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24.08.2026

Das Duell


Bürgermeister-Duell am Sonntag, dem 23. August 206

 


Der Wahlkampf auf Baltrum ist in vollem Gange, und einer der Höhepunkte hat am Sonntag stattgefunden: Das Bürgermeister-Duell – also die Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten. Dieses sind Diplom-Kaufmann Jann Bengen als Kandidat der CDU Baltrum sowie der parteilose Verwaltungsfachwirt Oliver Schütte.

 

 

Die zentralen Herausforderungen der Insel hatte Moderatorin Simone Ulrichs als Fragen an die Kandidaten zusammengefasst. Hauptthemen sind Baltrums Alleinstellungsmerkmale (Entschleunigung, Autofreiheit), die Sicherung der kommunalen Finanzen, die Entwicklung des Tourismus, die Schaffung von Wohnraum, der Umgang mit der Fährverbindung (Baltrum-Linie) sowie die soziale und technische Infrastruktur (Schwimmbad, Straßen, Pflegedienst). Oliver Schütte setzte als Verwaltungsexperte auf strukturelle Lösungen, rechtliche Rahmenbedingungen und Haushaltsdisziplin. Dipl. Kaufmann Jann Bengen plädiert als Unternehmer für die Entwicklung eines Leitbildes, unternehmerische Ansätze, Netzwerke und einen starken Dialog.

 


Simone Ulrichs moderierte charmant die Veranstaltung, die sich zum Schluss in die Länge zog, obwohl es dann doch auch etwas lebhafter wurde. Das Bürgermeister-Duell hatte sie zu Beginn als Frage-Antwort-Spiel aufgezogen. Die Fragen hatte die Baltrumer Wählerschaft eingereicht und spiegelten den umfangreichen Themenbereich, der die Insel und ihre Bewohnerinnen und Bewohner umtreibt: Die Notwendigkeit, die Einnahmen der Gemeinde zu erhöhen (entweder durch Tourismuswachstum oder Kostensenkungen), die schwierige Beziehung zur Reederei Baltrum-Linie und die dringende Suche nach bezahlbarem Wohnraum für junge Familien und Arbeitskräfte. Die Baltrumerin und Dorfmoderatorin wünschte sich scherzhaft nach einem Zitat von Jürgen Janssen (ehem. Schulleiter) vier Ks zur Antwort: „Kurz, Knapp, Klar und Chenau".

 


Oliver Schütte ist 44 Jahre alt, Fachbereichsleiter in der Gemeinde Baltrum und allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. Er positionierte sich als unabhängiger Kandidat mit Insel- und Verwaltungserfahrung. Seine Kernbotschaften sind der Erhalt der Autofreiheit und des entschleunigten Charakters der Insel, praxisnahe Lösungen für Verkehrsprobleme (Fahrrad-Schiebezonen), Haushaltskonsolidierung durch Ausgabendisziplin, die Nutzung vertraglicher Hebel (z.B. im Hafenzweckverband) und die aktive Akquise von Fördermitteln. Er betonte seine hohe Präsenz, Erreichbarkeit und pragmatische, schrittweise Verbesserungen.

 


Jann Bengen ist Jahrgang 1966, Diplom-Kaufmann und Hotelier aus Baltrum. Er trat als unternehmerisch denkender Kandidat mit starker Inselverwurzelung auf. Seine Kernbotschaften sind die Entwicklung eines klaren Insel-Leitbildes als Basis für strategisches Marketing, die Stärkung der Gästezufriedenheit, eine Saisonintensivierung durch zielgruppenspezifische Angebote (Senioren, Familien) und die Förderung des Wettbewerbs. Er setzt auf Dialog, Netzwerke (CDU) und "Out-of-the-box"-Lösungen, um die Verwaltung zukunftsorientiert zu führen.

