Suche:
News

21.04.2017

Ostdorf fühlt sich abgehängt


Als in den vergangenen Wochen die Verlegung des Glasfaserkabels voranschritt, schöpften vor allem die Unternehmer der Insel allenthalben Hoffnung - kommt der versprochene Breitbandausbau tatsächlich doch auf Baltrum an! Doch dann machte das Ganze im Westen halt - und im Ostdorf tut sich nichts.
Die vielen Gäste über die Osterfeiertage haben das Netz wieder stark in Anspruch genommen. Je östlicher, desto langsamer ist man auf der Insel im Internet unterwegs, in Spitzenzeiten quälen sich die Megabits pro Sekunde nur tröpfchenweise durch die lange Leitung.

"Hannover. Niedersachsen ist bunt. Gelb und Rot und Blau liegen auf der Karte wild gewürfelt nebeneinander, selbst die Ostfriesischen Inseln machen mit: Juist gelb, Norderney dunkelblau, Baltrum rot." stand in der Hannoverschen Allgemeinen im Juli vergangenen Jahres. "... "Blau ist in diesen Fällen gut und Rot schlecht. Unternehmer, Wissenschaftler und Politiker sind inzwischen gleichermaßen davon überzeugt, dass von diesen Farben die Zukunft der jeweiligen Gegend abhängt, denn sie zeigen die Versorgung mit breitbandigen Internetanschlüssen. Eine Kapazität von 50 Megabit pro Sekunde gilt wenigstens für die nächsten Jahre als das Maß der Dinge...."
Da freute man sich im hiesigen Rathaus, als es Ende Oktober hieß, Baltrum käme durch die Kooperation mit dem Landkreis Aurich ebenfalls in den Genuss des Breitbandausbaus. "Der Breitbandausbau sei für die weitere Entwicklung des Landkreises Aurich von entscheidender Bedeutung, bekräftigte der Landrat: „Durch den flächendeckenden Ausbau des schnellen Internets sind wir für die Zukunft gut gerüstet," hieß es in einer Pressemitteilung des Landkreises am 22. März 2017. Dort freut man sich, dass es vom Land Niedersachsen mehr Zuschüsse gibt, als erwartet.

50 Megabit pro Sekunde... das ist im Westdorf heute zum Teil schon möglich - das Ostdorf jubelt, wenn es auf 8.000 kbits/s geht. Meist sind die Geschwindigkeiten weit darunter, obwohl die Telekom schon vor Jahren entsprechend "schnelle" DSL-Verträge verkauft hat...

Nun regt sich Unmut im beschaulichen Ostdorf, das ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl hat und eine besonders große Stammgästeschar beherbergt. Beim Ausbau des schnellen Internets durch die Telekom bleibt es nämlich scheinbar außen vor. Es soll ein Vectoring geben, versucht man die Gemeinschaft zu beruhigen, das würde das Internet schneller machen. Dass ein Unternehmen wirtschaftlich denken muss, versteht sich. Doch warum wird der Landkreis dann hier nicht tätig? Auf den Urlaubsinseln geht es ja nicht jur um "ein paar Haushalte", sondern um die ganze Infrastruktur einer touristischen Destination, ganz zu schweigen von Möglichkeiten, die ein schnelles Netz auch für ganz neue Arbeitsplätze fern des Tourismus erschließen könnten.
Warum hat man im Rathaus überhaupt nicht in Betracht gezogen, dass das Ostdorf direkt an die schnelle Leitung angeschlossen wird, auf dass es für die Zukunft ebenfalls gerüstet und gut aufgestellt sei? Ein Leerrohr liegt angeblich bis zum "Haus am Wäldchen" - allerdings eines von der EWE.

Eine Unterschriftenaktion würde nichts ändern, haben die Ostdorfer erkannt. Man will sich somit an die Öffentlichkeit wenden, nachdem auch Gespräche mit der Telekom nichts gebracht hätten.

 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Fotos: Hinrichs / breitband-niedersachsen.de, screenshot
Quelle: Hannoversche Allgemeine, Landkreis Aurich,