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18.10.2021
ZVT: Rückblick
Vom 9. bis 17.10.2021 fanden die 13. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer statt. Das Nationalpark-Haus Baltrum hatte sich zur Unterstützung Reno Lottmann, der seit Anbeginn der Zugvogeltage 2009 eng mit der Nationalpark-Verwaltung zusammenarbeitet und Ornithologe ist, dazugeholt.
Die Zugvogeltage Baltrum in Zahlen: 14 Veranstaltungen mit insgesamt 332 Teilnehmer:innen wurden durchgeführt – eine runde Sache. Wer nicht dabei sein konnte, kann nun in den folgenden Berichten das Ganze ein wenig nachempfinden:
Am Samstag, 09.10. ging es mit vier Personen los: „Eins, zwei, drei, ganz viele … - Start des Zugvogeltage-Aviathlons für Baltrum“. Erst einmal vom Nationalpark-Haus zur Aussichtsdüne Ost, durch die Dünen Richtung Strand. Anschließend die große Runde ums Ostende – sagenhafte 66 Vogelarten konnten erspäht oder erhorcht (Reno Lottmann hat ein unglaublich gutes Gehör für Vogelstimmen!) werden.
Am So., 10.10. wurden zehn Kinder auf ihre Fähigkeiten als Zugvögel in der „Wattolympiade“ getestet. Waren sie in der Lage, sich bei Nebel zu orientieren? Wie viele Herzmuscheln konnten in vorgegebener Zeit ausgegraben werden? Da Möwen beim Verdauen im Magen die Schale knacken, einspeicheln und die Schalenreste als Speiballen wieder hervorwürgen, schloss sich dem Muschelausgraben ein Weitspucken an. Beim Wattwurmtauziehen wurde geprüft, welcher „Zugvogel“ der Stärkste war und den Wurm auf seine Seite ziehen konnte. Letzten Endes haben alle den Test bestanden – und mit unseren Zugvögeln mitgehalten!

Wattolympiade mit Torsten Moschner, Foto: Jule Heyen
Am So., 10.10. begaben sich 21 Interessierte „Auf Vogelkiek für Beginner“: Karen Kammer erklärte anhand einer Kreide-Silhouette eines Vogels, auf welche Merkmale man beim Bestimmen achten kann/sollte: Angefangen von Schnabelform, Beine, Kopf, Gefieder, Flügel… Wenn es nur so einfach bliebe! Doch gerade beim Gefieder gibt es Unterschiede: Männchen/Weibchen (man denke an Stockente), Federkleid eines Jungvogels ist oft anders als der eines Altvogels (z.B. Möwen), dann gibt es noch Schlichtkleid und Prachtkleid… Neben diesen optischen Merkmalen kann man Vögel auch über den Gesang erkennen (einfach sind natürlich die, die ihren Namen rufen: Kuckuck, Zilpzalp – leider tun das nicht alle), ihre Verhaltensweisen (z.B. unseren kleinen Hektiker, den Sanderling, der vor den Wellen davonläuft) oder ihren bevorzugten Aufenthaltsort (lieber Strand wie der Sanderling oder Felsenküste = unsere Küstenschutzanlagen wie Steinwälzer oder Wattkante Ostende wie Alpenstrandläufer). Mit diesem Grundwissen ausgestattet, ging es einmal rund um den Westkopf, wo die anwesenden Vogelarten bestimmt und ihre Eigenarten vorgestellt wurden.
Montag 11.10. ging es trotz umzingelnder schwarzer Wolken auf „Wanderung durch den wilden Osten“. Der erste Schauer konnte noch in der Schutzhütte abgewehrt werden, der zweite erwischte die Wanderer am Ostende – allerdings wurde die Regenfeuchte mit einem wunderbaren, doppelten Regenbogen entlohnt. Unter fachkundigen Erklärungen von Reno Lottmann und Heinz Ideus konnte auf dem Weg zu Ostende das dramatische Schauspiel einer tieffliegenden, jagenden Rohrweihe und einem großen Schwarm aufgescheuchter Großer Brachvogel beobachtet werden, später kam noch ein Wanderfalke zum Jagen vorbei und sorgte für Tumult unter den rastenden Vögeln. Es dauerte eine ganze Weile, bis die Schwärme wieder zur Ruhe kamen. Ein riesiger Schwarm Alpenstrandläufer, vermischt mit Knutts und Sandregenpfeifern, gab mit bestimmt über 10.000 Tieren ein Flugspektakel – mal weißer Bauch, mal dunkler Rücken, der Anblick war zum Entzücken!

