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10.07.2018

Im Ruhestand am Nordseestrand I.


Gestern, am 9. Juli 2018, sind die letzten Sprachaufnahmen fertig geworden - nun ist der Film von Johann Ahrends fertig: "Im Ruhestand am Nordseestrand" wird am 31. Juli in der Reihe 37 Grad im ZDF gesendet, um 22:15 Uhr.
Seit Oktober vergangenen Jahres war das Fernsehteam um Ahrends immer wieder zu Besuch auf der Insel, um die Hauptakteure - Olga Schmidt, Renate Ludwig und Josef Flockert - in ihrem Alltag zu begleiten. Wie ist es, alt zu werden, speziell auf einer kleinen Nordseeinsel? Ahrends ist Ostfriese aus Wiesmoor und hatte sich schon früher die Frage gestellt, wie das gehen kann, das Altwerden in Ostfriesland, das Altsein auf einer Insel - vielleicht käme es für ihn selbst einst in Frage? Und so ist dieser Film ein sehr gefühlvoller geworden, um ein sehr bewegendes Thema, das jeden irgendwann, wenn auch vielleicht in anderer Form bzw. an anderem Orte, (be)trifft.
Der Wind, das Wetter, die Tide... Alles musste bei den zwölf Drehtagen auf Baltrum berücksichtigt werden, und nicht zuletzt natürlich auch das Befinden der drei Protagonisten. "Die" Konstante sei Olga Schmidt gewesen, immer mit einem neuen Schnack auf den Lippen, immer gut gelaunt. Der letzte Drehtag war just an der Hochzeit ihres Urenkels Niels und somit eine kleine Krönung.
Dass so ein Dreh nicht immer wie geplant verläuft, zeigte sich mit dem Hoffen und Bangen von Jupp Flockert, der trotz der Aufs und Abs seiner vielfältigen Krankheiten immerhin seinen 80. Geburtstag auf der Insel in "seinem Seehund“ feiern konnte, bevor er dann doch längere Zeit am Festland zur Genesung verbringen musste… das ist auch für zugereiste Insulaner schwer.
Und auch der Tod gehörte unerwartet mit zum Dreh, war das Sterben an sich kein eingeplantes Thema. Renate Ludwigs Mann, der leidenschaftliche Blasmusiker Günter, war zwar nicht ganz gesund und wollte noch im Frühjahr ein letztes Konzert mit den von ihm auf Baltrum gegründeten Brasskids geben - das schaffte er aber nicht mehr. Aus heiterem Himmel verstarb er plötzlich. Das große Weihnachtskonzert in der ev. Kirche, das vom Fernsehteam begleitet wurde, wird allen um so besser in Erinnerung bleiben. Renate Ludwig hätte sich - unter vielem anderen - so sehr gewünscht, dass auch das Turmblasen mit in die Aufzeichnungen gekommen wäre, ist es doch ein großes Steckenpferd ihres Günters gewesen.
Johann Ahrends hatte im letzten Herbst auch noch mit Dr. Ellen Althainz gesprochen, schließlich war sie die "Erfinderin" und Initiatorin von "Gode Tied Baltrum“. (Der berühmte "Inselärztin-Ellen-Althainz-Film" über sie stammt auch aus seiner Feder). Dass auch sie kurze Zeit später verstarb, war für ihn ein Schock, bekennt Ahrends.
Der Verein "Gode Tied Baltrum" kümmert sich seit über zehn Jahren als Sozialstation um die Pflege der Einheimischen, der Zugereisten und auf Wunsch auch der Gäste - und macht somit das Altwerden bzw. das Dasein im Alter auf der kleinsten Ostfriesischen Insel überhaupt möglich. Johann Ahrends und sein Team begleiteten Schwester Helena Wyszogrodzka und Inselärztin und 1. Gode-Tied-Vorsitzende Eva Bach auf ihren Wegen durch das Dorf zu den drehwilligen Patientinnen und Patienten.
Fünf Mann waren außer Ahrends am Dreh beteiligt: Reinhard Bettauer (Kamera), Theo Schmidt, Jens Arend, und Christian Heike (Ton), sowie Kay-Stephan Rettig (Schnitt).
Für Ahrends ist dies der erste 37°-Film, und er ist eine sehr persönliche Geschichte geworden, findet er. Es sei eine bewegende Zeit gewesen - bei solch einem Thema weiß man ja nie, was alles passiert, ist sein Resümee.

 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Johann Ahrends