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30.05.2019

Geschichten: Reemts Reise V.


Sonntagsreport – 5/20/19

 


Mein Bruder hat mich, wie bereits angekündigt, ca. drei Wochen lang besucht. Ich habe mich riesig gefreut, ihn nach guten acht Monaten am Flughafen in Calgary abholen zu können. Mitgebracht aus Deutschland hat er mir, da mein Ostfriesenherz  bereits blutete, Bünting-Tee - ein wahrer Genuss! 

Da ich ja das Auto habe, konnten wir direkt losfahren. Dabei haben wir insgesamt gute 1500 Kilometer zurückgelegt, in denen wir die Vielfalt Kanadas ganz auskosteten. Von den wunderschönen Rocky Mountains, über eine Steppen-, nahezu wüstenähnliche Landschaft in Kamloops, bis zum Pazifik, der besonders auf Vancouver Island mit einer faszinierenden Landschaft verführt – unendlich scheinende Berglandschaften, die mit Regenwäldern bedeckt sind. In diesen Regenwäldern haben wir bis zu 1000 Jahre alte Zederbäume bewundern können und wenige hundert Meter davon waren wir direkt am Strand, wo Süßwasserbäche direkt ins Meer liefen – eine nahezu surreale Landschaft! Und während Kanadas Landschaft sich gefühlt alle drei Stunden Autofahrt komplett geändert hat, hat das Wetter dem ähnlich getan. So haben wir bei minus 10 Grad und Schnee im Auto übernachtet, aber auch bei 25 Grad am Strand in Vancouver Frisbee gespielt – ein Temperaturunterschied von 35 Grad innerhalb weniger Tage… Und neben all dem haben wir natürlich auch etliche Tiere gesehen! Von den nahezu schon „Kanada üblichen“ Tieren wie z.B. Rehen, Hirschen, Bergziegen oder Koyoten, haben wir auch noch vieles anderes Wildlife gesehen, wie Stein- und Seeadler, Seeotter, Seelöwen, Schwarzbären und Grauwale. Wenige Tage bevor Wilko angekommen ist, habe ich auch noch einen riesigen Grizzly Bären gesehen! Und alles wilde, in der Natur lebende Tiere. Für einen Ostfriesen, der hauptsächlich die (natürlich besten) schwarz-weißen Kühe gewohnt ist, ist diese Artenvielfalt schlichtweg überwältigend!

Außerdem haben wir etliche Städte gesehen, die stets mit ihren wunderschönen Parks überzeugten. So z.B. Calgary, Whistler oder Vancouver. Aber auch Seattle in den Vereinigten Staaten. Dort machten wir spontan eine Art Tagesausflug hin. Direkt am Meer gelegen und eine, für Nordamerika, faszinierende Altstadt. 

Während wir all das erlebt haben, haben Wilko und ich stets wunderschöne Wanderungen gemacht, die zwar manchmal wirklich anstrengend waren, jedoch waren die Aussichten stets ihre Mühen wert (siehe Bilder). Außerdem haben wir das Van-Life sehr genossen! Stets dort schlafen zu können, wo wir es als am schönsten empfinden, ist schlichtweg erholsam! An wunderschönen Seen, wo wir uns am Angeln versuchten, an kristallklaren Flüssen, Wasserfällen oder direkt am Pazifik – abends haben wir dann stets Lagerfeuer gemacht und dort bspw. gelesen oder Ukulele gespielt und gesungen.

Doch manchmal lief auch nicht alles wie geplant – so ist uns an einem Morgen das Auto nicht angesprungen, wodurch wir uns morgens erst einmal an die Straße stellen und hoffen durften, dass jemand vorbei kommt, um uns Starthilfe zu geben, ein anderes Mal sind wir schlichtweg im Schlamm auf einer Schotterstraße stecken geblieben – wieder hoffen und warten… Und wo wir gerade dabei sind, einen Tag nachdem Wilko wieder abgereist ist, ist mir ein Reifen geplatzt – ABER alles gut überstanden und gemeistert, und jede Erfahrung ist schließlich für etwas gut! 

Jetzt, da Wilko wieder abgereist ist, ist mir deutlich geworden, dass auch mir nur noch knappe zwei Monate bleiben. Deshalb heißt es mehr denn je, jeden Moment voll auskosten! Deshalb mache ich mich nun auf den Weg gen Norden, je nachdem wie weit ich komme, Yukon? Alaska? Ich bin gespannt, was mich noch alles erwartet! Außerdem freue ich mich jetzt schon sehr darauf, dass meine Mutter Hedwig und meine Patentante Antje mich Anfang Juli besuchen kommen. Bis dahin will ich das Auto verkauft haben, sodass wir mit einem gemieteten Wohnmobil gemeinsam, ein letztes Mal, den Westen Kanadas erkunden können! 

 

 

Reemt berichtet regelmäßig für den Sonntagsreport in Leer und hat sich inzwischen den Traum vom Auto erfüllt, wie man sieht. Der jüngste Sohn der Inselpastoren Hedwig und Lothar Friebe ist auf Baltrum zur Schule gegangen. Die Familie lebt heute in Leer.

 


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Reemt Friebe
Quelle: Reemt Friebe; Sonntagsreport Leer