 

 

Die Einzelpunkte


Die Ruhe, die Natur und die Entschleunigung sind die drei zentralen Punkte, die Jann Bengen bzw. die Inselgäste an der Insel schätzen. Für Olliver Schütte sind es die Nahbarkeit, das persönliche Verhältnis der Gäste zu den Vermietern oder Gastronomen, die er als große Stärke der Insel sieht. Ob der „Dornröschencharakter“ der Insel erhalten bleiben solle? Wenn es die Autofreiheit ist, die Natur, die Nachhaltigkeit ja, sagt Oliver Schütte. Wenn dies Verschlafenheit bedeute, dann nicht, erwiderte Jann Bengen, die Insel müsse sich zukunftsorientiert aufstellen. Autofreiheit und Pferdeinsel sind Alleinstellungsmerkmale, da sind sich alle einig. Das unbeschwerte Zufußgehen ist bei zunehmendem Fahrradverkehr schwierig. Verbote hält man nicht für sinnvoll, eine Schiebezone z.B. am Kinderspielhaus nach Spiekerooger Vorbild wäre zu diskutieren, schlug Oliver Schütte vor. Jann Bengen setzt auf klare Kommunikation und Appelle an die Vernunft und auf gegenseitige Rücksichtnahme.

Dass der Badestrand weiter nach Osten erweitert werden sollte, sehen beide Kandidaten nicht, erstens wegen der dann auszubauenden Infrastruktur und zweitens, weil der Strand östlich des Hundestrandes nicht gepachtet sei und dem Land Niedersachsen gehöre. Für Jann Bengen würden die Probleme nach Osten verlagert, Oliver Schütte will die Strukturen zwischen Strandabschnitt A und D weiter optimieren. 

Der Hafen in Neßmersiel als Tor zu Baltrum muss optimiert werden, darin waren sich ebenfalls alle einig. Die derzeitige Situation ist für alle Beteiligten völlig ungenügend. Bei Neuvergabe der Parkplätze zum 1.1.2028 müssen dem Rechnung getragen werden, um die Situation für die Gäste zu verbessern, so Oliver Schütte. Jann Bengen plädierte für ein Zurück zum „System Assing“.

Wie seht Ihr Baltrum im Jahr 2035? fragte Simone Ulrichs. Jann Bengen: Der Charakter der Insel soll bewahrt werden, die Erwerbs- und Lebensperspektiven für junge Familie inkl. bezahlbarem Wohnraum gestärkt, dass sie gerne auf Baltrum bleiben oder zurückkommen – für das Ehrenamt von Theater bis Feuerwehr unverzichtbar. Oliver Schütte: Wohnraum ist das entscheidende Thema. Neue Stammgäste generieren, Angebote für Tagesgäste erweitern.

Zu Digitalisierung befragt wollte Oliver Schütte sich als Standesbeamter nicht vorstellen von einer KI ersetzt zu werden. Des Weiteren ist die Verwaltungsstruktur der kleinen Insel so, dass große Lösungen wie am Festland nicht greifen könnten, das Arbeiten hier sei individuell. Jann Bengen erhofft sich Unterstützung bei der Bewältigung bzw. Abarbeitung von großen Datenmengen (auch Texten wie Gutachten, Bsp. TenneT).

Der Baltrumer Jann Bengen sei stets anwesend und präsent, sollte er Bürgermeister werden, und er müsse auch später noch mit den dann getroffenen Entscheidungen leben. Oliver Schütte hat erst ein paar Jahre hier gewohnt, und er habe die Energie und den Ehrgeiz sich voll und ganz für die Insel einzusetzen. Sein Vorteil und seine Stärke seien eben, dass er hier nicht verhandelt, er frei und unabhängig sei. Sein Herz brenne für die Insel, und auch wenn er nicht 24/7 vor Ort sei, zeige er doch Präsenz.

Weiterer Punkt war das SindBad. Die finanzielle Situation der Gemeinde sei kein Geheimnis und Abriss und Neubau wirtschaftlicher Blödsinn, so Oliver Schütte. Es heiße Daumen drücken und Durchhalten und auf einen Fördertopf zu hoffen, den man mit etwas Anstrengung gewinnen könnte. Die CDU habe bereits mehrere Vorstöße unternommen, das Bad begutachten zu lassen, so Jann Bengen. Damit habe man wenigstens erst einmal eine Handlungsempfehlung. Es hätte auch einmal die Idee gegeben, auf dem Dach Wohnraum zum Verkauf anzubieten und das Bad so zu sanieren.

Gäste mit Hund seien eine zunehmende Klientel, was Gäste ohne Hund nicht so gerne sehen. Eine Balance zu finden sei wieder eine Sache der guten und netten Kommunikation, sagte Jann Bengen. Außerdem gebe es auch einfach viele Wissenslücken, wie dass am Hundestrand keine Anleinpflicht bestünde. Alle zwei Wochen habe man neue Gäste und fange von vorne an zu erklären, meinte Oliver Schütte, dabei habe Baltrum attraktive Bedingungen für Hunde. Mit einer Böllereinschränkung über Silvester könnte man sogar gezielte Werbung machen.

