Workshop zum Thema „Schutz der Vögel im Wattenmeer: Chancen und Grenzen des Prädationsmanagements“. Die Veranstaltung wurde vom Gemeinsamen Wattenmeersekretariat und der Brutvögel-Fachgruppe im Rahmen der Trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit organisiert und setzte den Fokus auf den Austausch bewährter Verfahren zur Reduktion der zunehmenden Auswirkungen von Raubtieren auf die Populationen bodenbrütender Vögel.

 

Prädation ist ein natürlicher ökologischer Prozess im Wattenmeer. Viele Vogelarten haben nützliche Strategien entwickelt, um mit der Bedrohung durch Raubtiere umzugehen. Aufgrund von hohem Prädationsdruck werden viele Brutplätze auf dem Festland von Bodenbrütern vollständig aufgegeben. Gebiete mit geringem Raubtierdruck, wie beispielsweise Inseln, werden als Standort bevorzugt. Die Anwesenheit von Landraubtieren auf den Inseln, die oft durch menschliche Aktivitäten und über zwischen Festland und Inseln laufende Dämme eingeführt oder verbreitet wurden, hat jedoch einen zusätzlichen, unnatürlichen Druck erzeugt. Trotz umfangreicher Bemühungen zur Wiederherstellung von Lebensräumen und gezielten Programmen zum Prädationsmanagement sind viele wichtige Vogelarten weiterhin gefährdet. „Die neuen Ergebnissen der trilateralen Brutvogelbeobachtung lassen erkennen, dass weiterhin die meisten Küstenbrutvögel Rückgänge verzeichnen. Der geringe Bruterfolg, der auch auf Raubtiere zurückzuführen ist, ist einer der Hauptgründe für diese Entwicklung“, erklärte Kees Koffijberg von SOVON.

 

Mittlerweile kommen auf fast allen bewohnten Inseln im Wattenmeer Raubtiere wie Wanderratten oder Wildkatzen vor. Auf den niedersächsischen Inseln beispielsweise fressen diese Raubtiere Eier und Küken sowie ausgewachsene Küstenvögel, die am Boden nisten, und beeinträchtigen deren Existenz erheblich. „Diese Raubtiere stehen grundsätzlich im Widerspruch zu den Schutz- und Erhaltungszielen des Nationalparks und des Wattenmeeres insgesamt. Die gute Nachricht ist, dass auf unbewohnten Inseln wie Memmert, Minsener Oog und Mellum keine Bodenräuber vorkommen und die Vögel dort ungestört brüten können“, erklärte Gundolf Reichert von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer.

 

Auf einigen Wattenmeerinseln wurden auch größere Raubtiere wie Rotfüchse und Marderhunde gesichtet. „Wegen der aus dem Süden eingewanderten Marderhunde hat sich der aktive Schutz der am Boden nistenden Vögel im dänischen Teil des Wattenmeeres zur Daueraufgabe entwickelt“, sagt John Frikke von der dänischen Wattenmeer-Nationalparkverwaltung.

Ein weiteres Beispiel kommt aus Schleswig-Holstein. Hier hat die Prädation durch Wanderratten zu schweren Brutverlusten in den letzten Jahren geführt. An einigen Standorten gingen ganze Jahrgänge verloren. „Aufgrund ihrer bemerkenswerten Fähigkeit, abgelegene Gebiete weit draußen im Wattenmeer zu erreichen und sich in fast jedem Lebensraum ansiedeln zu können, stellen Ratten eine der größten Herausforderungen für den Schutz von Brutvögeln im Wattenmeer dar“, sagte Benjamin Gnep von der Schutzstation Wattenmeer e.V.

 

„Die Anwesenheit nicht-heimischer Raubtiere auf den Wattenmeerinseln bedroht das Überleben bodenbrütender Arten in allen drei Wattenmeerländern, wodurch ein wirksames Management immer wichtiger wird. Rechtliche und logistische Herausforderungen sowie die Akzeptanz des Managements in der Öffentlichkeit können jedoch die Schutzbemühungen verlangsamen“, fügte Reichert hinzu.

Am ersten Tag des zweitägigen Workshops wurde ein Überblick über die Situation in den drei Wattenmeerländern gegeben und erfolgreiche Forschungs-, Überwachungs- und Managementinitiativen präsentiert. Am zweiten Tag diskutierten die Teilnehmenden in kleineren Gruppen konkrete Fragen des Monitorings und Managements sowie der rechtlichen, logistischen und gesellschaftlichen Hindernisse, die die Umsetzung von Maßnahmen beeinträchtigen. Die Ergebnisse dieser Diskussionen fließen in die laufende Überarbeitung des Aktionsplans für Brutvögel im Wattenmeer ein. Sie sollen zudem die Entwicklung der nationalen Pläne zur Umsetzung der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur unterstützen.

 

 

Nachtaufnahme einer Ratte, die ein Vogelei am Strand findet.

Foto: © Schutzstation Wattenmeer e.V.

