Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

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meermaus
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon meermaus » 05.11.2014, 19:55

Moin, ich versuch es mal ohne Polemik, bin einfach erschrocken. nach meinem Septemberurlaub wollt ich eigentlich was ins Gästebuch schreiben: Wie wohl ich mich gefühlt habe, wie zufrieden ich war, mit all den Angeboten ( meine Freundin bekam allerdings keine Strumpfhose auf der Insel :wink: , wie freundlich ich ( bis auf eine ) die Menschen sowohl in den Läden und überhaupt empfunden habe, wie dankbar ich Sabine Hinrichs war für all ihre Aktivitäten - informativ und künstlerisch. Bis auf zuviel Fahrräder und Hunde war alles gut. Naja - die Fährpreise saftig, der Service aber (inclusive Bus nach Norden) perfekt. Nun das :shock: Als geheingeschränkte Rentnerin habe ich das tropfende und bei Gott nicht zeitgemäße Sindbad fast täglich genutzt - Baltrum nächstes jahr ist für mich dann nicht mehr finanzierbar - die Idee, möglicherweise eine offene Badekur zu machen erscheint unmöglich. Und wenn es keinen freien Strandzugang mehr gibt, nützt mir mein liebgewonnes starndnahes Quartier auch nix mehr. Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung...Von der östlichen Nachbarin hatte ich mich nach Jahrzehnten verabschiedet, zu voll, zu teuer, zu juppimäßig und war glücklich, auf Baltrum eine neue zweite Heimat gefunden zu haben
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon 66er » 06.11.2014, 00:09

Mr.Meadow hat geschrieben:Die Auswertung hat doch sehr deutlich gemacht, wie wichtig den Gästen Schwimmbad und Schlechtwetterangebot ist.


Eben, deswegen sollte man auch im Sindbad einer Familie € 16,- abnehmen und, weil das Jugendangebot die schlechteste Wertung erhalten hat, den Jugendclub schließen.
Sorry, daß ich immer wieder die Ironie-Tags vergesse.
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon Tine » 06.11.2014, 03:49

Ich finde Mames Ansatz zwar schmerzhaft, aber besser als das momentane Konzept.

Meine Frage: warum wurden die Betroffenen (Insulaner und Gäste) nicht zuerst gefragt? Erst mal die Info: so sieht es aus, Punkt... wir müssen soundsoviel einsparen oder zusätzlich einnehmen. Habt Ihr Vorschläge? Auf was würdet Ihr verzichten; was würdet Ihr mehr leisten?

Den freien Eintritt ins Sindbad fand ich prima, aber ich würde zur Not auch drauf verzichten. 8€ allerdings finde ich unverhältnismäßig, gerade für Familien.

Strand verpachten? Vergeßt es! Das kann das Land Niedersachsen auch ohne Zwischenhändler. Und mit Gittern und Drehtüren... neee... da wäre ein großer Teil des positiven Images der Insel weg. Freiheit, Offenheit und viele ähnliche Begriffe wären dann aus den Gehirnen der Besucher verschwunden, und das würde auch neue Besucher verschrecken.

Eine Schließung des Jugendclubs würde der Insel auch eher schaden. Dann hätte gerade eine Altersstufe, die die Zukunft Baltrums mittelfristig sicherstellt, eine wichtige Anlaufstelle weniger. Aber man könnte die (günstigen) Preise gerade für alkoholische Getränke anheben und vor allem Eintritt verlangen. Ohne Eintritt kommt man schließlich n keine Dorfdisko rein - das schreckt sicherlich keinen ab.

Und wenn es den Jugendclub nicht mehr gibt: wo findet dann der "Inselwitz" seine Plattform? Unterschätzt diese Veranstaltung nicht! Ich kenne durchaus Leute (auch unter 25), die ihren Urlaub im nächsten Jahr so planen werden, daß die Vernissage auf jeden Fall ein Teil davon sein wird.

