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17.05.2013
Seehunde sind keine Kuscheltiere
Wurf- und Säugezeit hat begonnen - Abstand halten ist oberstes Gebot - Raubtiere nicht unterschätzen
Im Nationalpark Wattenmeer werden seit Anfang Mai die ersten Seehunde geboren und gesäugt. In dieser Zeit sind die Tiere besonders aufmerksam und störungsempfindlich. Um sie zu schützen, dürfen die Seehundbänke im Nationalpark - ganzjährig - nicht betreten werden. Auch von der Seeseite her, also mit Booten oder Schiffen, muss ausreichend Abstand gehalten werden. "Aus angemessener Distanz und am besten unter fachkundiger Führung können die Wildtiere ohne Gefahr und ohne sie zu stören beobachtet werden", erklärt Nationalpark-Leiter Peter Südbeck. "Dabei muss jedoch im Bewusstsein bleiben, dass ein Nationalpark ein Schutzgebiet für Wildtiere ist und kein Streichelzoo."
Niemand, dem seine Gesundheit lieb ist, käme auf die Idee, sich einem größeren Landsäugetier oder dessen Nachwuchs anzunähern, sei es ein Wolf oder Bär in Deutschland oder ein Elefant oder Löwe in der Serengeti. Als Meeressäuger sind Seehunde an Land bei weitem nicht so mobil, aber mit ihrem eindrucksvollen Gebiss ebenso wehrhaft. In der Regel fliehen sie zwar eher, als dass sie angreifen, doch gerade Muttertiere sollte man nicht unterschätzen.
Seehund-Mütter passen gut auf ihre Jungen auf, die Bindung ist in der Säugezeit sehr eng. Durch "Heulen", das ähnlich klingt wie das Weinen eines Kindes, halten die Jungtiere Kontakt zur Mutter, wenn sie zum Fischen unterwegs ist. Trotzdem kann es passieren, dass ein "Heuler" seine Mutter verliert und allein am Strand liegt. Wer solch ein Jungtier entdeckt, sollte unbedingt großen Abstand halten (mehrere hundert Meter - auf keinen Fall annähern oder gar anfassen!). Gleiches gilt für halbwüchsige oder erwachsene Tiere, die - auch zu anderen Jahreszeiten - auffallend reglos am Strand liegen und möglicherweise erkrankt, verletzt oder einfach erschöpft sind und Ruhe brauchen.
Erst wenn berechtigter Verdacht besteht, dass das Junge wirklich verlassen ist, weil es über viele Stunden allein am Strand liegt, sollte die Seehundstation Norddeich (Tel. 04931-8919) oder die Nationalparkverwaltung (04421-911-0) benachrichtigt werden. Der vor Ort zuständige, speziell geschulte und staatlich bestellte Wattenjagdaufseher wird von dort informiert und sich um alles Weitere kümmern.
In diesem Zusammenhang weist die Nationalparkverwaltung erneut auf die strikte, ganzjährige Anleinpflicht für Hunde im Schutzgebiet hin. Leider kam es in letzter Zeit wiederholt zu Übergriffen durch freilaufende Hunde auf Robben, die an Land einem Hund nicht entfliehen können. In vereinzelten Fällen wurden Seehunde schwer verletzt oder sogar tot gebissen. Nicht nur Dr. Peter Lienau, Leiter der Seehundstation Nationalpark-Haus Norddeich, ist darüber fassungslos. "Es ist unbegreiflich, dass einzelne Hundehalter, die sich selbst für tierlieb halten, durch achtloses, fahrlässiges Verhalten solche Vorfälle verschulden."
Seit ihr Lebensraum durch die Nationalparks in Niedersachsen und den angrenzenden Küstenländern durch Nationalparks geschützt ist, hat sich der Bestand der Seehunde im Wattenmeer stabilisiert. Die Chancen, diesem Wildtier an Deutschlands Küsten persönlich zu begegnen, sind dadurch sehr groß. Durch umsichtiges Verhalten können alle dazu beitragen, dass das so bleibt.
Bei zertifizierten Nationalpark-Erlebnisfahrten kann man Seehunde in freier Wildbahn erleben, ohne sie zu stören, und gleichzeitig Wissenswertes über die faszinierenden Meeressäuger erfahren. Angebote unter www.nationalpark-wattenmeer-erleben.de www.nationalpark-partner-wattenmeer-nds.de/natur-erlebnis.
Begegnungen aus nächster Nähe ermöglicht ein Besuch im Nationalparkhaus Seehundstation Norddeich www.nationalparkhaus-wattenmeer.de/norddeich
Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer
Die Baltrumer Jägerschaft hat dazu neulich ein Plakat veröffentlicht:

Link
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Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Hinrichs
Quelle: Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer, Baltrumer Jägerschaft
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