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04.09.2019

Eine Tide verändert die Welt!


Lukas Terhechte und Sikko Tammena produzieren Film im FÖJ

 

Ostfriesischer Kurier 31. August 2019

 

Dornumersiel/cwa – Filme und Dokumentationen über das Wattenmeer gibt es zuhauf. Doch die jetzt in Dornumersiel vorgestellte Produktion läutet ein völlig neues Kapitel ein.

 

Der Film „Eine Tide verändert die Welt – Verborgenes Wattenmeer“ wurde produziert von Lukas Terhechte und Sikko Tammena. Die beiden 19-Jährigen absolvierten in den letzten zwölf Monaten ihr freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) in den Nationalpark-Häusern Dornumersiel und Baltrum.

Erstmals zur Sprache kam das Projekt Film im Bewerbungsgespräch von Sikko Tammena im Mai 2018. „Ich fand die Idee eines Films echt klasse und fand in Lukas den perfekten Partner“, erzählt der 19-Jährige. Nach Beginn des FÖJs haben beide groß geträumt und dann Schritt für Schritt ihre Pläne reduziert, bis ein realistischer Plan aus der Idee wurde. „Die Idee reifte, je länger wir uns mit der Kombination Film und Wattenmeer beschäftigten.“ Im Januar dieses Jahres mussten zudem Anträge für Fördergelder und Zuschüsse gestellt werden, denn der Film sollte „etwas ganz Neues“ werden.

Die niedersächsische Bingo-Umweltstiftung erkannte das Potenzial der beiden Männer und sagte eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 1650 Euro zu. Von diesem Geld konnte ein Teil des notwendigen Equipments beschafft werden. Außerdem erhielten beide die Unterstützung eines Piloten für die notwendigen Luftaufnahmen, der Baltrum-Linie für die zahlreiche Überfahrten zur Insel und natürlich seitens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beider Nationalpark-Häuser. „Ohne die beiden Teams hätten wir unser Ziel wahrscheinlich nicht erreicht“, lobt Lukas Terhechte das offene Miteinander.

In ihr Projekt investiert haben die beiden auch. Normalerweise sei montags frei, aber in dieser Zeit haben beide an dem rund 15-minütigen Film gearbeitet, der letzte Woche in Dornumersiel seine Premiere feierte.

Gekommen war auch Sigrid Rakow, die Vorstandsvorsitzende der Bingo-Umweltstiftung, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiert und insgesamt sechs Millionen Euro für Projekte im Umweltbereich zur Verfügung stellt. Die ehemalige Landtagsabgeordnete lobte das hohe Engagement der beiden jungen Männer, die „so viel Zeit und Arbeit in dieses tolle Projekt gesteckt haben“. Außerdem merkte Rakow an, dass das FÖJ vielen jungen Menschen immer noch unbekannt sei. „Es gibt Platz für mehr Teilnehmer und die Gelder dafür sind da. Mit dem FÖJ kann jeder Teilnehmer viel Gutes bewirken.“

Vor Beginn der eigentlichen Vorführung wiesen Terhechte und Tammena die Zuschauer darauf hin, wie wichtig der Erhalt und Schutz des Naturerbes Wattenmeer sei. „Es ist ein einzigartiger Lebensraum unzähliger Tier- und Pflanzenarten“, berichten die Filmemacher. Ob Einheimischer oder Besucher, jeder sollte die Schönheit des Wattenmeers genießen und auf sich wirken lassen.

Gefilmt haben die beiden zukünftigen Studenten mit insgesamt drei Kameras. Neben einer Handy-Cam kam eine digitale Spiegelreflexkamera und – ein Novum – eine 360-Grad-Kamera zum Einsatz. Mit dieser ließen sich ganz neue Bilder einfangen, die den Zuschauern zum Teil in VR-Technik (s.u.) präsentiert werden. Zwei zum Betrachten der Filmsequenzen notwendige Brillen waren im Rahmen des Projekts angeschafft worden.

 

Aufnahmen im Verborgenen

Nicht nur im Titel ist das Wort „verborgen“ zu finden, sondern im Verborgenen sind auch viele der Filmsequenzen entstanden. Diese zeigen eine Reise durch die Nahrungskette der Wattbewohner, aber auch einen hautnahen Einblick in das Naturerbe. Aufnahmen aus der Luft, der Frosch-Perspektive und sogar unter der Oberfläche des Schlicks zeigen eindrucksvoll, wie die regelmäßige Tide das Watt verändert und wie die Tierwelt, angefangen bei der Wattschnecke bis hin zur Silbermöwe, mit dieser sich stetig verändernden Umgebung im Einklag lebt. Oft sind es Blickwinkel, die für die Menschen nicht erkennbar sind und somit im Verborgenen bleiben.

Während der Film läuft, erscheint immer wieder ein Brillensymbol am linken Bildrand – das Zeichen zum Aufsetzen der VR-Brille. Dann erlebt der Zuschauer das Wattenmeer hautnah, kann auf „Tauchkurs“ gehen, durch einen Vogelschwarm fliegen oder sich um 360 Grad gedreht die ganze Weite der Landschaft ansehen.

Nach rund einer Viertelstunde endet der Ausflug und die Premierengäste waren schier begeistert, spendeten reichlich Applaus. Sigrid Rakow war so angetan, dass sie zusagte, die Anschaffung weiterer VR-Brillen fördern zu wollen. „Ich nehme das mit nach Hannover“, versprach sie der Nationalparkverwaltung, deren stellvertretende Leiter Bernd Oltmanns ebenfalls der Premiere beiwohnte.

„Eine Tide verändert die Welt – Verborgenes Wattenmeer“ ist ab morgen in den Nationalpark-Häusern Dornumersiel und Baltrum sowie in den Watt Welten Norderney zu sehen. Wer sich vorab einen Eindruck machen möchte, kann im Internet auf https://www.nationalparkhaus-wattenmeer.de den Trailer zum Film ansehen.

 

Info:

Als virtuelle Realität (orginär virtual reality) wird die Darstellung und gleichzeitige Wahrnehmung der Wirklichkeit und ihrer physikalischen Eigenschaften in einer in Echtzeit computergenerierten, interaktiven virtuellen Umgebung bezeichnet. Spezielle VR-Kameras geben dem Benutzer die Möglichkeit, Erlebtes in einen 360-Grad-Panoramabild-Film zu verpacken. Dieser kann im Nachhinein über eine Smartphone-VR-Brille oder einer Gamingbrille am PC abgespielt werden. Dem Zuschauer gibt sie das Gefühl von Nähe zum Geschehen.

 

 

BU: Sikko Tammena (l.) und Lukas Terhechte zeigen die beiden VR-Brillen sowie eine von drei Kameras, mit der sie den Film „Eine Tide verändert die Welt – Verborgenes Wattenmeer“ in den letzten Monaten produziert haben.

Foto: Walthe



Link -> Trailer anschauen

 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Foto: Walthe, Ostfriesischer Kurier
Quelle: Ostfriesischer Kurier vom 31. August 2019