Wenn es um Mehreinnahmen geht: ich frage mich schon länger, warum ich im Winter eigentlich keinen Kurbeitrag zahlen muß. Die Luft ist genau so gut, der Strand muß auch gepachtet werden, das Fernglas am Friedhof ist genau so zuverlässig und kostenlos wie im Sommer. Ich wäre durchaus bereit dazu. Und warum gibt es auf Baltrum eigentlich keine Kurklinik oder Rehaeinrichtung? Momentan sind "nur" ambulante Badekuren möglich, aber stationäre Rehapatienten bringen durchaus auch Einnahmen, und zwar auch im Winter. Und gerade bei Burnout gibt es kaum einen besseren Ort als Baltrum, oder?
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon Moorgeist » 06.11.2014, 07:33

Tine hat geschrieben:Strand verpachten? Vergeßt es! Das kann das Land Niedersachsen auch ohne Zwischenhändler.

Und warum gibt es auf Baltrum eigentlich keine Kurklinik oder Rehaeinrichtung? Momentan sind "nur" ambulante Badekuren möglich, aber stationäre Rehapatienten bringen durchaus auch Einnahmen, und zwar auch im Winter. Und gerade bei Burnout gibt es kaum einen besseren Ort als Baltrum, oder?



Moin Tine!

Meine Rede - was die Strandverpachtung angeht hat man da wohl sehr "kurz gedacht" - kaum vorstellbar dass man in der Kürze der Zeit da ein Placet des Bundeslandes hat. Vor allem sollte man Bedenken, wie wenig Einfluss bleibt, wen das Land auf die Idee kommt, direkt "fremd" zu verpachten.

Was eine "Kurklinik" o. ä. angeht: Nun, früher gabs ja die "Mutter-Kind-Kuren" im jetzigen Naturhotel.
Das Anwesen als Sanatorium zu betreiben hat sich wohl nicht gerechnet, auch der Gesundheitsreform und allgemeinem Sparzwang geschuldet - sowie vermutlich auch der Tatsache, dass es kein Ganzjahresgeschäft ist und somit rein rechnerisch nicht aufgeht.
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon saemmel » 07.11.2014, 12:41

Nach den Ergebnissen der neuen Kurbeitragserfassung und der Strandkorbvermietung gefragt, konnte die Verwaltung noch keine Zahlen vorlegen. Es gebe Probleme mit der EDV - dies sei besonders hinsichtlich der Planungen und Neukalkulationen ärgerlich, so Kampen.


Das ist im Bericht Nr. IV zu lesen. Das ist so unfassbar! Mir fehlen die Worte.
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon conni » 07.11.2014, 14:23

Jetzt einmal ein wenig übertrieben:

Die Gemeinde Baltrum kann sich eigentlich nichts leisten. Aber es kommt jedes Jahr ein Katalog raus - frisch überarbeitet. Der kostet einen großen Betrag, stimmt aber bei Versendung nicht mehr, weil der Gemeinderat Änderungen beschlossen hat bezüglich Eintritt und Öffnungszeiten und Schließung (Jugendclub). Auch der Strand steht zur Überlegung, wie er geöffnet wird und wer der Pächter ist. Dies sind Änderungen, die bei Druckschluß nicht bekannt waren. Einen neuen Katalog drucken zu lassen, kann sich die Gemeinde aber nicht leisten.......

Man könnte den Hinweis vllt. beilegen, dass Dokumente, die ausgedruckt sind, bei Druck sofort ihre Gültigkeit verlieren, wie es in unserer Onlinewelt mittlerweile üblich ist - out.
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon Matthias » 08.11.2014, 00:11

Eine sehr bedauerliche Entwicklung!!! Nun mag es ja Gäste geben, die sich weder für das Sindbad, das Kinderspielhaus, den Jugendclub noch für den Rosengarten als "Kurpark" interessieren! Gäste, die vielleicht sogar auf den bewachten Badestrand verzichten würden! Mich bewegt allerdings die Frage, ob Gäste der Insel Baltrum, die nach Drucklegung des Katalogs und der dort angekündigten Gegebenheiten ihren Urlaub gebucht haben, nicht einen Anspruch auf eben diese haben. Mit anderen Worten: Müsste dies alles nicht erst in 2016 angegangen werden? Eine ernstgemeinte Frage! Ist dieser Prozess dem Gast in 2015 gegenüber wohl justiziabel?
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon saemmel » 08.11.2014, 12:44

Der Kurbeitrag kommt ausschließlich Ihnen als Gast zugute. Wenn es keinen Kurbeitrag gäbe, müsste jede Leistung extra bezahlt werden. Am Strand und im Kinderspielhaus würden Kassenhäuschen stehen. Und die Eintrittspreise zu den Veranstaltungen würden sich verdoppeln. Und: Durch den Kurbeitrag haben Sie freien Eintritt ins SindBad!