Zu Straßensanierung gefragt, hatte Oliver Schütte den unkonventionellen Vorschlag, die Anwohner unter fachkundiger Aufsicht selbst anpacken zulassen – das habe einst in einem Ort seiner Heimat in guter und sich damit festigender Nachbarschaft bewährt. Beiträge welcher Art seien ungerecht. Auf eine Geldtopf, der vom Himmel falle, müsse man ewig warten. Anlieger sollten ihren Beitrag leisten, findet Jann Bengen, das war bei Sanierungen in früherer Zeit auch so außerdem müsse eine Fachfirma ran. Die nötigsten Straßen sollte in fünf Jahren saniert sein, man müsse prüfen, was genau man machen kann.

Dorfgemeinschaftshaus mit Ganztageskindergarten? Wenn wir bei Wünsch-Dir-Was wären, ja (Jann Bengen). Kostenfrage spielt keine Rolle (hatte Moderatorin Simone als Voraussetzung genannt), Idee ist super (Oliver Schütte).

Die touristische Auslastung erhöhen? Oliver Schüttes Steckenpferd sind Hochzeiten mit neuen Gästen und künftigen Stammgästen und Events wie das Fußball-Camp, Postkarten-Aktionen an Gäste, die nicht weitergekommen sind. Das Marketing-Budget sei nicht groß, meint Jann Bengen und plädiert für die Erstellung eines dauerhaften Leitbildes, an das man sich jederzeit und in allen Bereichen halten könnte.

Den Pflegedienst langfristig zu sichern liegt den Einheimischen am Herzen. Dafür wollen sich im Falle einer Wahl beide Kandidaten einsetzen. Man könnte mit Verwaltungskräften der Gemeinde Büroaufgaben des Vereins unterstützen, schlug Oliver Schütte vor.

Mehrzweckhalle wieder Mehrzweckhalle? Ja. Warum das in letzter Zeit nicht mehr war wie früher, konnte niemand sagen.

 

 

Danach hatte das Publikum die Gelegenheit, Fragen zu stellen, die sich zum Teil aber mit dem bereits Gesagten überschnitten.

Eine spannende Neuigkeit wegen der unzureichenden Inselversorgung wurde an dem Nachmittag nebenbei öffentlich: Es ist eine neue Reederei gegründet worden, die im Frachtverkehr tätig werden wird. Die Beteiligten hoffen auf künftige Unterstützung seitens der Verwaltung und der Gemeinde, soweit das in deren Aufgabenbereich liegt. Angesprochen auf das tragische Unglück bei großer Samstagsabreise neulich am Hafen, das auf das angebliche Chaos wegen der ausgefallenen Baltrum I entstanden sei, waren sich die Knadidaten (und alle im Raum) einig, dass sich so etwas nicht wiederholen dürfte. Bürgermeister Harm Olchers stellte klar, dass die Gemeinde durchaus ihre Möglichkeiten ausgeschöpft habe, Warnhinweise seien allerdings nicht beachtet worden.

 

Ein großes Thema war auch der Gästebeitrag, der nach so vielen Jahren endlich gerecht und lückenlos in Zusammenarbeit mit der Reederei abgewickelt werden möge – das wünschten sich alle (und nicht zum ersten Mal).

 

Ganzjahresbetrieb oder Saisonintensivierung, Nationalpark-Haus an neuer Stelle, Perspektiven für junge Leute wurden als Themen noch angeschnitten – allein, die Zeit wurde knapp und die Luft dünner...

 


Warum man den einen oder den anderen als Bürgermeister überhaupt wählen sollte, richtete Tim Woste eine letzte Frage an die Kandidaten.

Oliver Schütte sagte, er hätte Energie und den Ehrgeiz, die Verwaltungserfahrung und würde für die Insel Baltrum brennen.

Jann Bengen bringe sehr viel Know-How mit, sei als Ansprechpartner vor Ort, und es sei Zeit für Unternehmertum in der Verwaltung.


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Foto: Merle Hinrichs


Baltrum-Online.de ist ein werbefreies und unabhängiges Angebot. Wir berichten ehrenamtlich und frei über die Insel Baltrum und stehen in keinerlei Verbindung zur Gemeinde Baltrum.

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