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26.02.2004

Schulausschusssitzung


Zum neuen Schuljahr 2004/2005 wird in Niedersachsen die Orientierungsstufe aufgelöst. Dies betrifft die Inselkinder auf Baltrum im besonderen Maße, da die Entscheidung für einen möglichen Schulwechsel an Land viel früher als zuvor getroffen werden muss, nämlich schon nach der vierten Klasse. Was das für die Kinder im Alter von zehn Jahren, die Eltern, den Familienverband und die Inselgemeinschaft bedeutet, darüber wurde in den vergangenen Wochen auf der Insel viel diskutiert. Am Dienstag nahm sich das politischen Gremium der Gemeinde Baltrum mit den Vertretern aus Lehrer-, Schüler- und Elternschaft sowie mit Vertretern des Gemeinderates und dem Bürgermeister des Themas an.
Es seien spätere Übergänge wohl noch möglich, erläuterte Schulleiter Jürgen Janssen, nämlich wenn Zensuren und Fächerangebot dies zuließen. Ein Wechsel nach der zehnten Klasse vor allem auf ein allgemeinbildendes Gymnasium erfordere aber gezielte Vorbereitung. Dies eben sei das Problem: Die Lehrpläne unterscheiden sich sehr stark - die Inselschule könne nicht mithalten, vor allem bei den Naturwissenschaften und den Fremdsprachen nicht.
Für Baltrum stelle sich zum nächsten Schuljahr die Situation wie folgt dar:
15 Schulkinder aus den jetzt betroffenen Klassen IV bis VI sollen an der Inselschule bleiben, zwei wollen an Land gehen, so ergab eine Befragung. Neun von diesen 15 hätten nach dem ersten Schulhalbjahr 2003/2004 eine vorläufige Empfehlung höher als die Hauptschule. Für die Eltern stelle sich nicht nur die Kostenfrage, sondern es stehen vor allem - wie auch früher schon - familiäre Abwägungen im Vordergrund. Fakt sei, dass die Kinder mit Realschul- oder Gymnasialempfehlung höhere Ambitionen hätten und entsprechend gefördert werden müssten.
Diese Förderung müsse mit dem Wegfall der Orientierungsstufe schon ab der fünften Klasse einsetzen, die Differenzierung zur Gewährleistung gleicher Bildungschancen mit der Möglichkeit zum Wechsel auf eine höhere Schule müsse angestrebt werden.
Janssen wies auch darauf hin, dass Baltrum die einzige Insel sei, auf der es keine weiterbildende Schule gebe, und entsprechend auch keine Sonderschule. Dies bewirke eine enorm starke Streuung der Leistungsstärke innerhalb der Schülerschaft. Kooperation mit Schulen am Festland sei wegen der Insellage schwierig.
Die Forderung der Schule Baltrum in Übereinstimmung mit der Elternschaft sei also die Einrichtung von Förderklassen bzw. -stunden, die Gewährleistung von mehr Stunden und der zweiten Fremdsprache - ergo nach einer weiteren Lehrkraft zur Abdeckung der höheren Stundenzahlen.
Eine kleine Anfrage aus SPD-Kreisen im Kultusauschuss des Landes Niedersachsen hätte ergeben, dass man sich vorstellen könnte, ein Realschulangebot für die Inseln Spiekeroog und Baltrum einzurichten. Schulleiter Janssen empfahl dem Gemeinderat, eine Eingabe in diese Richtung zu machen. Auch die Eltern müssten mehr Druck machen. Die kleine Schulgröße von rund 50 Schülern dürfe nicht die Verwehrung von Bildungschancen zur Folge haben.
In der anschließenden Diskussion wurden weitere Aspekte aufgebracht: Lehrerstunden für Sozialpädagogen, wie sie momentan an Land diskutiert und gefordert würden, bräuchte man auf der Insel nicht - diese sollte man zur Stundentafel hinzuzählen.
Für die Hauptschulen sollen künftig 50 so genannte Betriebstage zusätzlich zu 30 Praktikumstagen gewährleistet sein, um das Fach Arbeit und Wirtschaft zu stärken. Dies würde für die Inselkinder, die eine höhere Schule anstrebten, eine weitere Einschränkung hinsichtlich der zu absolvierenden Unterrichtsstunden bedeuten, wenn nicht beide Möglichkeiten zur Verfügung stünden: Die Vorbereitung auf die Berufslaufbahn für die Hauptschule und die Vorbereitung auf eine höhere Schule.
"Selbst wenn man alles hinbekommen würde", so Lehrer Uli Mammen, ehemaliges Ratsmitglied, "ist es für Inselschüler immer noch ein Nachteil, weil die zehnte Klasse auf jeden Fall an Land wiederholt werden muss."


Sabine Hinrichs