Das haben wir Ihnen unter anderem zu bieten:
•das SindBad, unser modernes Kur- und Wellness-Center mit einer Vielzahl bewährter Kuranwendungen, Meerwasser-Therapiebecken, Physiotherapie und Wellness-Bereich. Freier Eintritt ins Schwimmbad!
•ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm im Haus des Gastes, auf der Kleinkunstbühne in Onnos Kinderspöölhus und am Strand
•den Sommer-Jugendclub
•Onnos Kinderspöölhus (Eintritt frei!), die Spielplätze im West- und Ostdorf, in den Dünen und am Badestrand
•einen sieben Kilometer langen Gezeitenpfad mit teils interaktiven Modulen
•Wander- und Reitwege
•den vom Land Niedersachsen gepachteten Badestrand mit Badeturm, Rettungsschwimmern, Bohlenwegen (saisonabhängig) und Strandreinigung
•einen Leseraum in der Kurverwaltung
•ein umfangreiches Sport- und Fitnessprogramm
•Ruhebänke auf der ganzen Insel
•Schutzhütten in den hinteren Dünen
•Sanitäranlagen im Strandbereich ... und vieles mehr.

So steht es immer noch auf der offiziellen Baltrum-Seite. Die Frage ist in der Tat interessant: Stehen mir diese Leistungen bei jetziger Buchung für Sommer 2015 rein rechtlich zu?
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon Mr.Meadow » 08.11.2014, 15:48

Formal:
Du schließt mit deiner Buchung einen privatrechtlichen Vertrag mit dem Vermieter ab. Nicht mit der Gemeinde Baltrum oder der Kurverwaltung.
Maximal könnte man sich ereifern, wenn der Kurbeitrag argumentativ weiterhin so erhoben wird wie bisher, ohne dass das mit den Realitäten übereinstimmt.

Aber was ich eigentlich schreiben möchte:
Missmanegement, strukturelle und individuelle Fehler hin oder her - "Unsere" Insel steht vor gravierenden Schwierigkeiten, man möchte sagen an einem Scheideweg.
In dieser Situation sollten sich möglichst viele Menschen (Insulaner wie Gäste) fragen, was sie dazu beitragen können, dass sich die Lage bessert. Wir sollten nicht noch weiter nach zusätzlichen Problemen suchen.
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon DC » 08.11.2014, 20:20

Aber was hat Baltrum denn vor Möglichkeiten aus diesem Dilemma zu kommen?
Die einfachste Möglichkeit wäre der Ruf nach erhöhten Einnahmen. Sprich Steuern hoch ..... Kurtaxe hoch. Aber das wird nicht gehen weil dann sicherlich viele Touristen nicht mehr auf die Insel kommen werden.
Man überlege sich: Kurtaxe = 6€. Welcher Gast spielt denn da noch mit?
Oder bei einer Erhöhung der Steuern werden automatisch früher oder
später die Unterkünfte teurer.
Auch hier besteht ein erhöhtes Risiko für die Vermieter das sie dann
ihre Wohnungen nicht mehr "an den Mann" bringen.
Outsourcen????? Könnte man drüber nachdenken... Aber vielleicht
gibt es dann gravierende Änderungen durch diejenigen die dann die Arbeit übernehmen und der Charme der Insel könnte verloren gehen.
Also ich möchte nicht in der Haut des Bürgermeisters stecken bei
so einer Verantwortung. ( vorausgesetzt er nimmt seinen Job auf der Insel ernst )
Letzte Möglichkeit die ich sehe wàre Lotto spielen und auf
einen Jackpot hoffen.
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon Dornrose » 09.11.2014, 13:46

Auch ich bin sehr erschrocken, was da gerade auf Baltrum passiert. Erschrocken aber auch darüber, wie hier Bewährtes einfach wie altes Porzellan zerschlagen wird und Maßnahmen, die wahnsinnig viel Geld kosten und sich nicht bewährt haben, beibehalten werden. Weg mit dem teuren Online-Kurtaxsystem! Soviele Gäste können es doch gar nicht sein, die keine Kurtaxe zahlen, um diese horrenden Summen zu rechtfertigen! Nehmt die (wenigen) Vermieter in die Pflicht, die Kurtaxe einzuziehen, die bisher nicht für eine ordnungsgemäße Abführung gesorgt haben!! Vergleicht doch einfach die Belegungskalender und die eingezogene Kurtaxe miteinander. Wenn dann Kurtaxe fehlt, muss eben der betreffende Vermieter zahlen. So, wie das Kurtax-System jetzt ist, kann jeder, der das denn will, weiterhin besch....en, er muss ja nur früher abbiegen, um die Kontrolle zu umgehen.

