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20.08.2020

Gesunder Mittelweg


Zu viele Tagesgäste auf Baltrum, findet Keya Hinrichs und mit ihr 921 Einheimische wie Gäste, die die von ihr vor zwei Wochen initiierte Online-Petrion unterschrieben haben. Die Insel sei zu voll, die zusätzlichen Gästescharen würden sich nicht einfach über die Insel verteilen sondern drängten sich am Strand, in den Geschäften, den kleinen Cafés, Imbissen und Schnellrestaurants, die Mühe haben, alle satt zu bekommen. Dies würde zu Lasten der erholgungssuchenden Langzeiturlauber gehen.

Baltrum ist eine der wenigen Inseln, in denen der Tagestourismus nicht begrenzt ist – vermutlich mit der Folge, dass umso mehr die Insel aufsuchen, an manchen Tagen über 1000, inklusive Wattwanderer. Der Landkreis Aurich begründet die Zulassung damit, dass jeder Mensch hinfahren dürfe, wohin er will, eine Beschränkung sei Freiheitseinschränkung. Die Fähren und der Hafen seien kontrolliert worden, hieß es in der Ostfriesischen Presse, es gäbe nichts zu beanstanden.

Die Erfahrungen und Schilderungen der Baltrumgäste sprechen eine andere Sprache. Corona-Pandemie und Parkplatzsituation bilden zudem eine verschärfte Ausgangssituation, die auch in den Neßmersieler Tourismus eingreift.

 

Dass es anders geht, zeigt die Insel Spiekeroog – weniger ist mehr, könnte man sagen.

Hartmut Brings schreibt im Spiekerooger Inselboten vom 15. August 2020:

 

 

Gesunder Mittelweg

NSB-Schifffahrt zwischen Corona-Gefahr und wirtschaftlichem Druck

 

Spiekeroog ‒ Die heißen Augusttage weckten den Wunsch nach einem Tagesaufenthalt auf Spiekeroog. Die Nachfrage am Tagestourismus stieg entsprechend. An drei Tagen im August kamen jeweils zwischen 700 und 750 Ausflügler auf die Insel. Am meteorologisch miesen 3.8. (der Tag mit der Windhose über der Nordsee) waren es unter 100. Im Durchschnitt haben die Schiffe der Nordseebad Spiekeroog GmbH in den ersten zehn Tagen des Monats 450 Tagesgäste befördert. Das sind etwa 30 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damit entspricht der Rückgang im Ausflugsverkehr der freiwilligen Kapazitätsbeschränkung der Reederei auf zwei Drittel. Engpässe im Sinne von zu großer Nachfrage gibt es laut Geschäftsführer Ansgar Ohmes kaum. Ausgebucht war lediglich die Abfahrt am Dienstag mit der Kombifähre um 7.15 Uhr. Ansonsten habe es bei den allermeisten Verbindungen vom Siel auf die Insel noch wenige freie Plätze gegeben. Wie berichtet setzt die NSB auch keine Zusatzschiffe ein, um mehr Tagesgäste zu befördern. Dass an einigen Tagen die Kombifähre zusätzlich fuhr, lag an der hohen Nachfrage von An- und Abreise von Übernachtungsgästen. Die reduzierte Nachfrage von Tagesgästen hat vermutlich auch mit dem wegen der Corona-Auswirkungen um 50 Prozent angehobenen Fährpreis zu tun. Fragt man Sommer-Stammgäste, würden die meisten Urlauber vermutlich gern auf Tagesausflügler verzichten.

Wie berichtet ist der Ausflugstourismus aber eine wichtige Säule in der Preisgestaltung der Schifffahrt: mit anderen Worten: Ohne Tagesgäste wären Urlauber- und Insulanertickets (noch) teurer. Außerdem zahlen Tagesgäste den selben Kurbeitrag wie Übernachtungsgäste. Und der Ausflugsverkehr sichert für mehrere Unternehmen auf der Insel die Existenz und trägt daher zu einer intakten Infrastruktur über die reine Hauptsaison hinaus bei. Der Spagat zwischen Geld verdienen und Infektionen vermeiden ist in Pandemie-Zeiten nicht nur auf Spiekeroog Thema. Auf Baltrum beispielsweise gibt es eine Online-Petition zur Beschränkung des Tagestourismus. Nach Norderney fahren die Fähren mit voller Auslastung. Langeoog deckelt Tickets für Ausflügler auf bis zu 800 (zuvor 600) am Tag.

„Wir versuchen einen gesunden Mittelweg zu gehen”, so Ohmes zu den aktuellen Zahlen. „Gesund” meint der Reederei-Chef dabei in dieser Saison ganz sicher nicht nur wirtschaftlich!

 

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Die Schifffahrt auf Spiekeroog gehört wie die Kurverwaltung dort zur NSB. Die Nordseebad Spiekeroog GmbH ist eine 100%ige Tochter der Gemeinde Spiekeroog.

 

 


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Foto: Hinrichs
Quelle: Hartmut Brings, Spiekerooger Inselbote