Wilder Osten mit Heinz Ideus und Reno Lottmann, Foto: Jule Heyen
Montag Abend wurde im Inselkino der Film „Atem des Meeres“ gezeigt – die Filmemacher spendierten die kompletten Einnahmen an das Nationalpark-Haus, auf eine Anregung des Inselkino-Betreibers Ralf Plate hin. Der Abend war eine Kooperation zwischen Inselkino, evangelisch-lutherischer Kirche und Nationalpark-Haus. Er begann mit einer kleinen Abendandacht von Pastorin Anna Henken, die vom Leben im Rhythmus von Ebbe und Flut erzählte und an eine Wattwanderung mit eine Uganda-Delegation erinnerte, bei der sich einer der Delegation nicht ins Watt traute. Er dachte an das Teilen des Wassers durch Mose in der Bibel und hatte Sorge, urplötzlich unterzugehen… Musikalisch umrahmt wurde die Andacht von einem kleinen, aber feinen Gästechor. Während des Filmes herrschte fast atemlose Stille – die Zuschauer:innen waren so gefesselt von den bildgewaltigen Aufnahmen, dass die anschließende Fragerunde an Nationalpark-Haus Leiterin Karen Kammer (kurz und bündig) ausfiel. Ein wirklich gelungener Abend, fanden alle Beteiligten, der nächstes Jahr seine Fortsetzung haben wird! Vielen Dank sagt das Nationalpark-Haus an alle Mitwirkenden für diese runde Veranstaltung!
Am Di, 12.10.21 luden Sabine und Hans-Hermann Hinrichs in der Oase zu einem von Gambia inspirierten, vegetarischem Kaffeetrinken ein. Es gab Erdnuss-Kuchen, Couscous als Nachspeise – sogar alles vegan und pure Gaumenschmeichler. Und: Die kompletten Einnahmen gehen als Spende ans Nationalpark-Hauses, Familie Hinrichs sei hiermit ein großes Dankeschön ausgesprochen! Physisch gestärkt, entführte Reno Lottmann die Gäste in das Land Gambia mit einem unterhaltsamen Vortrag und urlaubsreifen Bildern. Anschließend ging es auf Vogelexkursion und Anleitung von Heinz Ideus (Dünen- und Vogelwart des NLWKN), seiner FÖJlerin Nele Rogosin und Graugans Helga, die allen die Show stahl. Sie begleitete die Exkursion ab Spielteich bis zum Flughafen. Gesichtet wurden ein Grünschenkel, am Watteinstieg große Schwärme von Großen Brachvögeln, Pfuhlschnepfen, und einige Brand- und Ringelgänse. Der Regenschauer, den die Vogelbeobachter:innen erwischte, wurde durch einen wunderschönen Regenbogen wieder wett gemacht.