Ebenfalls abzuschaffen ist das Gitterdilemma vor den Strandkörben mit seinen ewig versandeten und damit kostenintensiv zu reinigenden Schlössern! Soviele Schwarzsitzer kann es doch gar nicht geben, um solche Maßnahmen beizubehalten. Ach ne, das fällt ja wohl bald weg, wenn der Strand erstmal vermietet ist. Dann müssen wir ja an Kassenhäuschen vorbei an den Strand oder über Stacheldrahtzäune klettern. Außerdem müssten die veantwortlichen Herrschaften ja auch zugeben, dass sie mit ihren Ideen auf dem Holzweg waren und gescheitert sind.

Den Jugendclub schließen? Das wäre der größte Fehler! Gerade als Jugendliche(r) baut man Bindungen zu Baltrum auf, erinnert sich als Erwachsener an die schönen Zeiten auf der Insel und kehrt dann mit Partner und Kindern als Gast auf die Insel zurück. Die Kinder und Jugendlichen von heute sind die Gäste von morgen!!! Ich besuche zwar heute den Jugendclub nicht mehr, kann aber genau das so bestätigen! Schon vor ca. 40 Jahren gab es auf Baltrum einen Jugendclub, der befand sich im Keller rechts unter der Turnhalle. (Kennt den noch wer?)Ich weiss es nicht mehr genau, aber ich meine, wir haben dort etwas Eintritt bezahlt. Auch eine Nachtunterhaltung muss doch gar nicht sein. Schließt den Jugendclub um 22.00 Uhr. Längere Öffnungszeiten dürften doch für Jugendliche auch gar nicht nötig. Wenn der Jugendclub 6 Monate im Jahr geöffnet hat und jeden Tag im Durchschnitt 30 Jugendliche den Club besuchen, dürften bei einem Eintrittsgeld von € 2,80 die Kosten gedeckt sein.

Es sollten vielleicht auch mehr externe Veranstalter gewonnen werden, denen dann passende Räumlichkeiten (für Ausstellungen, musikalische Darbietungen, Comedy etc.) vemietet werden können, um so der Insel weitere Einnahmen und evtl. auch weitere Gäste zu bescheren. Die vorhandenen Räume müssen mehr ausgelastet sein, damit sie sich rechnen.

Noch 48 Tage, dann bin ich auf der Insel. Übrigens KURTAXFREI! Da hab ich mich schon sehr gewundert, denn am Festland zahle ich auch im Winter (eine etwas günstigere) Kurtaxe. Dazu wäre ich auch auf Baltrum bereit!!!

In diesem Sinne....
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon Moorgeist » 09.11.2014, 15:12

Dornrose hat geschrieben:Noch 48 Tage, dann bin ich auf der Insel. Übrigens KURTAXFREI! Da hab ich mich schon sehr gewundert, denn am Festland zahle ich auch im Winter (eine etwas günstigere) Kurtaxe. Dazu wäre ich auch auf Baltrum bereit!!!


Bei mir sind es noch 10 Tage ... und auch ich wäre bereit, eine (verringerte) Kurtaxe zu zahlen. Natürlich tut sich die Gemeinde da argumentativ noch schwerer, "wofür" ... aber mir persönlich wäre das egal.
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon Matthias » 09.11.2014, 17:28

Es ist rührend zu lesen, wie sich die Stimmen für eine Winterkurtaxe zur "Rettung" mehren, aber wir sollten unsere Identifikation mit der Insel an dieser Stelle mal sachlich überdenken.