 

 

Über das Wattenmeer

Das Wattenmeer bildet das größte zusammenhängende Sand-Schlickwattsystem der Welt, in dem dynamische Prozesse in einem weitgehend ungestörten Naturzustand ablaufen können. Es erstreckt sich über 500 km entlang der Küstenlinie dreier Länder: Dänemark, Deutschland und der Niederlande. 2009 wurde das Wattenmeer für seine global herausragende geologische und ökologische Bedeutung in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Es beherbergt über 10.000 Pflanzen- und Tierarten, die sich an die wechselhaften Lebensumstände angepasst haben. Millionen von Zugvögeln sind auf das Wattenmeer als Zwischenstopp und Rastgebiet angewiesen. Um den Schutz des Wattenmeers zu sichern, arbeiten Dänemark, Deutschland und die Niederlande seit 1978 zusammen und übernehmen gemeinsam die Verantwortung dafür, dass dieses einzigartige Ökosystem zum Wohle jetziger und zukünftiger Generationen erhalten wird.

 


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Foto: Schutzstation Wattenmeer e.V
Quelle: Common Wadden Sea Secretariat


Baltrum-Online.de ist ein werbefreies und unabhängiges Angebot. Wir berichten ehrenamtlich und frei über die Insel Baltrum und stehen in keinerlei Verbindung zur Gemeinde Baltrum.

Weitere News

16.5.2026

SindBad: Geänderte Öffnungszeiten

Di, Mi, Do, Fr, Sa 14 bis 18 Uhr...

16.5.2026

Inselwitz XVI. Ausstellung eröffnet

Cartoons auf Baltrum: Inselwitz macht Schule im Nationalpark-Haus...

15.5.2026

Hauptsache: Baden!

Thalasso! Baltrum Badesaison offiziell eröffnet....

13.5.2026

Wippe vermisst

Wippe von Haus Helga (Ostdorf) verschwunden...

13.5.2026

Stricken fürs NPH

Handarbeiten des Turnvereins Donnerschweer zur Unterstützung des Nationalpark-Hauses Seit 2017 weile...

12.5.2026

Ein Mensch – Gedichteabend

HEUTE, 12. Mai um 20:30 Uhr im Kinderspielhaus!...

12.5.2026

Drei-Kirchen-Führung

Mit Susanne Schildknecht an den kommenden vier Mittwochen jeweils um 10.45 Uhr...

11.5.2026

Bootsclub hat aufgerüstet

Liegegeld-Automat wickelt auch Gästebeitrag ab...

11.5.2026

StrandGut Montag zu

Das StarndGut im Westdorf hatte am Montag geschlossen....

11.5.2026

200 Jahre Alte Inselkirche Baltrum

Neue Ausstellung im Museum Altes Zollhaus...

10.5.2026

Veranstaltungen

Veranstaltungs-Highlights der nächsten Tage...

10.5.2026

Stammgäste

Sammlung der Wiederkehrer (Fortsetzung folgt…)...

10.5.2026

Liebe Eltern!

Das Schild zum Sonntag ...

8.5.2026

TenneT: Bau-Update

 Horizontalbohrungen auf Baltrum...

8.5.2026

Inselwitz macht Schule

Cartoons! Workshop, Cartoonshow und Vernissage in der Himmelfahrtswoche...

8.5.2026

SUB!!!

Die SonnenUntergangsBar macht heute auf!...

7.5.2026

Tante Wanda fällt aus

Nächste Woche kein Theater. Fotoalbum zum Trost....

6.5.2026

Rundbrief der Gemeinde

Am 11. Mai Anliefermöglichkeit für alte Steine bei Oststraßen-Baustelle (Glascontainer Ost)...

6.5.2026

Thalasso Gymnastik

Jeden Tag Programm an der frischen Luft zum Fitwerden und/oder Fitbleiben!...

5.5.2026

Die Küstenseeschwalbe

Titelvogel der 18. Zugvogeltage – vom Aussterben bedroht...

5.5.2026

Champions-League

Heute und morgen zeigt die SchirmSeaBar die Rückrunde des Halbfinales der "Champions-League"....

5.5.2026

Zeitkapsel-Ehepaar meldet sich

Reporter-AG der Inselschule: Übergabe im Sommer...

4.5.2026

Fang(t) gar nicht erst an!

Schulprojekt gegen das Rauchen...

1.5.2026

Die Bäume schlagen aus

Die Jugend hat den Maibaum wieder ordentlich und unfallfrei an seinen Platz vor dem Rathaus gebracht...

1.5.2026

Neues Programm aus dem NPH

Das Nationalpark-Haus begrüßt den Mai mit einem neuen Schwung an Veranstaltungen. Das Programm steht...


Alle Artikel des Jahres

Inselrundgang

Archiv


Volltextsuche:

Alle News der letzten 26 Jahre im Archiv:

2026
2025
2024
2023
2022
2021
2020
2019
2018
2017
2016
2015
2014
2013
2012
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001



8577 Artikel online verfügbar