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17.01.2018
Zugvogel-Countdown I.
Vom 13. bis zum 21. Oktober 2018 finden zum 10. Mal die Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer statt. Anlässlich dieses Jubiläums wird in einem „Zugvogel-Countdown“ von Januar bis Oktober jeden Monat eine typische Zugvogelart des Wattenmeeres vorgestellt.
Strandpieper – Salzwiesenbewohner mit Sinn für Feinkost
von Thorsten Krüger
Wer in den Wintermonaten an die Küste fährt, hat gute Chancen, einen „heimlichen Star“ unter den vielen Zugvogelarten des Nationalparks „Niedersächsisches Wattenmeer“ zu Gesicht zu bekommen: den Strandpieper. Für eine Besonderheit kommt die Art allerdings in recht schlichtem Federkleid daher und lebt überdies ziemlich verborgen. Der etwa bachstelzengroße Vogel ist oberseits einfarbig braungrau gefärbt und die eigentlich helle Unterseite des Gefieders ist mit einer dichten, verwaschen braun-grauen Strichelung versehen. Eine gute Tarnung für einen Vogel, der an den felsigen Küsten Skandinaviens zu Hause ist und in Felshöhlungen auf Seetang brütet.
Sein schlanker, spitz zulaufender Schnabel verrät, dass er sich überwiegend von kleinen Tieren ernährt. Alljährlich im Herbst macht sich der Strandpieper auf den Weg Richtung Wattenmeer, denn im immer kälter und dunkler werdenden Brutareal gibt es für ihn nichts mehr zu holen. Im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer hingegen findet der Strandpieper auch im Winter noch ausreichend Nahrung, jedoch nicht dort, wo man ihn wegen seines deutschen Namens vermuten würde, sondern vor allem in naturnahen Salzwiesen. Hier suchen die Pieper nach Flohkrebsen, besonders gerne an der Wattkante sowie an Rändern von Prielen, sobald diese von Prielrandflora der unteren Salzwiese flankiert werden. Damit ist der Strandpieper etwas Besonderes: Ein Singvogel, der in Prielen kleine Krebse sucht, das ist einzigartig im gesamten Nationalpark. Die Salzwiesen müssen allerdings in jedem Fall unbeweidet sein, damit die Pieper in ihnen Nahrung finden. Nur dann bieten sie den Vögeln Schutz vor Feinden, wie z. B. Merlin und Kornweihe, und in den natürlichen Prielen den Krebsen gute Lebensbedingungen.
Der Strandpieper ist aus einem weiteren Grund ein besonderer Gast: Er ist die einzige Brutvogelart Nordeuropas, die in keiner anderen Region brütet. Für die Vögel dieser sogenannten fennoskandischen Population stellt das Wattenmeer das wichtigste Überwinterungsgebiet dar. Dabei ist es innerhalb von Deutschland vor allem das niedersächsische Wattenmeer, das die meisten Strandpieper aufnimmt. Eine neue Studie hat ergeben, dass es etwa 12.000 bis 15.000 Individuen sein dürften, die sich in den naturbelassenen Salzwiesen des Nationalparks aufhalten. Allein auf Borkum und Spiekeroog wurden über 1.800 Strandpieper gezählt.
Ihr verborgenes Leben in den Salzwiesen bringt es mit sich, dass man Strandpieper nur selten sieht. Am ehesten bekommt man etwas von ihrer Anwesenheit mit, wenn sie fliegend Ortswechsel vornehmen oder durch einen Greifvogel aufgescheucht werden. Dann rufen sie oft laut und deutlich „piiest, piiest“ – freilich ein Laut, der wohl nur dem geübten Ohr auffällt. Wenn hoch auflaufendes Wasser die Salzwiesen überflutet, werden die sich dort aufhaltenden Strandpieper gewissermaßen herausgedrückt, bis an die Deiche, wo sie dann gut zu beobachten sind. Darüber hinaus gibt es immer wieder einzelne Strandpieper, die sich an Hafenbecken aufhalten und dort mitunter völlig frei auf Buhnen oder Dalben sitzen. Nicht selten suchen sie auch salzwiesennahe, winters leerstehende Campingplätze auf. Dann haben die vielen Ornithologie-Interessierten gute Chancen, sie bei der Nahrungssuche oder beim Bad in einer Regenwasserpfütze zu studieren.
Pünktlich zu den 10. Zugvogeltagen im Oktober sind die Strandpieper wieder da und können auf den geführten Exkursionen als nationalparktypische Vogelart erlebt werden, die in besonderer Weise für die natürliche Dynamik des Gebietes steht.
Thorsten Krüger ist Ornithologe und Mitarbeiter an der Staatlichen Vogelschutzwarte am Standort Oldenburg.
Autor: Sabine Hinrichs
Foto: Thorsten Krüger
Quelle: Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer
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