Es gab sicherlich gute Gründe in den Wintermonaten von eben dieser abzusehen. Denn Kurtaxe beinhaltet auch Angebote und diese sind im Winter mehr als spärlich. Das einzige "Zugpferd" für eine solche wäre das Sindbad in einem modernisierten Zustand gewesen und dieses liegt - um im Bild zu bleiben - buchstäblich am Boden! Für eine Kurtaxe im Winter braucht es dann schon ein einen angemessenen Kur- und Wellnessbetrieb. Ich denke, dass alle Gäste, die in Zukunft der Insel und ihren Menschen etwas Gutes tun wollen, weiterhin bei ihren Vermietern buchen sollten, um diesen nicht noch zusätzlich existentielle Nöte zu bereiten. Allerdings müssten dann für den Urlaub andere Akzente gesetzt werden. Wenn wir uns an das "ganz ganz alte Dornröschen" erinnern, ging es ja auch! Meer, Himmel, Möwen, Dünen, Strand, Fasane und Kaninchen waren uns als Kindern und unseren Eltern auch genug. In diesem Sinne sollten wir unseren Vermietern die Treue halten.

Konzentrieren wir uns nicht auf Makulatur, sondern lassen wir die Verantwortlichen im Rathaus ihre Hausaufgaben machen. Wenn wir im Sommer weiterhin unsere Kurtaxe entrichten, dürften sie wohl mehr als zufrieden sein. Wenn nicht dankbar!
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon Tine » 09.11.2014, 22:03

Ich werde in 11 Tagen auf der Insel einlaufen und auch ich wäre bereit, im Winter Kurtaxe zu zahlen (siehe ziemlich weit oben). Denn ich finde auch im Winter so einige Leistungen vor, die ich hier am Festland bezahlen müßte und die auf der Insel im Winter kostenlos zu haben sind: der Gezeitenpfad, das Nationalparkhaus (ja, auch das ist geöffnet, wenn auch nicht so ausdauernd wie im Sommer!), der Strand (noch...), das Fernrohr am Friedhof (hier in der Gegend kosten 5 Minuten freie Sicht schon mal mindestens 1 €, und meistens sind die Dinger kaputt, so daß man für sein Geld nicht mal was bekommt ^^)...

Aber hin wie her: was einfach nicht bezahlbar (oder abkassierbar) ist, sind die Menschen auf Baltrum, und deshalb werde ich auch immer wieder kommen. Vielleicht kann ich es mir irgendwann nicht mehr oft leisten, aber kommen werde ich trotzdem! Hier sind einfach Dinge möglich, die man sich anderswo mit keinem Geld der Welt leisten könnte; einfach aus Gastfreundschaft. Anderswo gilt: wenn zu ist, ist ZU. Da kann dann auch gerne die Bundeswehr kommen, aber das IST SO! Auf Baltrum ist ein Geschäft zwar zu, aber wenn man mit den Leuten spricht, dann ist halt mal kurz auf. Oder ein Gastronomiebetreiber bekommt mit, daß einige Stammgäste auf der Insel sind... und dann verabredet man sich, und es gibt den geliebten Genuß.

Jetzt sagt mir mal ehrlich: wo findet man das sonst noch??? Ich bin schon ordentlich rumgekommen, aber das erlebt man anderswo einfach nicht. Gut: auch auf Baltrum muß man dafür mit den Menschen reden; das steht so nicht im Branchenbuch. Aber es geht, und es ist nicht schwer! :-D
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon Pitti vom Dorf » 10.11.2014, 12:38

@Tine, du hast in einem Punkt recht, es sind auch bei uns die menschlichen Bindungen, die uns immer wieder sagen lassen, ach komm, wir fahren noch einmal dahin, die oder der waren doch immer so nett.

Aber.... Kurbeitrag für ein Fernrohr, das wenig benutzt wird ? Für einen Gezeitenpfad, der erst einmal wieder gründlich renoviert werden müsste ? Dann lieber Eintritt für das Nationalparkhaus !
Aber das ist ja alles nur theoretisch. Solange die Hotel nach der Saison auf Baltrum geschlossen sind und solange kurze Buchungen im Hotel für 2-3 Übernachtungen erschwert bzw unmöglich gemacht werden, solange hat auch in diesem Kreise noch keine Alarmglocke geschlagen. (Ausdrücklich nehme ich hier die Wohnungen raus, dort haben nur längere Vermietungen sicherlich ihren guten Grund bzw dort wird bei kürzeren Aufenthalten zu Recht ein Aufpreis verlangt).

