Suche:
News

07.06.2020

Gedanken zur Reise zur Insel


Marl im Juni 2020,

von Klaus Harms

 


Gedanken zur Reise nach Baltrum

 


1956: Mit der gesamten Familie (Vater, Mutter, drei Kinder) bestiegen wir ein Taxi (wir hatten kein Auto), das über die zehn Kilometer von Alt-Marl zum Bahnhof nach Recklinghausen half. Geringes Reisegepäck und reichlich Proviant begleitete uns in das reservierte Abteil des D-Zuges - drei große Koffer waren vorausgeschickt. Endstation: Norddeich-Mole. Die (damalige) Baltrum I wartete schon am Molenkopf, um uns gemeinsam mit zahlreichen Mitreisenden aufzunehmen und nach knapp zweistündiger, bewegter Seereise durch das Norderneyer Watt für vier Wochen am Baltrumer Anleger wieder abzugeben. - Der Anfang einer Dauerbeziehung.

 


Seitdem habe ich die Insel auf durchaus unterschiedlichen Anreisewegen und mit verschiedenene Mitteln jährlich zwischen ein- und x-mal besucht. Meistens per Kraftwagen und auf der Baltrumfähre (ausnahmsweise auch mal dauerlaufend und teilweise schwimmend durchs Watt, per Surfboard oder mit Privatbooten). 

Angesichts des sich verstärkt ins Bewusstsein drängenden Klimawandels versuchte ich in den letzten Jahren bei der Anreise (allein, also ohne Begleitpersonen und mit wenig Gepäck) über die 280 Kilometer folgende Alternativen: (E-)Fahrrad-Zugkombination Gesamtstrecke; reine Radanreise in zwei Etappen; Rad von Marl nach Recklinghausen, IC bis Norddeich-Mole, weiter per Dauerlauf, Wanderung oder per Rad auf dem Deichweg nach Neßmersiel, Abstellen des Rades am Hafen während des Inselaufenthaltes, hinzu kam die Spannung, ob es am Abreisetag noch dort steht, zurück dann gegen den Wind nach Norddeich-Mole…

 


Wie kann eine Reise im Familienverbund (mehrere Personen, reichlich Gepäck) gestaltet werden, ohne das mit an die Küste zu nehmen, vor dem man doch (zumindest zeitweise) fliehen möchte: Lärm, Abgase, KFZ-Staus?

 

Zwar gibt es bereits die Busverbindung zwischen IC-Bahnhof Norden und dem Hafen – in Zeiten der Hochsaison ist diese Verbindung jedoch überfordert und angesichts der ansteigenden Zahlen von Reisenden mit Bewegungseinschränkungen auch nicht wirklich bequem.

 

Also doch ins Auto, trotz hoher Standgebühren und unübersichtlicher Ansammlungen bei An- und Abreise in der Hochsaison? Oder zurück in die Kindheit (s.o.)?

 


Für die massenhafte Anreise per Zug ist die Verbindungsdichte derzeit nicht ausgelegt, aber muss das so bleiben? Könnte nicht eine (zusätzliche) Fährverbindung von Norddeich-Mole nach Baltrum wieder eingerichtet werden? Saubere (Wind-) Energie gibt es reichlich an der Küste, die Erntekurve der Photovoltaik deckt sich beinahe vollständig mit der (Haupt-) Saisonfrequenz der Nordseeinseln. Abgasfreie Fähren, ein Traum? 

 

Niemand kann sich an den naturwissenschaftlichen Grundvoraussetzungen von Energiedichte/Masse (Li-ion: 0,2 kWh/kg, Diesel: 11,8, Wasserstoff: 33) vorbeimogeln. Daraus ist leicht zu entnehmen, dass lediglich eine wasserstoffbasierte Transporttechnik zukunftsfähig ist, falls man den Klimawandel ernst nimmt, und auch wenn die technischen Voraussetzungen alles andere als einfach zu schaffen sein werden.

 


Begleiten wir die nächste Generation auf dem Weg zu diesem Ziel!

 


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Foto: Hinrichs
Quelle: Klaus Harms, ein langjähriger Inselfreund