Vogelkiek nach dem Kaffetrinken mit Graugans HELGA, Foto: Karen Kammer

Am Watteinstieg mit Reno Lottmann, Foto: Karen Kammer
Am Mi., 13.10. gab es eine „Wattwanderung mit Flöten“ – eine kleine Truppe machte sich auf, um den grandiosen Leistungen der Zugvögel ein Ständchen zu bringen. Gespielt wurde von mitlaufenden sechs Flötist:innen „Alle Vögel sind schon da“, eine zweite Strophe wurde vom Publikum eingefordert. Auch die Vögel in der näheren Umgebung, Silbermöwen, schienen gespannt zu lauschen. Im Nachklang wurden verschiedene Vogelfußspuren und Nahrungstiere entdeckt und vorgestellt. Ein amselgroßer Knutt möchte gerne 700 Rote Bohnen (Muscheln) pro Niedrigwasser verspeisen! Das Gefressene wird als Speck am Brustbein eingelagert und dient für die nächsten 5.000 km als Flugbenzin…Hoffentlich hat unser Ständchen den Vögeln den richtigen Schwung verliehen!
Am Mi, 13.10. abends gab es „Wer zu spät kommt… - Vortrag von Reno Lottmann zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Zugvögel“. Der Vortrag wurde reichlich nachgefragt, leider konnten nur 25 Personen daran teilnehmen. Reno Lottmann zeigte zunächst die allgemeinen Veränderungen auf (Temperaturanstieg, Schmelzen des Packeises, Meeresspiegelanstieg) und bezog sich dann auf die gut untersuchten Auswirkungen auf eine Vogelart, den Knutt. Wenn dieser bei der Jungenaufzucht in Sibirien klimawandel-bedingt Schwierigkeiten bekommt (Insektenschwärme zu früh, Nachwuchs nicht ordentlich satt…), dann sind die jungen Knutts etwas leichter/kleiner in der Konstitution und haben kürzere Schnäbel, was ihnen später zum Verhängnis wird, da die zu findenden Muscheln in einer bestimmten Tiefe des Wattbodens eingegraben sind und sein Schnabel nicht mehr dorthin reicht…

Klimavortrag mit Reno Lottmann im Nationalpark-Haus, Foto: Karen Kammer
Am Do., 14.10. gab es erstmalig eine Mikro-Mini-Version des Inselwitz` zu den Zugvogeltagen: „Viecher, die auf Friesen starren. Zugvögel in Cartoons“. Fünf Teilnehmer:innen waren anwesend, von 12 bis 61 Jahren. Den Zeichner:innen gefiel der Cartoon-Crashkurs und es wird wohl auch nicht der letzte seiner Art gewesen sein.. Die kompletten Einnahmen des Zugvogeltage-Inselwitz kommen dem Nationalpark-Haus zugute. Herzlichen Dank für die finanzielle, aber auch lachmuskel-technische Unterstützung!
Am Fr., 15.10. wurde „Kenai und die hohen Dünen – eine aufregende Zugvogelgeschichte in bewegten Bildern“ (Autor: Reno Lottmann) von FÖJlerin Jule Heyen gezeigt und vorgelesen. Drei Kinder und zwei Erwachsene verfolgten den aufregenden Flug eines jungen Sanderlings namens Kenai, der sich nach Namibia durchschlägt und u.a. auf einer grauen Düne (Elefantenrücken) landet…
Am Sa. 16.10. nahm Wattführer Torsten Moschner 14 große und kleine Detektiv:innen mit zum „Tatort Watt“. Besonderes Augenmerk lag hier auf Spuren, die Vögel hinterlassen haben. Da konnten jede Menge Fußabdrücke, Reste von Speisen (entweder hinten heraus als weißer Klecks = Möwe oder als grünes Würstchen = Ringelgans bzw. vorne heraus: Muscheltrümmer in Form von Speiballen), aber auch Trampelkuhlen (Möwe läuft langsam trampelnd rückwärts durchs Watt, so dass vor den Füßen Nahrungstiere hochgespült werden und die Möwe sich nur noch bücken muss zum Fressen) entdeckt werden.
Am Sonntag fand die Auslosung der „Kleinen Rätselsafari Nomen est Omen um das Nationalpark-Haus“ statt. Die Zugvogeltage-Woche lang galt sechs Fragen zu Vögeln zu beantworten und aus einzelnen Lösungsworten den richtigen Spruch zu erraten: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“. Von 83 Teilnehmer:innen gab es 72 korrekte Lösungen, die in die Lostrommel kamen. Der glückliche Gewinner einer Wattwanderung für sich, seine Familie und Freunde lautet: Emil. Herzlichen Glückwunsch!
Erholsame Herbstferien auf unserer Insel wünscht das Nationalpark-Haus Team!
Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Jule Heyen, Karen Kammer
Quelle: Nationalpark-Haus Baltrum, Karen Kammer
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