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10.08.2022

Hafentransfer Munier


Lange, bevor die Deutsche Bahn auf die Idee gekommen war, hat Familie Munier ein Neun-Euro-Ticket auf Baltrum eingeführt. Neun Euro pro Person geht es vom Hafen zur Unterkunft, ohne Anmeldung, mit Gepäcktransport. Umgekehrt wird man auf Wunsch und Anmeldung von seinem Ferienzuhause wieder abgeholt, prima Service, Pferdetaxi! Notfalls auch alleine! Mitunter mitten in der Nacht ins Alte Ostdorf...

Doch damit könnte nun zumindest für die Morgen- und Abendfähren Schluss sein. Inka Munier hat angekündigt, den Hafentransfer auf die Kernzeit von 10 bis 16 Uhr zu reduzieren - bestehende Verträge sind davon selbstverständlich ausgenommen. Und was im kommenden Jahr sein wird, wisse man auch noch nicht – solange sich die Bedingungen für ihr Fuhrunternehmen nicht änderten.

 

Die Bedingungen...

2018 ist Familie Munier nach Baltrum gezogen, mit einem Großteil des Fuhrparks, den sie auf Juist eingesetzt hatte. Es sei nicht so, dass sie sich nicht darum gekümmert hätte, welche Voraussetzungen auf der kleinsten Ostfriesischen Insel mitzubringen gewesen wären. Damals hatte es geheißen, der Spediteur wolle verkaufen, und ein Kutschenbetreiber finde keine Nachfolge. Ersterer hat es sich dann anders überlegt, und eine Nachfolge für den Kutschenbetrieb hat sich dann auch gefunden, sodass sie nicht so einsteigen konnte, wie gedacht, erzählt Chefin Inka Munier. Ein Grundstück am Hafen hatte sie erworben, mit der Prämisse, dort einen Pferdestall errichten zu können. Dann kam die neue Deichvorlandverordnung, und es darf nur noch das dastehen, was von Bestands wegen da steht. Alles keine guten Voraussetzungen. Aber der Betrieb läuft, und niemand kann sagen, dass sie den Mitbewerbern ein Stück vom Kuchen weggenommen hat, sondern sie hat den Kuchen einfach viel größer gemacht. Und der Bedarf wächst eigentlich weiter, wenn man sich das Dorf mit den Rundfahrten, Gruppenfahrten, Hochzeits- und Geburtstagsfahrten usw. so anschaut.

 

Für Außenstehende ist es schwer nachzuvollziehen, warum die Familienmitglieder nicht einfach dem Baltrumer Weideverein beitreten können. Auf der von der Gemeinde gepachteten Fläche tummeln sich viele Pferde, die meisten "Spaßpferde", wie man so schön sagt, also die fürs Vergnügen und nicht die für die Arbeit. Doch die Weide hätte durchaus noch Platz für mehr Pferde, irgendwann hieß es bei einer Ratssitzung einmal: 36 Stück. Leichtsinnigerweise hatte man Anfang des neuen Jahrtausends den östlichen Teil der Hellerweide an das Land Niedersachsen und damit an den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer abgetreten – damals gab es angeblich keinen Bedarf, und heute ist von der Nationalpark-Verwaltung scheinbar nichts mehr zurückzuholen. 

 

Solch wichtige, zukunftsentscheidende und strukturbildende Themen gehörten eigentlich zumindest im Grundsatz in öffentlicher Debatte diskutiert. Dass Anträge, bei denen es um Verträge oder Personen geht, in nicht öffentlicher Ratssitzung behandelt werden, ist klar, doch eine Grundsatzentscheidung für oder gegen Baltrum als Pferdeinsel und damit für das Miteinanderwollen und Möglichmachen würde allen guttun.

 

Inka Munier hatte kürzlich beantragt, einen Teil der vom Weideverein gepachteten Hellerweide für ihre Pferde abzutrennen sei. Hierzu wäre eine Kündigung des bestehenden Pachtvertrages der Gemeinde Baltrum und dem Weideverein bis „drei Monate vor Ende des Pachtjahres“ (31.12.) erforderlich gewesen, um die Fläche neu aufteilen zu können. Dies wurde wegen der "bestehenden Verträge" in nicht öffentlicher Sitzung abgelehnt.

 

Der Weideverein selbst hatte das Angebot gemacht, dass vier Pferde aufgenommen werden könnten, zwei auf die Ostweide und zwei auf die Westweide. Die Pferde dürften nicht getauscht werden. Die Pachthöhe pro Pferd sollte 50 Euro pro Monat für die Monate Mai bis Oktober betragen. Hört sich das nach Kompromiss an?

 

Das würde der Familie nicht helfen, konstatiert Inka Munier und sieht keine Besserung. Die Arbeitspferde dürfen nach dem Tierschutzgesetz sieben Stunden am Tag arbeiten. Die Arbeitszeit beginnt mit dem Holen von der Weide und endet, wenn das Pferd dort wieder ausgeschirrt und sauber gemacht hingebracht wird. Nach vier Stunden gibt es eine Pause (mit Abschirren, Füttern, Tränken), dann darf nochmal drei Stunden gearbeitet werden, erklärt die Pferdeliebhaberin, die übrigens Ausbildungsbeauftragte des Bundesverbandes Interessengemeinschaft Zugpferde e. V. ist. 

 

Ein weiteres Dilemma ist, dass die Muniers keinen Stall für den Winter haben, sonst würden sie auch im Winter fahren... es ist aber keine Lösung in Sicht.

 

Nach dem vom Gemeinderat abgelehnten Antrag und dem absagenden Bescheid aus der Verwaltung hat sich Inka Munier nun neulich an ihre Kundschaft gewandt, an Gäste und Einheimische, und die "unzumutbaren Haltungsbedingungen für ihre Pferde, verbunden mit einem erhöhten Arbeitsaufkommen und Mehrkosten gegenüber den alteingesessenen Fuhrbetrieben und Privatpferdehaltern" angeprangert.

Um die erforderlichen Umsätze weiterhin zu erzielen und um den Mehraufwand und die Mehrkosten abdecken zu können, sei das Fuhrunternehmen gezwungen, die Fahrpreise zu erhöhen. "Eine betriebliche Umstrukturierung und Aufnahme des Speditions-Angebotes" seien geplant. 

 

Und die werden direkt in die Tat umgesetzt:

Am kommenden Wochenende will die Familie eine Fahrradvermietung bei ihrem Hotel Arche Munier auf Baltrum eröffnen, die entsprechenden Drahtesel sind jetzt auf der Insel angekommen.


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Foto: Sabine Hinrichs

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