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06.01.2009

Laway auf Baltrum


Das Jahr hat gut begonnen. Nicht nur, dass das Wetter so schön mitspielte, dass es ein frisches Anbaden gab, dass alle gesund und munter geblieben sind... die Baltrumer und deren Gäste durften sich auch über ein ganz besonderes Konzert in der ev. Kirche freuen: Am Sonnabend, dem 3. Januar 2009 sang und spielte die Ostfriesische Folkgruppe Laway auf der Insel. Die Barden waren zum ersten Mal auf der kleinsten Ostfriesischen Insel - und bestimmt nicht zum letzten Mal. Das haben sie zumindest beim Abschied versprochen.



Die Kirche war voll, die Stimmung großartig, der Klang gut und das Konzert klasse. Ein richtiges Folkkonzert, wie man es von früher kennt, mit alten und neuen Klängen, urtümlichen und modernen Instrumenten, Gesang von Liebe und Allerley, Texte von gestern und heute. Und wie es zu einer Folkband gehört, und zu dem Gruppennamen "Laway" sowieso, spielte auch etwas Gesellschaftskritik mit in das Konzert hinein - ohne dass dies in irgendeiner Weise in der Kirche gestört hätte. Da die Baltrumer und die Wintergäste nicht zuletzt wegen Inselpastorin Hedwig Friebes plattdütschke Oldjahrsabendkark der ostfriesischen Sprache durchaus mächtig sind oder zumindest deren Klang noch im Ohr hatten, musste Gerd Brand nur das Nötigste übersetzten. Moi wees dat.
Die Folkgruppe Lawy kommt seit einigen Wintern in die schönen alten Kirchen der Region und erfüllt diese ganz besonderen Räume mit Musik. Am Sonnabend, dem 3. Januar haben die Ostfriesen einen Abstecher nach Baltrum gemacht. Es gab neue und alte plattdeutsche Lieder zur Winter- und Weihnachtszeit und wunderschöne und zugleich mitreißende Instrumentalmusik auf Flöten, Geigen, Cistern, Handharmonika, Concertina und Gitarren. Es gab also auch viel zu sehen und zu bestaunen.



Die Gruppe um den Liedermacher Gerd Ballou Brandt aus Neustadtgödens hat sich in den letzten zehn Jahren zu der plattdeutschen Folkband in Norddeutschland entwickelt. Sie wurde ausgezeichnet mit vielen Kulturpreisen, darunter der Bad Bevensen Preis 2003, dem plattdeutschen Grammy und erst jüngst für die neue CD „Seils ut Sülver", die vom deutschen Weltmusikblatt Folker zur CD des Monats erkoren und als besonders herausragende Produktion des letzten Sommers bezeichnet wurde.
Winterleed ist ein musikalischer Streifzug durch die Zeit um den Jahreswechsel mit Adventszeits-, Weihnachts- und Winterliedern. Da erklingt z.B. das älteste überlieferte ostfriesische Weihnachtslied „En Kind is uns geboren huidt" aus vorreformatorischer Zeit um 1500 und eine alte plattdeutsch-lateinische Version von „In Dulci Jubilo". Daneben gab es Winterlieder aus Skandinavien, Irland, England und den Niederlanden, die Laway wiederentdeckt, ins ostfriesische Platt übertragen und neu interpretiert hat. In diesem Jahr standen natürlich auch Lieder und Instrumentalstücke von der neuen CD „Seils ut Sülver" auf dem Programm, die jede Menge Seefahrerromantik, Abenteuerlust, Fernweh und Lebensfreude transportieren, gleichermaßen aber auch Abschied, Tod und schmerzlichen Verlust.
Neben Gerd Brandt gehören Petra Fuchs (Schortens), Jörg Fröse (Leezdorf) und Tilo Helfensteller (Rhauderfehn) zum erfolgreichen Folkensemble, das mit seinem friesich-keltischen Musikmix im Sommer 2008 auch bei den Störtebeker-Festspielen in Marienhafe fast 25.000 Besucher begeisterte.



Laway (dt. Aufstand), übrigens, werden die wilden Streiks der Deicharbeiter im 18. und 19. Jahrhundert bezeichnet, sagt Wikipedia. Oft wurde schon wenige Wochen nach Baubeginn die Laway-Fahne als äußere Zeichen solcher Arbeitsniederlegungen aufgezogen. Ursachen waren die harten Arbeitsbedingungen (12-14 Stunden täglich an sechs Arbeitstagen in der Woche), mangelhafte Unterkünfte und teure Verpflegung. Da für den Deichbau an der Nordsee nur wenige Monate im Sommer genutzt werden konnten, standen die Auftraggeber unter starkem Zeitdruck. Durch diesen Umstand hatten die Streikenden häufig gute Chancen, Lohnzugeständnisse zu erreichen.

 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Hinrichs
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