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19.12.2016

Seehundzählung 2016


Seehundbestände erreichen womöglich Grenzen des Wachstums

Wilhelmshaven, 19. Dezember 2016

Die Seehundbestände im Wattenmeer sind 2016 stabil geblieben. Nach Expertenmeinung könne der leichte Rückgang der Zahlen signalisieren, dass die Grenzen des Wachstums des Gesamtbestandes der Region erreicht worden ist. Ein weiterer Grund für den Rückgang könne eine Verschiebung der Alters- und Geschlechtsstruktur aufgrund des Influenza-H10N7-Viruses („Grippevirus“) sein, der im Herbst und Winter 2014/2015 zu einer Anhäufung von Totfunden führte. Das sind die Resultate der diesjährigen Zählungen der Seehundbestände, die jährlich von der Trilateralen Seehundexpertengruppe (Trilateral Seal Expert Group - TSEG) koordiniert wird und die gesamte Region des Weltnaturerbes Wattenmeer in Dänemark, Deutschland und den Niederlanden abdeckt.

„Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass die aktuelle Stagnation und das verlangsamte Wachstum aus dem letzten Jahr Ergebnisse einer natürlichen Fluktuation sind, denn seit der letzten großen Tierseuche von 2002 sind die Seehundbestände stetig gestiegen, sodass die natürliche Tragfähigkeit erreicht sein könnte“, sagt Lasse Fast Jensen, Vorsitzender der TSEG. Die Zählungen werden traditionell im August, während der Fellwechselperiode und den damit verbundenen häufigeren Landaufenthalten der Tiere, durchgeführt. Während des Fellwechsels in August 2016 wurden 2.150 Seehunde in Dänemark verzeichnet, Schleswig-Holstein zählte 6.592 und 8.160 wurden in den Niederlanden gesichtet. Aufgrund ungünstiger Wetterverhältnisse konnten die Expertenteams in Niedersachsen und Hamburg ihre Zählungen nicht während des Fellwechsels durchführen. Stattdessen wurde die Zahl der ausgewachsenen Seehunde von 7.437 Tieren, die während der Jungtierzählung in diesem Jahr aufgezeichnet wurden, als Indikation genutzt. Die Entwicklung der Seehundbestände variiert zwischen den Regionen: Während Dänemark und Schleswig-Holstein einen signifikanten Rückgang von je 25% und 21% im Vergleich zum Vorjahr vernahmen, blieben die Bestände in Niedersachsen und Hamburg stabil und in den Niederlanden wurden 6% mehr Tiere gezählt. Die Ergebnisse decken sich mit dem im Vorjahr verzeichneten Trend, als in Dänemark und Schleswig-Holstein ein Rückgang von je 25% und 10% gezählt wurde und in den Niederlanden ein Zuwachs von 8%.

Diesem Trend folgend wurden im Juni 2016 mit 7.566 Welpen 11% weniger neugeborene Jungtiere im Wattenmeer gezählt als im Rekordjahr 2015, das die höchste Zahl seit 1975 verzeichnete. „Die zurückgehende Zahlen von Jungtieren könnten ein weiteres Indiz der natürlichen Fluktuation eines gesunden Bestandes sein“, erklärt Jensen: „Eine alternative Ursache könnte aber auch der Grippevirus sein, der 2014-2015 zahlreiche Seehunde befiel und die Alters- und Geschlechtsstruktur des Bestandes geändert haben könnte. Um diese und weitere mögliche Ursachen zu ergründen, werden wir unsere Überwachung der Seehunde im Wattenmeer weiterführen und vertiefen.“

„Die Seehundbestände sind ein wichtiger Indikator für den Erfolg der trilateralen Zusammenarbeit zum Schutz des Wattenmeers“, so Rüdiger Strempel, Sekretär des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats (CWSS) in Wilhelmshaven: „In dem letzten Jahrzehnt haben sich die Bestände im Wattenmeer verdoppelt. Jetzt müssen wir gewährleisten dass die Seehundzahlen stabil bleiben und ein vorteilhafter Bestandschutz gesichert ist.“

Seehunde sind eine der prominentesten der 10.000 Arten, die im Wattenmeer zu finden sind und einer der zahlreichen Gründe, warum das Gebiet 2009 zum Weltnaturerbe ernannt wurde. Die Luftzählungen der Seehunde werden seit 1975 jährlich im dänischen, deutschen und niederländischen Wattenmeer durchgeführt. Die Trilateralen Seehundexpertengruppe (Trilateral Seal Expert Group - TSEG) ist Teil der Trilateralen Wattenmeer-Zusammenarbeit. Die TSEG koordiniert die Zählungen und harmonisiert die aus allen Teilen des Wattenmeers stammenden Werte. Seehunde stehen im Wattenmeer unter besonderem Schutz und werden kontinuierlich überwacht im Rahmen des Wattenmeer-Seehundabkommens (Agreement on the Conservation of Seals in the Wadden Sea; WSSA) unter der Schirmherrschaft des UN-Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden Tierarten (CMS). WSSA war das erste Tochterabkommen unter dem CMS. Das CWSS fungiert als Sekretariat des WSSA.

Der vollständige Bericht ist als Download verfügbar unter www.waddensea-secretariat.org/monitoring-tmap/topics/marine-mammals

Link -> Bericht als Download

 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Foto: Anders Galatius
Quelle: Common Wadden Sea Secretariat


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