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29.01.2017

Winterloch - das Bild zum Sonntag


Es hätte so schön sein können.
2017 hatte eigentlich ganz gut angefangen - nach der kleinen Weihnachts-/Silvestersaison mit Markt und Festen und Feiern brach man froh gelaunt in das neue Jahr auf. Die Buchungen für die Saison liefen ganz gut an, die eigenen Urlaube waren geplant, man muckelte sich in den Winter ein oder freute sich aufs Renovieren und dachte an nichts Böses. Eine kleine Unterschriftenaktion bringt dem einen oder anderen vielleicht derzeit nahe, dass man sich auch noch um die Zukunft der Fährverbindung Gedanken oder besser Sorgen zu machen habe, und/weil von der Politik derzeit nichts Ernsthaftes verlautbart wird... Und dann sowas: "Zum 1. Dezember schließt die Sparkasse Aurich-Norden ihre Baltrumer Filiale"!
Freilich - es hätte einem schwanen müssen, als die Sparkasse vor ein paar Jahren ihr Gebäude verkaufte und nur den Schalterraum vorne zur Straße hin zur Pacht behielt. Aber da hatte die andere Bank, die Raiffeisen-Volksbank Fresena es schon vorgemacht - das alte Haus verkauft, in ein neues mit modernem Schalterraum eingezogen, den Betrieb sehr nett und sehr charmant und sehr tideabhängig umgestaltet... Der Vollständigkeit halber: Auch eine Postbank gibt es auf Baltrum... ja, ja, aber - nämlich wie die Post insgesamt abgebaut und ihren Schalter in eine Bäckerei verlagert hat, das gibt es nicht nur auf Baltrum.
Es ist nicht nur schade für den Mitarbeiter. Es ist wieder ein Stück Baltrum weniger. Ein Stück Inselkultur, die sich um Junge wie Alte kümmert, die miteinander ins Gespräch kommt, wo Sorgen - besonders wenn es sich um Finanzen handelt - genommen werden können. Was ist mit denjenigen, die kein Online-Banking mögen, die schlecht hören und ihre Bankgeschäfte nicht per Telefon erledigen wollen, die schlecht sehen und die Formulare am PC nicht ausfüllen können? - Kein Problem, sagt die Bank. Alles barrierefrei... Mag sein. Ein Automat für die Kontoauszüge, ein Automat zum Geldabholen, ein Automat zum Geldeinzahlen. Soll wohl funktionieren.
Die Baltrumer werden halt lernen müssen langfristiger zu planen, z. B. beim Bedenken von ausreichendem Wechselgeld für das "spontane" Inselfest, was für den einen oder anderen eine Herausforderung sein wird. Vorbei auch die schöne Vorstellung vom gespielten Witz, den der Baltrumer Filialleiter so trefflich zu schildern vermag: wie am Freitag und Samstag Massen an Gästen zum Schalter (bzw. Automaten) strömen, um das Geld für die fällige Unterkunftsabrechnung abzuholen, und wie Scharen von Vermietern am Montag in die Bank spazieren, um genau dieses dorthin wieder abzuliefern...
(wer wird eigentlich den Automaten am Wochenende wieder auffüllen?)
Dass die Sparkasse unsere Konten aber nach Dornum umziehen lassen will, das ist schon noch wieder ein anderes Ding. Was - bitte schön - haben wir mit Dornum zu tun? Außer dem Hafenzweckverband und ein paar EU-geförderte Alibi-Gemeinschaften eigentlich nichts. Es gibt nicht einmal eine ordentliche öffentliche Verkehrsanbindung dorthin. Einheitsgemeinden sind nur am Festland schick, und auch wenn ein paar vereinzelte Hoffnungen derzeit zur großen Inselkommune aller Sieben hinstreben - wer will uns denn haben???
Service-Wüste Baltrum.
Wir können nicht alles aus eigener Kraft aufrecht erhalten - oder? Wir leisten uns eine subventionierte Apotheke! Wir zahlen eine halbe Pastorenstelle! Wir fangen mittels enormer ehrenamtlicher und finanzieller Einsätze Spielplätze, Jugend- und Sportmöglichkeiten, Kurgärten, Kunst- und Kulturangebote auf.... alles gut. Aber: Warum entscheiden denn solche Institutionen wie die Sparkasse, dass es sich auf Baltrum nicht mehr lohnt?
Wer das eine will, muss das andere mögen - mal ganz plakativ. Wenn wir uns im Winter einmuckeln wollen, sprich wenn wir nicht bereit sind, die Saison zu verlängern - wird es sich nicht lohnen. Für keinen, nicht für die Jugend, nicht für die arbeitende Bevölkerung, nicht für Mitarbeiter, nicht für die Selbständigen, nicht für die Alten. Wir (bzw. einige Ratspolitiker damals) haben vor vielen Jahren die bauliche und damit konjunkturelle Selbstbeschränkung und das Dasein als kleines Dorf beschlossen. Damit konnten wir bislang gut leben - aber jetzt gilt es, neue Perspektiven zu entwickeln. Es reicht nicht, wenn der eine oder andere allein damit anfängt, das geht nur zusammen. Irgendwann werden sonst auch die Supermärkte im Winter nicht mehr tragbar sein. Wir müssen Sorge tragen, dass es uns gut geht, und dass unsere Jugendlichen vielerlei Möglichkeiten haben und unsere Senioren eine sichere Heimat. Das würde sich lohnen! "Change" - heißt andernorts das Zauberwort.
Meckern gilt nicht.

 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Foto: Hinrichs


Baltrum-Online.de ist ein werbefreies und unabhängiges Angebot. Wir berichten ehrenamtlich und frei über die Insel Baltrum und stehen in keinerlei Verbindung zur Gemeinde Baltrum.

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