Wenn wir einmal zu unseren niederländischen Nachbarn nach Texel schauen, dort sieht das ganz anders aus. Es fängt an mit den Fährpreisen für die 20 Minutenfahrt. Sie liegt auch bei 25 €, aber mit Auto inkl. aller Insassen. Als Fußgänger zahle ich für die Überfahrt nur 2,50€ für Hin- + Rückfahrt. Die Hotelpreise liegen in der Nebensaison inkl.(!) Frühstück in *** Hotels bei ~65€ pro Zimmer. Freies WLAN ist ebenso inkludiert wie das freie Parken auf dem Festland. (Unbewacht allerdings). * und ** Hotels sind preiswerter. Als Citytax kommen pro Tag 1,60€ mit auf die Rechnung.
Nun kann man sicherlich keine Texelverhältnisse auf Baltrum erwarten, aber z.B. schon mal ein Hotelzimmer auch für 2 Übernachten inkl. Frühstück zu einem dem Hotel angepassten Preis, das wäre schon mal etwas.

Wenn nun auch noch Schwimmbad und Kurbetrieb reduziert bzw eingestellt werden, dann werden wohl noch weniger Gäste zur Nebensaison erscheinen und Dornröschen kann weiter schlafen.
Natürlich kann man auch den Traum von einer elitären Insel träumen. Dann ist man sicherlich auf dem richtigen Weg. Fragt sich nur, wie lange der Traum anhält.
Grüsse vom grossen Dorf am Rhein

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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon 66er » 11.11.2014, 00:03

mal ne (blöde?) Frage:
was machen die anderen Inseln da anders? Sind die auch so verschuldet oder gibt es da interessante Konzepte zum Abgucken?
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon Tine » 11.11.2014, 00:43

Moin Pitti,

sicherlich ist die Fähre teuer. Aber da hat die Gemeinde meines Wissens nach wenig mitzureden; das ist ein privatwirtschaflicher Betrieb. Die Fährpreisen kann man der Gemeinde also eher nicht anrechnen.

Das Fernglas nutzen wir recht oft, für uns ist das ein Faktor - genau wie der Gezeitenpfad, auf dem zwar ein paar Stationen überholt werden müßten (ein Dauerbrenner: die Wasserförderung in den Dünen funktioniert fast nie!), aber die Schautafeln sind in vergleichsweise gutem Zustand. Da sieht so was hier wirklich anders aus.

Zu den Hotelpreisen kann ich nichts sagen, denn in einem Hotel habe ich auf Baltrum noch nie übernachtet. Aber die Pensions- und FeWopreise sind reell, wenn auch nicht günstig - zumindest in der Vorsaison. Und unser Winterquartier IST günstig; da sind die Preise mehr als moderat. Ich fahre dann meistens mit jungen Leuten auf die Insel, und die Preise können sich selbst Studenten leisten. Das muß man heute erst mal finden... und das sind diejenigen, die später mit ihren eigenen Familien nach Baltrum fahren und sich dann auch mal einen Restaurantbesuch oder ein Fischbrötchen für alle auf die Hand leisten können. Und sich vermutlich dann sehnsüchtig an die Zeiten erinnern, in denen sie mit ihrer angejahrten Katastrophenschutzleitung in den Urlaub gefahren sind, um sich bekochen und betüdeln zu lassen, gute Ratschlge bei Liebeskummer inklusive ;-)

Aber damit solche Erinnerungen so rosig werden, muß vor Ort auch was passieren. Da hilft es ganz gewaltig, wenn Kohles Waffeln unerwartet auch mal im Winter zugänglich sind. Aber auch der freie Eintritt ins Sindbad und die Inselwitz-Vernissage im Jugendclub haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Liebe Gemeinde: wenn ein so vielversprechendes Klientel gehalten werden will, muß dafür auch etwas getan werden. Das kann man eben nicht nur den gastgebenden Insulanern überlassen!

