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21.05.2019

Building with Nature


Strandaufspülung auf Norderney: Arbeiten starten im Sommer.

Sandverluste in den Buhnenfeldern machen Aufspülung erforderlich – Westkopf im Fokus

 

Norderney/ Norden - Er dient als Tummelplatz für Sonnenhungrige, ist zugleich aber auch wichtiger Garant für einen effektiven Inselschutz: Sand bewahrt auf Norderney Buhnen und Deckwerke vor Unterspülung. Vermessungen des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zeigen jetzt auf: Am Westkopf der Insel hat das Strandniveau zuletzt deutlich abgenommen. Zur Sicherung der Küstenschutzanlagen auf Norderney werden im Auftrag des Landesbetriebs noch in diesem Sommer deshalb rund 160.000 Kubikmeter Sand eingespült.

Nach dem Winterhalbjahr durchgeführte umfangreiche Vermessungen des Strand- und Vorstrandbereichs hatten ergeben, dass insbesondere in dem rund 1,3 Kilometer langen Abschnitt zwischen den Buhnen F im Bereich des Westbades und E1 an der Kaiserwiese ein sehr niedriges Strandniveau vorliegt. „Auf Basis der Analysen der Strand- und Vorstrandentwicklung der letzten Jahre konnten wir voraussehen, dass eine Aufspülung zeitnah erforderlich ist", erläutert Prof. Frank Thorenz, Leiter der Betriebsstelle Norden-Norderney des NLWKN. Ein deutlich abnehmendes Strandniveau birgt das Risiko, dass die Fußsicherungen und Einfassungen der Deckwerke und Buhnen unterspült werden. „Eine Gefährdung des gesamten Bauwerks wäre die Folge", so Thorenz.

Strandaufspülungen als naturnahe Maßnahme zum Schutz der ostfriesischen Inseln gegen die Angriffe des Meeres haben sich nicht nur auf Norderney bewährt. Sie fügen sich in die dynamischen Prozesse ein und gleichen als Maßnahme des aktiven Küstenschutzes natürliche Sedimentdefizite aus. „Weil am Westkopf von Norderney auf natürliche Weise nicht genügend Sand ankommt, müssen die Strände regelmäßig durch künstliche Zufuhr von Sand aufgespült werden. International werden derartige Maßnahmen als Building with Nature bezeichnet", ergänzt der Küstenschutzexperte. Die erste derartige Maßnahme zum Schutz Norderneys erfolgte bereits im Jahr 1951/52 als erste Strandaufspülung in Deutschland überhaupt. Die letzte von bisher zwölf durchgeführten Aufspülungen auf Norderney fand im Jahr 2012 statt.

Vorbereitende Arbeiten für die Aufspülung wie der Antransport von Spülrohren sollen voraussichtlich Ende Juli beginnen. Die Ausführung der Spülarbeiten selbst wird sich vor allem auf den August konzentrieren. Beauftragt wurde die Firma RhodeNielsen A/S aus Dänemark. Sie hatte zuletzt in den Jahren 2017 und 2018 den Strand auf Langeoog erfolgreich aufgespült. „Die Ausführung wird die Nutzung der Promenade nicht beeinträchtigen. Der Strand vor dem Deckwerk wird allerdings aus Sicherheitsgründen während der Aufspülung nur eingeschränkt begehbar sein. Gleichzeitig hoffen wir auf Verständnis dafür, dass Maßnahmen des Küstenschutzes nur im schmalen Zeitfenster der sturmflutfreien Zeit umsetzbar sind", betont Frank Thorenz.

Der Sand für die Norderneyer Strandaufspülungen stammt aus der westlich vor Norderney liegenden Robbenplate. Hier ist durch stetigen Sandnachschub gewährleistet, dass sich die Entnahmestelle sehr schnell wieder verfüllt. Bei den Arbeiten kommt ein sogenannter Laderaumsaugbagger oder Hopperbagger zum Einsatz. Er wird den Sand aus dem Rand der Robbenplate in seinen Laderaum aufsaugen und zur Koppelstation fahren, die vor den Buhnen im Bereich der Kaiserwiese liegt. Von hier aus befördert eine stationäre Leitung das Sand-Wasser-Gemisch in Richtung Strand. Eine am Strand verlaufende Längsleitung am Fuß des Deckwerks besorgt schließlich das Pumpen in die einzelnen Buhnenfelder, wo sich der Sand ablagert. Die Einspülung wird durch Planierraupen unterstützt.

Für die Umsetzung der aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe des Bundes und der Länder zur Verbesserung des Küstenschutzes finanzierten Maßnahme sind insgesamt rund zwei Millionen Euro eingeplant.

 


 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Foto: Archiv s-press!
Quelle: NLWKN