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12.01.2006

Küstenschutz im Modellversuch


Einer Einladung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) folgend trafen sich Mitglieder des Gemeinderates Baltrum sowie dem Bürgermeister der Insel Günter Tjards mit Vertretern des NLWKN am Mittwoch, dem 11. Januar 2006 in Braunschweig: Dort ist seit den Tagen vor Weihnachten ein Modell der Baltrumer Strandmauer im Maßstab 1:10 im Wellenkanal des Lichtweiß-Institutes der Technischen Universität Braunschweig aufgebaut.


"Analoger" Modellversuch: Modernste Wellenmaschinen stellen Bedingungen wie sie in der Natur vorkommen nach. Im 90 Meter langen Wellenkanal werden die Wellen aufgebaut, wie sie an die Baltrumer Strandmauer auftreffen. Deckwerk, Wandelbahn und die abschließende Mauer (rot) sind im Verhältnis 1:10 aufgebaut. Messgeräte messen Wellenauflauf, Druck und überlaufende Wassermengen.
Der Leiter des Lichtweiß-Institutes LWI Prof. Dr. Dipl.-Ing Hocine Oumeraci (l.) im Gespräch mit Frank Thorenz vom NLWKN, daneben Harm Olchers, Peter Janssen und Heinz-Jürgen Küper von Baltrum, Reiner Ukena (NLWKN), Günter Tjards und Markus Brühl (LWI), (von rechts nach links) sowie hinten Dr. Dipl-Ing. Andreas Kortenhaus (l.) und Thomas Pachlow sowie ein weiterer Mitarbeiter des LWI, die Aufbau und Aufführung überwachen und die Messergebnisse auswerten.


Frank Thorenz, Leiter der Betriebsstelle Norden des NLWKN, wies auf die essentielle Bedeutung der Strandmauer mitsamt Deckwerk und Buhnen seit den Anfängen des Küstenschutzes im 19. Jahrhundert hin und gab einen Überblick über die Entwicklungsgeschichte. Es hat sich herausgestellt, dass die bestehende Mauer von 1973 den Anforderungen bei den künftig zu vermutenden Stürmen nicht stand halten würde und ein "Sicherheitsdefizit" bestehe. Am Baltrumer Westkopf herrscht eine negative Strandbilanz, Buhnen und Deckwerk halten die Insel im Westen dort, wo sie seit 1874 durch das erste Dünendeckwerk und einem Pfahllängswerk mehr oder weniger fest gelegt wurde. Das Alte Deckwerk und einige der Buhnen sind in den vergangenen Jahren saniert worden, bzw. die Buhne K am Badestrand wird in diesem Jahr instand gesetzt.
Dass das so genannte S-Profil oder "Norderneyer Profil" ganz im Westen sanierungsbedürftig ist, ist seit einigen Jahren augenfällig. Nun will man mit modernster Messtechnik und neuen Untersuchungsmethoden berechnen, welche Baumaßnahmen ergriffen werden müssen.

Dazu haben die Mitarbeiter des Lichtweiß-Institutes unter der Leitung von Dr. Dipl.-Ing. Andreas Kortenhaus in der Wasserbauhalle ein Modell gebaut: Zunächst für die Strandmauer am Nordstrand, in den kommenden Wochen werden Stücke des Westkopfes Baltrums untersucht. Strandmauer und Deckwerk werden verschiedenen Wasser- und Wellenständen ausgesetzt und die Belastung gemessen.
Dass die Strandmauer einer Sturmflut unter den Bedingungen ähnlich wie 1962 nicht standhalten und das Westdorf überfluten würde, war für die Baltrumer Anwesenden in dem vorgeführten Ausmaße dann doch überraschend.



Autor: Sabine Hinrichs
Foto : Hinrichs

 

 

 

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