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26.04.2004
Deichschau v. 22.04.2004
Auch dieser Winter ist wieder sehr ruhig gewesen, stellten die Abgesandten vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft und Küstenschutz beim Rundgang über die Insel Baltrum vergangenen Donnerstag fest. Damit wachse statistisch betrachtet die Wahrscheinlichkeit einer größeren Sturmflut für die Zukunft.

Die Herren von der Gemeinde Baltrum mit denen des NLWK, Außenstelle Aurich, Norden und Baltrum am Standort der künftigen Aussichtsplattform "Willys Utkiek" beim Rundgang der diesjährigen Frühjahrsdeichschau, der über die Strandpromenade im Westen und Nordwesten, über den Strand bis im Osten zum Grassteedeich und weiter südwärts am Deich entlang wieder zum Hafen führte
Die Insel Baltrum ist gut gewappnet. Im Winter hat es keine Dünenabbrüche gegeben. Die einzige größere Hochwassermeldung war am 15. Dezember mit 1,75 Metern über dem normalen Hochwassermittel gewesen, berichtete Bürgermeister Günter Tjards. Das bedeutet für dieses Jahr für den NLWK normale Pflegearbeiten und keine außergewöhnlichen Reparaturarbeiten an Deich, Schutzdünen und Strandschutzwerken. Die begonnene Sanierung der Buhne J am Hauptstrandabgang verlaufe planmäßig.
Die Wege auf dem Höhenweg sind seitens der Gemeinde Baltrum pflichtgemäß eingezäunt worden. Bürgermeister Tjards zeigte den Standort des "Utkieks", der in diesem Jahr gebaut werden soll. Dazu werde man parallel zum Höhenweg eine behindertengerechte Rampe pflastern mit seitlicher Begrenzung durch Fußleisten. Zusätzlich werde es einen steileren Aufgang geben. Die Aussichtsplattform soll weit vorne am Rand der hohen Düne liegen und mit vier Pfählen als Unterkontruktion als eine Art Holzbrücke bgebaut werden. Die Spendenbereitschaft für das Projekt habe gezeigt, dass diese neue Attraktivität wohl gut angenommen werden wird. Der Gast wolle sich eben einen Überblick verschaffen, stimmte auch Hans Frohwitter vom NLWK, Außenstelle Norden, zu. Die ehemaligen Kronenwege seien auch auf den anderen Inseln durch vorgebildete Dünen nicht mehr auf der Höhe. Der Badarf nach Aussichtsplattfoprmen sei also gegeben, um die Besucherströme in die richtigen Bahnen zu lenken.
Über den Standort der Surfschule, die wegen des Umbaus der Buhne J in diesem Jahr umziehen muss, hat man sich einigen können. Sie wird in ihrem 25sten Jubiläumsjahr am Strand neben dem Kajakverleih stehen dürfen. Die Randdünen sind zu sichern. Dies sei im Pachtvertrag zugesichert, hieß es.
Der Strand ist momentan sehr schmal. Die Randdünen sind ebenfalls durch neue Zäune gesichert. Der Baltrumer Bauhof hat dazu erstmals Recyclingpfähle verwendet, was mit großem Interesse aufgenommen wurde. Südlich der Strandkorbabschnitte sind hohe Pfähle aufgestellt worden, um die südliche Grenze zu markieren. Die Körbe dürfen wegen der Überflutungsgefahr nicht zu dicht ans Wasser gestellt werden.
Mit großem Beifall sind die neuen Strandabgangsmarkierungen im Osten der Insel gewürdigt worden, die Betriebshofleiter Bruno Fecht von Baltrum entwickelt hat. Sie sind weithin sichtbar und kennzeichnen mit zwei schräg gestellten Balken die Abgänge wie in den Ortsplänen mit den unterschiedlichen Farben: grün für Fußwege, rot für Pferdewege und rot-grün für beides. Er wolle noch an jede Markierung die Entfernung zur nächsten anbringen lassen. Damit würden die Trampelpfade quer über die Randdünen weiter verringert werden können, hofft er. Das "Modell Baltrum" könnte man auch andere Inseln übertragen, freuten sich die Herren des NLWK.
Neue Schilder an den Randdünen könnte der NLWK nicht aufstellen, bedauerten die Herren indes: "Wir wissen noch nicht, wie wir nächstes Jahr heißen". Durch die Verwaltungsreform und dem Wegfall der Bezirksregierung als Mittelbehörde falle die Obere Deichbehörde weg. So könnte dies die vorletzte Deichschau auf Baltrum in dieser Form gewesen sein. Bei den staatlichen Deichen und Küstenschutzwerken wird man sich auf die Selbstkontrolle verlassen müssen. Die Anwesenden bedauerten dies, da nicht nur der Abbau der Stellen zum Tragen kommen werde. Man sei immer froh gewesen, wenn eine höhere Instanz die eigene "Betriebsblindheit" auch beispielsweise durch naturschutzfachliche Anbelange hinterfragt und natürlich durch das Lockermachen von finanziellen Mitteln den Rücken gestärkt habe.
In Niedersachsen sollen im Bereich Küstenschutz und Wasserwirtschaft insgesamt 6700 Stellen eingespart werden. Es werde eine neue Behörde eingerichtet, die Wasserwirtschaft und Naturschutz in einem Landesbetrieb vereinigen wird, hieß es.
Man habe die Deichschauen immer als sehr konstruktiv empfunden, war die einhellige Meinung aller Beteilgten. Bürgermeister Günter Tjards darf sich über den Einsatz einer Schrubberbürste freuen, die der NLWK bei der nächsten Deichmahd - die seiner Hoffnung nach früher im Jahr stattfinden möge als bisher - zur Kantenreinigung der Straßen einsetzen wolle. Dies habe sich als Nebenprodukt bei dieser Frühjahrsdeichschau auf Baltrum ergeben.
Sabine Hinrichs
Foto Hinrichs
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