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06.01.2017

Neujahrsempfang II.


Zum vierten Mal hatte Berthold Tuitjer am ersten Freitag des Januars zum Neujahrsempfang ins Kinderspielhaus eingeladen, um vor Insulanern, Gästen und Zweitwohnungsbesitzern eine Neujahrsansprache zu halten.
Wenn er seine Amtszeit mit einem Fußballspiel vergleiche, stehe er kurz vor der zweiten Halbzeit. Bürgermeister sei kein Lehrberuf, stellte er fest: "Daun deiht lehren", würde der Ostfriese sagen.
Mit Zuversicht blicke er auf die zukünftige Arbeit mit dem neuen Rat, dessen Zusammensetzung ein weites Meinungsspektrum verspräche, sodass ausgewogene Entscheidungen getroffen werden könnten. Er sehe vor, ein Ratsinformationssystem einzuführen, was die gemeinsame Arbeit und die Beteiligung der Öffentlichkeit verbessern würde.
Zum 1. August soll bei der Gemeinde Baltrum erneut ein Fachhochschulstudienplatz zur dualen Ausbildung zum Verwaltungsbetriebswirt angeboten werden. Tuitjer würde es freuen, wenn der Nachwuchs der eigenen Gemeinde diese Chance wahrnehmen würde. Er betonte, dass es gelungen sei, im Rathaus einen förderlichen Teamgeist, eine gute Gesprächskultur und eine gedeihliche Zusammenarbeit entwickelt zu haben. Das erste "Eigengewächs" werde das Studium zur Verwaltungsbetriebswirtin im Sommer beendet haben und künftig die Kämmerei verstärken.
Die interkommunale Zusammenarbeit mit der Gemeinde Ihlow im Bereich des Finanzwesens und mit dem Landkreis Aurich in der Personalverwaltung lasse die Gemeinde Baltrum in der Sachbearbeitung besser dastehen. Wegen der Winzigkeit der Inselgemeinde seien Aufgabenvielfalt und Anforderungen an die einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr viel größer als an Festlandgemeinden. "So amüsant unsere sehr kleine Strukturen auch hier und da für den außenstehenden Gast erscheinen mag, so unwirtschaftlich und grundstrukturell defizitär ist unsere Kommune. Wir gehören bekanntlich zu den ärmsten Gemeinden des Landes Niedersachsen. Nur durch Bedarfszuweisungen des Landes können wir handlungsfähig bleiben."
In persönlichen Gesprächen mit Vertretern der Landespolitik habe Tuitjer fraktionsübergreifend die kühne Idee der Zusammenfassung aller Inselkommunen zu einem einheitlichen Verwaltungsgebilde thematisiert. Die Themenfelder aller sieben Inseln wie Küstenschutz, Wohnraum, Fähranbindung ect. seien identisch. Die Zusammenarbeit und der Austausch unter den Inselbürgermeistern finde er hervorragend. "Gerade die sehr kleinen Inseln wie Baltrum und Wangerooge könnten bei einem Anschluss an größere und gemeinsame Strukturen effektiver und damit wirtschaftlicher handeln. Dabei könnte jede Insel eines oder mehrere Querschnittsfachämter wie ein zentrales Bauamt, Hauptamt, Personalamt beheimaten, um Strukturen auch zu erhalten. Der 'Wattenmeerachter' als Zusammenschluss aller Inseln mit der Stadt Norden zum LEADER Fördergebiet ist ein erster Schritt der Vernetzung und eventuell späteren dauerhaften Zusammenarbeit. Zusammen sind wir meines Erachtens noch stärker, ohne die lokale Identität aus den Augen zu verlieren."

2016 habe der Landkreis Aurich den Rettungsdienst wieder zurückübernommen, blickte Tuitjer auf das vergangene Jahr zurück.
Leider habe sich hinsichtlich der Zusammenführung von Fährticket und Kurbeitrag in einem elektronisch buchbaren Medium zur Entlastung der Vermieter noch nichts getan. Zum Thema Sachstand der Ausschreibung der Fährverbindung des Hafenzweckverbandes Neßmersiel-Baltrum machte Tuitjer keine Angaben.
Die Errichtung einer Strandgastronomie stehe auf seiner Agenda, verkündete der Bürgermeister und Kurdirektor. Er wolle die bereits früher entwickelte Idee im neuen Rat wieder aufnehmen. Und die Situation der Abendunterhaltung sei ein Dauerproblem. Die Gemeinde könnte lediglich die nötigen Voraussetzungen schaffen, Investition und Betrieb müssten jedoch von privater Hand kommen.
Für das Inselkino gebe es einen neuen Betreiber, der Anfang April mit einer besonderen Eröffnungsvorstellung für die Insulaner die Saison beginnen wolle.

Die Kurverwaltung arbeite seit 2015 kostendeckend, sprach Tuitjer. Die Dauersorge sei das SindBad, das jährlich ein Defizit von 450.000 Euro erbringe. Es müssten Strategien entwickelt werden - niemand wolle das SindBad schließen.
Die Jahresabschlüsse der Jahre 2012, 2013 und 2014 würden derzeit nachgearbeitet und auf die Eröffnungsbilanz von 2012 übertragen, sagte Tuitjer mit einem Dank an die zuständigen Kämmerer in Ihlow. Der "finanztechnische Blindflug", der noch bis 2014 herrschte, sei nun beendet, "wir fahren endlich auf Sicht".

Wesentlicher Bevölkerungsanteil seien mittlerweile die Zweitwohnungsbesitzer mit 230 Wohnungen. Es sei eine hohe Quote der Eigennutzung festzustellen. Für Tuitjer stelle dies eine Chance für die gemeinsame Weiterentwicklung von Inselthemen dar. "Wenn Zweitwohnungseigentümer und Einheimische Dinge gemeinsam und konstruktiv anfassen, könnte sich ein außerordentlicher Kreativpool ergeben. Über die hier tätigen Vereine und Gruppen wie Baltrum Aktiv, Mien Hart för Baltrum, die Inselfreunde, dem Heimatverein, dem Tidenhus e.V. sowie dem KSV ergeben sich beste Möglichkeiten, sich auf und für unser Eiland gemeinschaftsdienlich einzubringen. An dieser Stelle möchte ich den genannten Aktiven für ihr Engagement herzlich danken!"

Der Bestand an Dauerwohnraum ist sehr gering, wies er noch auf ein Thema hin, das ihm am Herzen liege: "Ich würde mich sehr freuen, wenn wir eine gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft gründen und betreiben könnten, um den Bedarf an Wohnraum zu decken."

Zum Schluss dankte er seinen Kolleginnen und Kollegen in der Gemeinde- und Kurverwaltung, die "gemeinsam unser Boot Baltrum mitgerudert haben." Kein Glied in einer Kette sei weniger bedeutend als das andere - jedes Detail entscheide.

Musikalisch umrahmt wurde der Neujahrsempfang von den Brass Kids unter der Leitung von Günter Ludwig. An sie ging ein süßer Dank aus den Händen der Frau Bürgermeisterin und ganz viel Applaus für die stimmungsvollen und gekonnt präsentierten Stücke vom zahlreich erschienenen Publikum.

 

 

 


Autor: Sabine Hinrichs
Foto: Hinrichs
Quelle: Berthold Tuitjer