Suche:
News

11.01.2012

Schulausschuss fordert Oberschule für Baltrum


Bei der Schulausschusssitzung am Dienstag Abend, dem 10. Januar 2012 in der Inselschule auf Baltrum forderte der Schulausschuss erneut einstimmig die Einführung der Oberschule auf der kleinsten Ostfriesischen Insel. Die Hauptschule sei ein Auslaufmodell, so die einhellige Meinung, und die Baltrumer Schülerinnen und Schüler dürften nicht länger benachteiligt werden.
Ein Antrag auf Ernennung zur Oberschule war bereits im vergangenen Jahr gestellt worden, so Schulleiter Ulfert Mammen. Diesem war nicht entsprochen worden, man wollte sich nach den Sommerferien mit dem Kultusministerium zusammensetzen. Das ist nun an der Zeit - nach einigem Drängen sei für die kommende Woche in Hannover ein Gespräch unter Beteiligung der Schulleiter von Baltrum und Juist mit den jeweiligen Gemeindevertretern anberaumt.
Eigentlich sei die andere Schulform zwingend, führte Mammen aus. Eine Hauptschule wie auf Baltrum ohne Realschulzweig, sprich ohne die zweite Fremdsprache und bestimmte Förderkurse, gebe es nirgendwo mehr. Für die Kinder mit Real- und Gymnasialempfehlung - das sind immerhin 70 % im jetzigen Jahrgang 5/6 - bedeutet dies entweder den Wechsel auf das Niedersächsische Internatsgymnasium in Esens, das sich mit der Aufnahme sehr junger Schüler ins Internat schwer tut, oder nach Norden auf das Ulrichsgymnasium und damit in eine Pflegefamilie. Wer das nicht will, muss Einbußen hinsichtlich der Bildungschancen hinnehmen. Seit Abschaffung der Orientierungsstufe bedeutet ein Wechsel auf eine höher führende Schule nach der Grundschule die Trennung von der Familie ab dem 10. Lebensjahr. Wegen der Tideabhängigkeit der Insel kann nicht gependelt werden. Eine spätere Durchlässigkeit ist wegen der fehlenden zweiten Fremdsprache für Baltrumer Schülerinnen und Schüler nicht gegeben, das heißt ein Wechsel nach der 7. Klasse oder später ist kaum machbar.
Alle Inseln haben zumindest einen Realschulzweig, betonte Mammen, einige sogar ein Gymnasialangebot. Baltrum hinke meilenweit hinterher. Das habe nichts mit dem Kollegium oder der Schülerzahl zu tun. Die Einführung der Oberschule beinhalte getrennten Unterricht mit entsprechendem Kursangebot. Wenn nicht bald etwas passiere, gebe es eine Revolution bei den Eltern.
Wenn die Oberschule auf Baltrum eingeführt werden sollte, bedeute dies aber zwingend auch den Umbau der Schule und die Einstellung neuer Lehrer oder zumindest einer Lehrkraft. Es würden mehr Klassenräume gebraucht und vor allem ein naturwissenschaftlicher Lehrraum, so Mammen. Die Pläne hierfür existierten bereits, die Politik stehe voll und ganz hinter diesen Plänen, stimmte Bürgermeisterin Antje Wietjes-Paulick zu. Die Anträge auf entsprechende Zuschüsse seien jedoch bislang abgelehnt worden - und der klammen Gemeinde Baltrum fehle es an Geld für den aufzubringenden Eigenanteil. Man werde bei der Kreisschulbaukasse und beim Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen (LGLN, früher GLL), das das Dorferneuerungskonzept Baltrum derzeit begleitet, weitere Verhandlungen die Zuschüsse betreffend führen, so Wietjes-Paulick. 40 Jahre lang sei an dem Gebäude kaum etwas gemacht worden, nun werde es Zeit, dass etwas passiere, forderte das Lehrerkollegium. Die Pläne sehen ein Investitionsvolumen von mindestens 1,1 Millionen Euro vor, die Ausstattung des Naturwissenschaftsraumes nicht inbegriffen.
Der Schulausschuss unter dem Vorsitz von Gerd Linn war sich einig, dass es für Baltrum eine bessere Schule geben soll. Es seien sämtliche Möglichkeiten auszuschöpfen und alle nötigen Kontakte zu knüpfen, so die Forderung. Die Mitglieder wiesen auch darauf hin, dass für die Zukunft der Insel ein gutes Schulangebot entscheidend sei - junge Familie überlegten sich sehr wohl und sehr genau, auf welche Art von Schule sie ihr Kind geben wollten. Die Baltrumer Schülerinnen und Schüler hätten ein Grundrecht auf Bildung und Chancengleichheit wie alle anderen auch, so das Fazit.

 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Hinrichs
Schulleiter Ulli Mammen und Schülervertreterin Rabea Stürenburg