Suche:
News

17.12.2020

Eine für alle


Über den Tellerrand

 

Auf Baltrum konnten jetzt die ersten Wohnungsbesichtigungen in dem von der Wohngenossenschaft Baltrum ab kommenden Jahres gepachteten "Haus Harms" im Westdorf durchgeführt werden – es geht also voran!

 

Und auch auf Spiekeroog hat sich eine Wohngenossenschaft gegründet – schön zu lesen, denn das alles gilt auch für unsere Insel und auch für unsere Genossenschaft, die gerne weitere Unterstützung vertragen kann:

 


"Eine für alle"

Neue Genossenschaft sagt „insularem Ausverkauf“ den Kampf an

 

Die Spiekerooger Genossenschaft eG hat sich Mitte November feierlich gegründet. Nach einer kurzen Video-Konferenz kamen alle 15 Gründungsmitglieder vor dem Rathaus zusammen, um anschließend einzeln im Ratssaal die Mitgliedsurkunde zu unterschreiben. Kirsten König vom Genossenschaftsverband Weser-Ems begleitete die Zeremonie. Anschließend ging's in die Kogge zur konstituierenden Ver-sammlung. Der Gründung einer Genossenschaft gingen jahrelange Diskussionen im Gemeinderat voraus, die allerdings trotz Einbindung von Experten von Land und Verbänden zu keinem greifbaren Ergebnis führten. Die Spiekerooger Genossenschaft eG ist nun auf Privatinitiative entstanden, treibende Kraft waren Patrick Kösters, früherer Bereichsleiter Tourismus der Nordseebad Spiekeroog GmbH, und Jochen Thomas (Inselzeit GmbH & Co. KG). 

Die Genossenschaft will ihren Mitgliedern den Ausbau von Dauerwohnraum ermöglichen sowie Gewerbeflächen für inhabergeführte Unternehmen unterstützen. Ausdrücklich geht es laut Satzung um die Verbesserung der sozialen Infrastruktur Spiekeroogs: Der Erhalt des insularen Lebens steht im Fokus. Und dabei dreht sich seit vielen Jahren im Prinzip immer alles um die Frage des bezahlbaren Wohnraums für Einheimische. 

 

Gegenstand des unternehmerischen Handelns der eG ist die Bewirtschaftung und Errichtung, der Erwerb und die Vermittlung sowie Betreuung von Wohnraum sowie die vorrangige Vermietung als bezahlbaren und arbeitgeberunabhängigen Dauerwohnraum an ihre Mitglieder. Inhabergeführtes Gewerbe soll durch Schaffung und Verpachtung von Gewerbeflächen nebst Wohnraum für die Mitarbeiter gefördert werden. Immobilien sollen zum Zwecke der Erweiterung des bestehenden Dauerwohnraumangebots veräußert werden. Erklärtes Ziel ist die Verlangsamung des „insularen Ausverkaufs“ durch dauerhafte Absicherung von Nutzungsfestlegungen bei genossenschaftlichen Immobilien. Anders als bei privaten Bauträgern wird der Wohnraum der Genossenschaft dauerhaft der Insel zur Verfügung stehen und dient nicht der privaten Vermögensbildung.

Die Wohnungen sollten vorrangig Personen mit dringendem Wohnungsbedarf, vor allem auf der Insel beruflich tätigen Personen und langjährigen Inselbewohnern zur Verfügung gestellt werden. Die Genossenschaft kann alle im Bereich der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, des Städtebaus und der Infrastruktur anfallenden Aufgaben übernehmen. Hierzu gehören Gemeinschaftsanlagen und Folgeeinrichtungen, Läden und Räume für Gewerbebetriebe, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Einrichtungen und Dienstleistungen.

 

Die 15 Gründungsmitglieder wählten die Genossen Patrick Kösters, Jochen Thomas, Eicke Germis, Friederike Goedecke und Alexander Basse in den Vorstand. Der Aufsichtsrat setzt sich aus Florian Fock, Martin Schwarzwälder, Ruben Franz, Maren Bruns und Jan-Siefke Dirks zusammen. Weitere Gründungsmitglieder sind Anna Rau, Heidi Eisengarten, Claudia Lauterjung, Christian Bechtle und Hartmut Brings.

Der Geschäftsanteil der Mitglieder beträgt 2000 Euro. Ein Mitglied – natürliche oder juristische Person – kann sich mit mehreren Geschäftsanteilen in die Genossenschaft einbringen. Die Genossenschaft ist bereits geschäftsfähig. Weitere Genossen können ab sofort aufgenommen werden. Die eG will nicht nur bedürftige Insulaner ansprechen, sondern explizit alle, die an einem intakten Inseldorf interessiert sind: „Gewerbetreibende, Zweitwohnungsbesitzer und sonstige Inselliebhaber“, so Patrick Kösters

 

Die Genossenschaft betont den engen Schulterschluss mit der Kommune. Spiekeroog hat in der 2021 ablaufenden Wahlperiode in puncto Wohnraum für Einheimische viel erreicht: Achter d'Diek hat die Gemeinde 16 Wohnungen errichtet. Der neue B-Plan sieht bei neu entstehenden Ferienwohnungen ab 120 Quadratmetern einen verpflichtenden Anteil von Dauerwohnraum von 30 Prozent vor. Die Genossenschaft kann zum Beispiel bei Maßnahmen im Bestand ohne Mitwirken der Kommune frei handeln. Anders sieht es bei Neubauprojekten wie zum Beispiel im seit über zehn Jahren diskutierten Bereich Achter d'Utkiek aus. Selbst für den Fall, dass die eG Bauland direkt pachten könnte, kommen die Genossen wegen der Bauleitplanung an der Gemeinde nicht vorbei. Dass die Genossen ihre Mitgliedschaft im Ratssaal besiegelten, ist daher mehr als nur eine Geste!

 

-------------------------------------------

Kontakt: www.spiekerooger-genossenschaft.de

 

 

Hartmut Brings

Spiekerooger Inselbote


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Foto: Spiekerooger Inselbote
Quelle: Hartmut Brings, Spiekerooger Inselbote