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17.05.2019

Mein Freund Harvey


Mein Freund Harvey wieder bei der Inselbühne Baltrum


Es ist beinahe schon Tradition, dass die Inselbühne Baltrum „Mein Freund Harvey“ zur Aufführung bringt. Die zeitlichen Abstände variieren, es liegen oft Jahrzehnte dazwischen, und jedes Mal ist es wieder ganz neu und ganz anders als das Mal zuvor. Dies macht den Reiz für das Publikum wie für die Mitwirkenden aus. Die feinsinnige Geschichte, die Mary Chase bereits 1944 veröffentlichte, wurde nun von Beate Metz neu in Szene gesetzt. Sie hat gut gearbeitet und den Schauspierinnen und Schauspielern alles an Kunst und Verwandlung entlockt, von der manch Eine/r nicht einmal wusste, dass sie in ihr/ihm steckt.
Sinja Klünder spielte am Mittwoch, dem 15. Mai 2019 bei der Premiere im Haus des Gastes mit Freude und Leichtigkeit die junge Tochter des Hauses, Myrtle Mae, und gab ihr Debut als talentierte Schauspielerin. Sie ist die Enkelin des Kultur- und Sportvereins- wie Inselbühnengründers Wilhelm Klünder, der lange Jahre dem Niedersächschen Amateurtheaterverband vorstand. Ihre Mutter Veta Louise Simmons wird von der Grande Dame des Baltrumer Theaters gegeben: Gesa Puls, herrlich theatralisch, wie es die Rolle vorgibt. Sie leben zusammen im Hause des Bruders Elwood P. Dowd. Denis Metz spielt den vermeintlich sonderbaren Herrn mit tiefem Gespür für die feinen Nuancen und stets mit leichter Heiterkeit. Er hat einen nur für ihn sichtbaren großen weißen Hasen an seiner Seite, der mit ihm lebt – und zum Leidwesen von Nichte Myrtle Mae und Schwester Veta also auch mit ihnen. Sie hätten kein gesellschaftliches Leben mehr, überhaupt kein Leben, beklagen sie sich, und Veta entschließt sich, ihren Bruder in ein Sanatorium einweisen zu lassen.
Dieses wird geleitet von dem schnell aufbrausenden und überschäumenden Dr. William Chumley. Paraderolle für Torsten Moschner, der den hin- und hergerissenen Psychiater mit irrsinniger Verrücktheit daherpoltert. Denn Oberschwester Miss Kelly, reizend und energisch dargestellt von Beate Metz, und Dr. Lymon Sanderson, mit sanftem Wesen und lässiger Unentschlossenheit präsentiert von Marc Gloystein, scheinen etwas abgelenkt, weshalb ihnen das Missgeschick passiert war, die Schwester statt den Bruder zur Behandlung in das Sanatorium aufzunehmen. Pfleger Marvin Wilson wächst über sich hinaus, um allen alles recht zu machen. Markus Neumann bringt spannungsgeladene Energie auf die Bühne, und in der Geschichte einiges durcheinander. Daran kann auch Anwältin Barbara Gaffney nichts zurechtrücken. Eva Friedrich schlüpft hübsch in die Rolle der resoluten Juristin, der es letztlich aber egal ist, wie die Angelegenheit ausgeht. Eine Bridgepartie sei schließlich wichtiger als ein großer weißer Hase.
Nach der Pause ist das Ensemble angehalten, das tolle Tempo und die große Spannung nicht zu verlieren – ein häufiges Phänomen bei Bühnenstücken, vor dem auch die Inselbühne nicht gefeit ist. In diesem Falle gibt es für das Publikum eine kleine Atempause, in der sich Harvey nach vorne spielen darf. Der große weiße Hase ergreift die Gelegenheit und wird so für den einen oder anderen sichtbar….
Ob das so bleiben wird, und vor allem, ob Elwood seinen Hasen behalten darf, das entspringt letztlich einem Zufall. Denn als Taxifahrerin E.J. Lofgreen alias Vera van Lier mit großer Entschlossenheit die Bühne betritt, wird die entscheidende Wirklichkeit ans Licht gebracht: Sind Träume und Vorstellungen nicht ebenso Teil des Lebens wie die „Wirklichkeit"?
Tante Ethel Chauvenet (Bärbel Nannen, auch für die Maske zuständig) und Mrs. Betty Chumley (Sabine Hinrichs) setzen mit ihren kurzen Auftritten ein paar schöne Farbtupfer in die Szene, die von einem patenten Bühnenbild gerahmt wird. Denis Metz und Torsten Moschner haben die an und für sich ruck-zuck vom Wohn- zum Sprechstundenzimmer umzubauende Kulisse entworfen und gebaut. Mit schöner Farbgebung, die von den Technikern Stephan Moschner und Manuel Utri ins rechte Licht gesetzt wird, wirken die von Grace Lüppen ausgesuchten und geschneiderten Kostüme bzw. ihre Trägerinnen und Träger davor erquickend frisch und spielen zugleich den Zeitgeist der Entstehung des Stückes aus.
Eine rundum gelungene Vorstellung und Premiere also, bei der Souffleuse Anja Linn nicht viel zu tun hatte, und auf die Regisseurin Beate Metz zu recht stolz sein darf.
Weitere Aufführungstermine sind am 5. Juni, 26. Juni, 17. Juli, 7. August, 28. August, 18. September, 9. Oktober und am 30. Oktober 2019. Karten gibt es im Vorverkauf jeweils ab dem Donnerstag eine Woche vorher in der Schatzinsel bei Familie Ulrichs oder an der Abenkasse im Haus des Gastes jeweils ab 20 Uhr. Beginn ist um 20:30 Uhr.

 

Foto:
Denis Metz, Gesa Puls, Bärbel Nannen und Sinja Klünder in „Mein Freund Harvy"


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Foto: Hinrichs