@ 66er: Baltrum ist vor allem erst mal klein... das macht schon mal einiges aus. Weniger Einnahmen bei gleichen Basiskosten: das ist ungünstig. Die Personalkosten für einen Schwimmmeister bleiben gleich, egal ob 50 oder 150 Gäste pro Tag kommen - aber die Einnahmen unterscheiden sich. Die Unkosten pro Bank (Anschaffung und Instandhaltung) unterscheiden sich kaum, egal ob 5 oder 50 Pos pro Tag drauf parken, aber die Einnahmen (= anteilsmäßige Kurtaxe) unterscheiden sich gewaltig! Da ist Baltrum mit seiner relativ geringen Größe und der entsprechend geringeren Zahl an Gästen eh schon etwas im Hintertreffen. Wenn man dann noch einrechnet, daß im Rat eigentlich fast nur Mitglieder sitzen, die keine Profis in Verwaltung, Marketing oder Tourismus in Größenbereichen jenseits des eigenen Betriebes sind... muß man da noch weiterreden? Die Ratsmitglieder tun sicherlich ihr Bestes, und sie machen das ja auch nicht hauptberuflich (das könnte sich so eine kleine Gemeindeauch gar nicht leisten), aber mit irgendwas müssen sie eben auch ihr tägliches Brot verdienen. Sie können nicht mal eben ihre Arbeit für mehrere Jahre an die Seite stellen und sich nur und ausschließlich den Angelegenheiten der Gemeinde widmen, inklusive einer kompletten Vollzeitausbildung / eines Studiums, um die rechtlichen Feinheiten oder den volks- und betriebswirtschaftlichen Teil der Verwaltung zu meistern - nur um dann bei der nächsten Wahl abgewählt zu werden, weil die ergriffenen Maßnahmen zwar nötig, aber unpopulär waren.

Das findet man in so vielen Gemeinden... bis hin zur Bundesregierung. Die können nur viel ungenierter auf unser aller Kosten Schulden machen!
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon urbo » 11.11.2014, 09:29

Hi, Tine, Deine Überlegungen für die Ursächlichkeit der Schuldenspirale klingen logisch. Aber wie rauskommen ??
Baltrumpreise so erhöhen, daß nur überdurchschnittlich gut verdienende Familien sich hier Urlaub leisten können, setzt voraus, das auch angepasste Angebote vorhanden sind, da ist mit provisorischen und unprofessionellen Dingen kein entsprechender Gast zu halten. Selbst wenn alle verantwortlichen Laien ihr Bestes geben, es bleibt einfach, was glamouröses oder spektakuläres wird man nie hinbekommen. Nicht nur die Angebote seitens der Gemeinde sind gemeint, auch die Ausstattung etlicher Wohnungen entsprechen in Ausstattung und Ambiente nicht gerade dem Zeitgeist und dem Stand der Technik.
Aber woher Geld für die gehobenen Ansprüche und Wünsche nehmen ?
Wie so viele kann ich auch nur schwätzen und hab nicht mal ansatzweise eine Lösung, nur den großen Wunsch, noch viele Jahre Urlaub auf Baltrum machen zu können.
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon Karsten Paulsen » 11.11.2014, 09:40

Die unkontrolliere Verschuldung der Insel wurde vor langer Zeit mit dem Bau des (damals war es ein Wellenbad) Bades ausgelöst. Dieses Gebäude konnte nie kostendeckend betrieben werden, und das wird auch in Zukunft nicht möglich sein. Hier kann man nur alle Kabel und Leitungen kappen und eine (Aussichts-)Düne drüber schieben.

In den 60ern erfreute man die Gäste mit so Kleinigkeiten wie Bademantelgarderoben und Süßwasserduschen am Strand sowie Umkleiden an den Strandzugängen. Hat nicht viel gekostet war aber aufmerksam und liebevoll den Gästen gegenüber. Das ist mit der Zeit verloren gegangen.
Gruß aus Aurich
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Re: Baltrum muss sparen - aber um welchen Preis?

Beitragvon witscha » 14.11.2014, 17:50

wie wäre denn folgende Idee. laut der berechnung fallen von der gesamtsumme auf die einwohner von baltrum rundgerechnet 10.000 euro an.

wenn jeder baltrumer 10.000 euro einzahlt (für eine Laufzeit von ca. 20 jahren mit der entsprechenden verzinsung) um die schulden der Insel zu drücken.

entsprechend muß sich die verwaltung vertraglich verpflichten keine neuen schulden zu machen und bei entsprechenden ausgaben die baltrumer an der entscheidungsfindung per mehrheitsabstimmung zu beteiligen.

ist zwar ne dumme Idee aber warum nicht mal versuchen.

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